Raumklima: Der Luftwechsel macht den Unterschied

Raumklima: Der Luftwechsel macht den Unterschied

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Teaserbild-Quelle: Bild: Rainer Sturm /pixelio.de

90 Prozent unserer Zeit verbringen wir in Gebäuden. Doch in Zeiten energieeffizienter, luftdichter Gebäudehüllen garantiert nur ein durchdachtes Lüftungskonzept ein gesundes, hygienisches Raumklima. Denn die Luft transportiert alles ab: unangenehme Gerüche, Ausdünstungen, CO2 sowie überschüssige Feuchtigkeit.

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"Home, sweet home": Unauffällig sorgt die Lüftungsanlage dafür, dass wir uns in den eigenen vier Wänden wohlfühlen.

Moderne Menschen sind Stubenhocker. Nicht weniger als neun Zehntel unserer Lebenszeit verbringen wir heutzutage in Räumen, ganz gleich ob bei der Arbeit oder in der Freizeit. Was die Technische Universität Berlin 2004 im Rahmen des Nest-Projekts der Europäischen Kommission ermittelt hat, gilt auch für die Schweiz. Letztlich bestimmt das Raumklima, also die Qualität der Raumluft sowie die subjektiv wahrgenommene Behaglichkeit im Innenraum, zu einem grossen Teil die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung.

In konventionell gedämmten Gebäuden sollte man deshalb mindestens dreimal am Tag kurz und intensiv lüften, um die Raumluft zu erneuern. Denn dank des sogenannten Stosslüftens reichern sich im Wohn- oder Arbeitsbereich keine Schadstoffe an, und unangenehme Gerüche verflüchtigen sich. Zudem beugen die Raumnutzer so hohen Luftfeuchten mit unangenehmen Folgen wie Kondenswasser und Schimmelpilzbefall an kalten Aussenwänden erfolgreich vor.

Kontrollierte Lüftungen etabliert

Doch bei Bauten mit hervorragender Wärmedämmung würde das Stosslüften der angestrebten Energieeffizienz zuwiderlaufen. «Luftdichte Gebäudehüllen und Lüftungskonzepte sind deshalb untrennbar miteinander verbunden», sagt Christoph Sibold, Architekt und Energie-Ingenieur, an der Minergie-Fachveranstaltung «Gute Raumluft» in Dübendorf. Um die notwendige Erneuerung der Raumluft auch in energieeffizienten Bauten sicherzustellen, brauche es eine durchdachte Lösung für die Luftzufuhr von aussen, betont der Experte der Agentur Bau von Minergie Schweiz.

In den letzten Jahren haben sich kontrollierte Lüftungen etabliert, die auch bei geschlossenen Fenstern für eine stetige Frischluftzufuhr sorgen. Solche Systeme sind gemäss Minergie Schweiz hierzulande in 150'000 Gebäuden installiert – mit einem jährlichen Zuwachs von 20'000 neuen Anlagen. Trotzdem halten sich die Vorurteile gegenüber den unter dem Namen «Komfortlüftungen» vermarkteten Geräten hartnäckig: In automatisch belüfteten Bauten sei die Luft gerade im Winterhalbjahr zu trocken, Hygiene-Probleme seien vorprogrammiert und der Unterhalt der energetisch und finanziell unrentablen Lüftungsanlagen zu aufwendig. «Die Lüftung ist nicht in erster Linie zum Energiesparen da», betont Roger Waeber, der Leiter der Fachstelle Wohngifte beim Bundesamt für Gesundheit BAG. «Nein, sie ist für uns da.» (gd)

Lesen Sie den ganzen Fachbeitrag im Baublatt vom 30. Oktober.

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