Rathaus Bissendorf: Leihen from Liechtenstein

Rathaus Bissendorf: Leihen from Liechtenstein

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Teaserbild-Quelle: Bild: zvg
Das neue Rathaus im niedersächsischen Bissendorf ähnelt dem neuen Liechtensteiner Landtagsgebäude auffällig: architektonisch-gestalterisch sowie im Nutzungskonzept. Ist es deshalb ein Plagiat? „Nein“ sagen alle Beteiligten einvernehmlich.

Der Entwurf des Stuttgarter Architekturbüros „Blocher Blocher Partners“, der einen länglichen Verwaltungstrakt mit Holz- und Glasfassade sowie einen Sitzungssaal mit Spitzdach vorsieht, gewann im vergangenen Jahr den nicht offenen Wettbewerb „Rathausneubau und Umfeld“ in Bissendorf nahe Osnabrück. Der erste Platz wurde mit 10’000 Euro Preisgeld dotiert.

Wie die Neue Osnabrücker Zeitung am 27. Januar berichtet, meldete sich gleich nach Vorstellung des Siegerentwurfs ein freischaffender Architekt und wies auf die grosse Ähnlichkeit mit dem 2008 eröffneten Landtagsgebäude in Liechtenstein hin, dass der deutsche Architekt Hansjörg Göritz entworfen hatte. Das Landtagsgebäude in Vaduz setzt sich zusammen aus den drei Gebäudeteilen Hohes Haus, Verbindendes Haus und Langes Haus.

Fakt ist, dass der umbaute Raum des Rathauses Bissendorf kleiner ausfallen wird als der Liechtensteiner Landtag. Beide bestehen jedoch aus drei Gebäudeteilen, die sich nicht nur architektonisch-gestalterisch, sondern auch in ihrem Funktionsschema ähneln. Im niedersächsischen Gebäude mit steilem Satteldach befindet sich der Sitzungssaal für 30 Ratsmitglieder, im Hohen Haus mit steilem Satteldach der Plenarsaal für 25 Landtagsabgeordnete. Beide Sitzungsgebäude sind je über einen traufhohen, verglasten Verbindungsbaukörper mit einem langestreckten Verwaltungsbau verbunden, und selbst die senkrechte Fassadengliederung durch Lisenen mit dahinter liegenden Glasfassaden fällt erstaunlich ähnlich aus.

Als Reaktion auf den Plagiatsvorwurf gab das Stuttgarter Architekturbüro an, zusätzlich das Gutachten von nicht näher bezeichneten Sachverständigen eingeholt zu haben, die resümierten, beide Bauvorhaben seien „prägnante Individualitäten zu gleichartiger funktionaler und gebäudekundlicher Aufgabe“ und damit kein Plagiat. Punktum.

Unterschiedlich sind zumindest die Kosten beider Bauvorhaben. Der Parlamentssitz in Liechtenstein verschlang 42,2 Millionen Schweizer Franken (etwa 34,2 Millionen Euro), und das Rathaus von Bissendorf soll dem Vernehmen nach 3,5 Millionen Euro kosten.

Guido Halfter, der Bürgermeister von Bissendorf, erklärte nach Angaben der Zeitung die Plagiatsdiskussion für beendet. Denn, so argumentiert er, hatten auch die zuständige Architektenkammer, der Vorsitzende des Preisgerichts und das Stuttgarter Architekturbüro „einvernehmlich und unmissverständlich“ erklärt, der Entwurf sei kein Plagiat. Und deshalb könne das neue Rathaus genau so gebaut werden.(tw)