Radon: Gefährliche energetische Sanierungen?

Radon: Gefährliche energetische Sanierungen?

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Teaserbild-Quelle: zvg

Das Krebsrisiko kann nach Haussanierungen steigen: Weil verbesserte Dämmungen die Luftzirkulation einschränken, entweicht vorhandenes Radon schlechter. In der Folge steigt die Radonbelastung. Zu diesem Schluss kommt die Tessiner Fachhochschule in einer noch nicht publizierten Studie.

Für ihre Studie haben die Fachleute in den Jahren 2011 und 2012 insgesamt 164 Häuser vor und nach der Sanierung unter die Lupe genommen. Sie stellten fest, dass die Radonkonzentration nach den Sanierungsarbeiten jeweils um durchschnittlich um 25 Prozent zugenommen hatte. Wie der „Tages-Anzeiger“ berichtet, stieg das Radon am stärksten mit 35 Prozent an. Dies geschah dann, wenn neue besser isolierende Fenster installiert worden waren. Dazu hält Studienleiter Luca Pampuri gegenüber der Zeitung fest, dass ein genügender Luftwechsel auch nach einer energetischen Sanierung gewährleistet sein sollte. (mai)

Stichwort "Radon"

Radon ist ein radioaktives Edelgas, das unter anderem beim Zerfall von Uran und Thorium im Erdinnern entsteht. In Gebäuden kann sich Radon anreichern und dadurch die Bewohner gefährden. Werden seine gasförmigen Zerfallsprodukte eingeatmet, können sie sich im Atemtrakt des Menschen anreichern. Dort zerfallen sie in weitere radioaktive Substanzen wie Bismut, welche das Körpergewerbe mit Alpha-Teilchen bestrahlen und so zu Krebserkrankungen führen können. Das Gas besitzt unter normalen Bedingungen weder Farbe, Geruch noch Geschmack und muss mittels Messung nachgewiesen werden. Sehr schwierig ist die objektive Bestimmung der Gefährdung, weil neben baulichen Gegebenheiten auch die Lebensgewohnheiten der Bewohner eine grosse Rolle spielen: Wer nur gelegentlich in den radon-belasteten Keller steigt, wird markant weniger belastet als jemand, der im Kellerraum zum Beispiel einen Büro- oder Hobbyraum eingerichtet hat und sich dort immer wieder längere Zeit aufhält. In der landläufigen Meinung sind vor allem alte Gebäude in besonders radonexponierten Gebieten wie dem Tessin oder dem Jura gefährdet. Tatsächlich variiert die RadonBelastung von Gebäude zu Gebäude, genaue Aussagen über das effektive Risiko werden dadurch erschwert. Der Goldstandard für die Ermittlung der Radon-Belastung ist nach wie vor eine Messung. Nur sie kann Aufschluss über die effektive Belastung und den Erfolg allfälliger  Sanierungsmassnahmen geben. Eine Messung mittels Dosimetern, die auf eigene Faust im Haus ausgelegt und zur Auswertung an eine anerkannte Messstelle eingeschickt werden, kostet ungefähr 150 bis 200 Franken, eine elektronische Messung durch ein qualifiziertes Unternehmen etwa 1000 bis 1400 Franken.(ms)