Pumpspeicherkraftwerk Lagobianco verzögert sich um Jahre

Pumpspeicherkraftwerk Lagobianco verzögert sich um Jahre

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Teaserbild-Quelle: Repower
Gestorben ist das rund 2,5 Milliarden Franken teure Projekt zwar nicht, aber der Baustart für das Pumpspeicherwerk Lago Bianco auf dem Berninapass verzögert sich massiv: Repower rechnet frühestens 2019 mit dem Baubeginn. Das Bündner Energieunternehmen begündet dies mit den gesunkenen Strompreisen.
 
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Einer von zwei Speichern: der Lagobianco im Puschlav.
 
Ursprünglich hätten die Bauarbeiten bereits dieses Jahr starten sollen. Weil Einsprachen von Grundeigentümern und Pächtern die  Konzessionserteilung durch den Kanton verzögert haben, verschob sich der Termin ins 2014. Doch nun ist laut Vize-Repower-CEO Felix Vontobel auch im nächsten Jahr an einen Baubeginn „nicht zu denken“. Der Grund: Der Strommarkt sei in den letzten Jahren mit subventionierter erneuerbarer Energie überschwemmt worden. Das habe zu einem Preiszerfall geführt. „In Westeuropa sind alle Projekte zurückgestellt, die nicht von Subventionen profitieren“, sagte Vontobel. Zwar sei die Politik nun daran, das Fördersystem zu überdenken. Bis aber entsprechenden Massnahmen folgen und oder vielmehr bis die die Weichen wieder zu mehr Markt hin gestellt werden, werden laut Vontobel voraussichtlich ein paar Jahre vergehen.
 
Dennoch glaubt man bei der Repower daran, dass das Projekt Lago Bianco früher oder später gebaut werden kann. Dies erklärte Vontobel gegenüber dem Regionaljournal Graubünden von Radio SRF. Das Projekt verschwinde nicht in einer Schublade. Man werde es weiterbearbeiten - die Frage sei nur, mit welchem Engagement.
 
Vom Aufschub direkt betroffen ist die Standortgemeinde Poschiavo: Ihr entgehen vorerst jährliche Wasserzinsen und Pumpwerksteuern von 2,6 Millionen Franken sowie eine einmalige Konzessionsgebühr von 5,1 Millionen Franken. Laut Gemeindepräsident Alessandro Della Vedova ist der Gemeindevorstand in ständigem Kontakt zu Repower. Darum komme der Aufschub des Bauvorhabens nicht überraschend. Della Vedova ist überzeugt, dass Lago Bianco realisiert wird, sobald Marktkorrekturen greifen - so wie es die Repower versichert. Die Gemeinde könne mit der Verzögerung leben. Die lokalen Bauunternehmen würden hingegen durchaus getroffen von der jahrelangen Verzögerung. Man könne den Aufschub aber auch als heilsamen Schock sehen. „Wir dürfen uns nicht völlig von Repower abhängig machen, sondern müssen als Talschaft diversifizieren“, sagte Della Vedova. (mai/sda)
 

Das Projekt

Bei dem Projekt handelt es sich um ein Tausend-Megawatt-Pumpspeicherwerk. Es wurde gemäss Repower zusammen mit Umweltorganisationen als Alternative zu den früheren Ausbauvarianten entwickelt. Mit dem künftigen Pumpspeicherwerk sollen der Lago Bianco am Berninapass und der Lago di Poschiavo als Speicher genutzt werden. Mit Hilfe eines 18 Kilometer langen Druckstollens an der rechten Talflanke des Puschlavs und eines 2,5 Kilometer langen Druckschachts gelangt das Wasser zur Kraftwerkszentrale in Camp Martin am Puschlaversee. Diese wird über die bereits bestehende internationale 380-Kilovolt-Leitung ans Stromnetz angebunden. Es wird mit einer Bauzeit von sechs bis sieben Jahren gerechnet. (mai/mgt)
 
Mehr über das Projekt: www.lagobianco.repower.com