Pulverschnee aus der Kunstwolke?

Pulverschnee aus der Kunstwolke?

Gefäss: 

Während anderswo Schneekanonen für Skivergnügen sorgen, sollen Pisten im österreichischen Obergurgl mit Hilfe einer künstlichen Wolke beschneit werden. Die Wolke ist laut „Ötztal Tourismus“ eine „Weltneuheit“ und wird nun in Obergurgl erstmals im Freiluftlabor getestet.

Film zur Wolke.

In einer künstlichen Wolke lässt sich laut Medienmitteilung aus einem Kubikmeter Wasser bis zu 15 Kubikmeter Pulverschnee von relativ geringer Dichte zu erzeugen. Zunächst soll der pulvrige Schnee in Skigebieten überall dort eingesetzt werden, wo qualittav guter Naturschnee den Betrieb aufwertet, etwa in Funparks oder auf Anfängerpisten.

Die Wolke ist eine Erfindung von Ingenieur  Michael Bacher, dem wissenschaftlichen Leiter des Projektes, und von seinen Kollegen der Universität für Bodenkultur Wien und der Technischen Universität Wien. Sie beschäftigten sich seit 2009 mit der Schneeerzeugung. Dieser Tage ging es nun vom Labor in die Natur nach Obergurgl, wo unter realen Bedingungen geforscht wird. Dies, um herauszufinden, wie eine Kunstschneewolke auch im grossen Stil genutzt werden kann. Bacher sieht grosse Vorteile gegenüber Schneekanonen: „Ein deutlich reduzierter Energieverbrauch und die wesentlich effizientere Nutzung der Ressource Wasser machen die neue Technik auch aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen interessant.“. -  Nach der Patentanmeldung und Weiterentwicklung der sogenannten „Dendritic Snow Production“ gründete Bacher in diesem Jahr das Unternehmen Neuschnee.

Ein eiskaltes „Herz“

Das „Herz“ des Freiluftlabors bildet eine Wolkenkammer, in der Wassertropfen und Eiskeime miteinander vermischt werden können. Ebenso wie in einer natürlichen Wolke, benötigt man die Schneeproduktion in der Wolkenkammer Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, idealerweise müssen sie kälter sein als rund minus fünf Grad Celsius.

Zur Schneeproduktion werden Wassertropfen in die Wolkenkammer eingesprüht und so eine kleine, künstliche Wolke erzeugt. Dank der tiefen Umgebungstemperatur kühlen die Tröpfchen ab, allerings ohne dabei selbst zu gefrieren. In diesen Nebel werden Kristallisationskeime eingebracht. Im Fall der Obergurgler Wolke handelt es sich um  kleine gefrorene Eisplättchen. Damit sind in der Wolke alle drei Phasen des Wassers gleichzeitig vorhanden: fest, flüssig und gasförmig. Die Kristallisationskeime wirken so wie Magnete, die welche laufend Wassermoleküle oder vielmehr Wasserdampf anziehen und in der festen Phase binden. Das heisst:  Die Keime wachsen so zu grösseren Kristallen zusammen  und fallen als  Schnee aus der Wolke. Weil eine Kunstwolke im Vergleich zu einer „Naturwolke“ eher klein ist, muss man den Prozess der Schneekristalbildung intensivieren, um akzeptable Schneemengen produzieren zu können. Aus diesem Grund ist die Nebeldichte in der Wolkenkammer höher als in natürlichen Wolken.

Wie viel Schnee eine Kunstwolke tatsächlich  liefern kann soll sich nun während der kommenden Monaten zeigen. Ebenso müssen die Wissenschaftler eruieren, wie sich Wind und Wetter auf die Wolke auswirken. „Mit all diesen Erfahrungen können wir vielleicht im nächsten Winter schon die erste ‚echte‘ Wolke in Betrieb nehmen“, hofft Bacher. (mai)