Preisgekrönter Schuldenturm

Preisgekrönter Schuldenturm

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Teaserbild-Quelle: zvg
Der Porta-Fira-Komplex in einem Vorort von Barcelona wurde mit dem Emporis-Preis als schönster Hochhaus-Neubau 2010 gekürt. Dem markanten Hotelturm wurden aber nebst der Auszeichnung auch viel Kritik und einige unschmeichelhafte Vergleiche zuteil.
 
Geschmack ist bekanntlich Ansichtssache. Das Gebäude, das eben zum schönsten Wolkenkratzer gekürt wurde, dient dafür hervorragend als Anschauungsmaterial: Die Porta Fira in Barcelona wurde von einer Fachjury aus 67 Personen als schönster Hochhaus-Neubau 2010 ausgezeichnet. Ein Entscheid, an dem sich die Geister scheiden.
Der preisgekrönte Komplex besteht aus einem geschwungenen knallroten Hotel mit 26 Stockwerken und 113 Metern Höhe und einem kleineren Büroturm, dem als Quader ausgeführen Torre Realia BCN. Entworfen haben das Ensemble der japanische Stararchitekt Toyo Ito und das Architekturbüro b720 Vazquez Arquitectos.
 
Hotel und Büroturm stehen am Stadtrand von Barcelona, in der Nähe des Internationalen Flughafens El Prat, und sind Teil eines grossangelegten Projektes, mit welchen das Vorstadtviertel erneuert und modernisiert werden soll. Das Gebiet ist auch durch die neue Linie der städtischen U-Bahn erschlossen.
 
Die Jury lobt am preisgekrönten Bau zum einen die Einbettung in die Umgebung. Das Hochhaus überzeuge durch „ästhetische Exzellenz und die urbanistische Einfügung des Gebäudes in das Stadtbild“. Am Erscheinungsbild bewundert man den eleganten Schwung, die gewagte Farbgebung und die spezielle Materialisierung der Fassade: Die hat eine innere Schicht aus Panels aus rostfreiem Stahl und eine äussere Schicht aus Aluminiumröhren, die mit leuchtend roter Kunstharzfarbe überzogen sind. „Das organische Design war unsere grösste Herausforderung“. Erläutert Mit-Architekt Fermin Vazquez. „Die Fassade umschlingt die komplexe Geometrie des Bauwerkes, dreht sich und wächst mit zunehmender Gebäudehöhe.“
 
Der Architekturkritiker der „Frankfurter Allgemeinen“ nennt die Porta Fina allerdings ein skurril anmutendes Hochhaus, eine lokale deutschsprachige Zeitung fühlt sich eher an „die Silhouette eines gigantischen, mittelalterlichen Schuldenturms oder eines durchlöcherten Kondoms“ erinnert.
 
Überrascht hat viele Beobachter, dass das verdrehte Hotel das „Burj Khalifa“ auf den zweiten Platz verdrängt hat, das mit 828 Metern höchste Gebäude der Welt. Städtebauliche Integration und Ästhetik würden schwerer wiegen als der „babylonische Wunsch“ nach immer höheren Wolkenkratzern. Eine Formulierung der Jury, welche durchaus als Tritt ans Schienbein der Bauherren in Dubai gewertet werden kann.
 
Auf dem dritten Platz landete der "Tour CMA CGM" in Marseille. Das Gebäude sei besonders modern und habe eine grosse Symbolkraft für die Erneuerung der Stadt, so die Laudatio.
 
Schweizer Teilnehmer am Hochhaus-Wettbewerb gab es bisher übrigens nicht. Der 2003 eröffnete Basler Messeturm war mit 105 Meter das erste einheimische Gebäude, das die Qualifikationshöhe erreicht hätte, wurde aber nicht nominiert. Der nächste Kandidat ist nun der Zürcher Prime Tower, der aber erst 2011 ins Rennen gehen kann. (bk)
 

Hintergrund

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Der Emporis Skyscraper Award wird seit dem Jahr 2000 vergeben und gilt als wichtigster Architekturpreis für Wolkenkratzer. Die Jury setzt sich aus Architekturexperten aus aller Welt zusammen. Wichtigste Kriterien sind Design und Funktionalität eines Gebäudes, zudem muss dessen Höhe mindestens 100 Meter betragen. Die Firma Emporis ist einer der grössten Anbieter von globalen Gebäudeinformationen, gemäss eigenen Angaben mit einer Datenbank von 400'000 Gebäuden aus 60'000 Städten. Dazu steht für zahlende Kunden ein Team von Rechercheuren zur Verfügung. Viele der Emporis-Infos sind indes gratis zugänglich. Architektur-Fans können auf der Page auch selber Infos oder Bilder beisteuern. (bk)