Playboys und schöne Kurven

Playboys und schöne Kurven

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Teaserbild-Quelle: Playboy Enterprises International, Inc.

Dass das Playboy-Magazin einiges für die Verbreitung der Avantgarde-Architektur der 50er- bis 70er-Jahre getan hat, zeigt eine aktuelle Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main und unsere Bilderstrecke.

Neben den Kurven schöner Frauen tauchten zwischen den 50er- und 70er-Jahren regelmässig auch andere Kurven im Playboy auf.  In Form von Architekturikonen oder von Buckminster Fullers utopischen Visionen. Zudem räkelten sich Playmates oft auf heute längst legendären Designkreationen, etwa auf Stühlen von Charles und Ray Eames, Eero Saarinen oder Frank Ghery. Für den „theoretischeren“ Zugang zur Design- und Architekturavantgarde sorgten etwa Beiträge zu Mies van der Rohe oder Richard Neutra.

Daneben zeigten bunte, oft sehr detaillierte Skizzen wie der der perfekte Rückzugsort für ein Wochenende zu zweit oder die stilvolle Junggesellenwohnung - das sogenannte Bachelor Pad - aussieht. Sie waren als Inspirationsquelle für die Leser gedacht und wurden häufig mit ausführlichen Shoppingtipps ergänzt. Das gilt auch für das 1962 publizierte, von Hugh Hefner abgeleitete, aber nie realisierte „Playboy Town House“. Elegante Designerstücke gehörten ebenso dazu wie technische Einrichtungen, zum Beispiel die vollautomatisierte Küche, die eine Hausfrau überflüssig machte, damit sich der Playboy und seine Gespielinnen wirklich vergnüglichen Dingen widmen konnten. Später verlagerte sich der Schwerpunkt auf Porträts realer Playboy-Wohnungen. Spektakuläre Aufnahmen und weibliche Kurven setzten sie als extravagante Spielwiese für ewige Junggesellen in Szene. Daneben veranschaulichten die Bilderstrecken eine neue Seite  der Architektur: jene des Vergnügens und der Verführung.  

Nicht überall kam verspieltes Design und verspielte Architektur an: Architekturhistoriker Sigfried Giedion bezeichnete die Bauwerke der späten 50er-Jahre als „Playboy-Architektur“. Sie entspreche dem „Lebensstil des Playboys“, der „von einer Sensation zur nächsten hastet und der Dinge schnell überdrüssig wird“. Derweil lobte der englische Historiker Reyner Banham, dass die Playboy Architektur, Unterhaltungskultur und technische Spielereien verbindet. Zudem hielt er die Pin-ups für eines der „grössten Geschenke Amerikas an die westliche Kultur“… (mai/pd)

Playboy Architektur, 1953-1979 bis 20. April
Deutsches Architektur Museum, Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt am Main, www.dam-online.de