Platz schaffen für Neues

Platz schaffen für Neues

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Teaserbild-Quelle: MCH Messe Basel
Der Messeplatz in Basel präsentiert sich zurzeit als riesige Baustelle. Während auf der einen Seite das Verbindungsstück fertig ist, fängt auf der anderen der Abbruch erst an.
 

Links zu Beteiligten

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Ein kurzer Blick auf die Visualisierung und man weiss, wie der Messekomplex im Kleinbasel künftig aussehen wird. Einen realistischen Eindruck von der Veränderung, die das enorme Vorhaben mit sich bringt, erhalten Interessierte aber erst, wenn sie auf der gewaltigen Baustelle stehen. Der ganze Platz sieht aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Überall kann man beobachten, wie die grössten und leistungsfähigsten Rückbauhbagger der Schweiz mit ihren riesigen Zangen die Betonwände in Einzel­stücke zerbeissen. Den Staub halten die Bauarbeiter, von denen ungefähr 100 vor Ort sind, mit Wasserschläuchen im Zaum und am Boden.
 
Das neue Messegebäude, entworfen von Herzog & de Meuron, wurde nötig, weil die MCH Messe Basel die Halle 6 nicht mehr nutzen darf. Mit dem neuen Komplex erhält die Bauherrin nun eine 141 000 Quadratmeter grosse Ausstellungsfläche. Das zweigeschossige Mittelstück des neuen Gebäudes wurde bereits fertig gestellt. 32 Meter ragt die imposante Überbauung in die Höhe. Unterhalb dieses Mittelstücks befindet sich der zur City Lounge umfunktionierte Messeplatz, der künftig als überdachter Eingang zur Halle 1 fungieren soll. Durch einen Lichthof mit 30 Metern Durchmesser wird der Platz erhellt. Damit sich der Ort wie vorgesehen zu einem Anziehungspunkt des öffentlichen Lebens entwickeln kann, sind die Randzonen der City Lounge für Dienstleistungsflächen reserviert. Daneben stehen die Tramhaltestellen für den öffentlichen Verkehr.
 
Auf der linken Seite der heutigen City Lounge befand sich ursprünglich die Halle 1 und auf der rechten die Halle 3, künftig soll nur noch die Halle 1 existieren (siehe «Zu spät dran, aber in der Zeit»). Vom neuen Bau sieht man allerdings noch nicht viel. Bevor er errichtet und später mit dem bereits fertig gestellten Mittelstück zusammengefügt wird, müssen erst einmal die Halle 3 und der Kopfbau der alten Halle 1 weg. Deshalb sind zurzeit die riesigen Rückbaubagger am Werk. «Das ist das besondere an dieser ­Baustelle», sagt Projektleiter Wolfgang Schäfer. «Während wir auf der einen Seite mit dem Mittelstück bereits fertig sind, fängt auf der anderen der Abbruch erst an.» Grund für die gestaffelte Bauweise ist der enge Terminplan. Die MCH Messe Basel will ihren Betrieb nämlich pünktlich zur Eröffnung der Uhren- und Schmuckmesse ­Baselworld am 25. April 2013 in den neuen Hallen wiederaufnehmen. Deshalb musste die Totalunternehmerin HRS Real Estate AG, die das Projekt realisiert, die gestaffelte Bauweise aufgleisen.
 

Areal frei von Altlasten

Wie aber konnten die Bauarbeiter das Mittelstück errichten, wo doch die alte Messehalle 3 und der Kopfbau der Halle 1 noch nicht abgerissen waren und damit der Überbauung quasi im Weg standen? Die Antwort darauf weiss Wolfgang Schäfer: «Bevor wir das Mittelstück zu bauen ­angefangen haben, errichteten wir an den Ecken der bestehenden Hallen mehrere Betonkerne, auf denen wir die Stahlkonstruktion der Überbauung verankern konnten.» Nun, da das Mittelstück ­fertig gestellt ist, kann man die Halle und den Kopfbau um die Betonkerne herum abreissen. Mobile Kranwagen, mit Splittermänteln ausgestattet, sorgen dafür, dass kein Abbruchmaterial auf die Fassade des Neubaus oder auf die ­Strasse fällt.
 
Unmittelbar nach dem Rückbau der alten Halle 3 und des Kopfbaus sowie dem Aushub werden die Pfähle und die Bodenplatten der Kerne als Fundament für die neue Halle 1 erstellt. Wie Schäfer erklärt, erwartet er keine Überraschungen hinsichtlich des Aushubs. «Sondierbohrungen haben ergeben, dass sich im Boden nichts Gefährliches befindet. Wir können mit den Arbeiten also ­sogleich fortfahren.» Sobald die Pfähle und die Bodenplatten erstellt sind, beginnt der Rohbau der Untergeschosse und der Kerne. Von Ende Juli bis Anfang September erfolgt dann der Stahl- und Elementbau, wofür 8 Baukräne nötig sind. Während der Stahlbauphase kommen weitere 8 Mobilkräne und 20 Gelenk-Teleskopbühnen mit 35 Metern Höhe dazu. Dank dieses Aufgebots können die Rohbauten bereits im September ­fertig gestellt werden. Als Nächstes wird das ­Mittelstück mit der neuen Halle 1 verbunden. Überschneidend ab Mitte August erfolgt bis Mitte Dezember der Innenausbau des Messekomplexes. Die Montage der Fassadenverkleidung und die Begrünung des Dachs schliessen die ­Ver­antwortlichen ebenfalls bis Ende Jahr ab. Im ­Dezember 2012 sind dann die Umgebungsarbeiten, technische Testläufe, Bauabnahmen und die Baureinigung geplant, sodass der Projektübergabe und der Eröffnung im April 2013 nichts mehr im Weg stehen dürfte.
 

Ausserordentliche Arbeitszeiten

«Eine besondere Herausforderung dieser Baustelle ist zweifelsohne das Koordinieren aller ­Abläufe», erklärt Wolfgang Schäfer. «Denn nur wenn diese stimmen, können wir den engen ­Zeitplan ein­halten.» Gefordert sind insbesondere die Bauarbeiter und Handwerker. Sie müssen bis September von Montag bis Samstag im ­Zweischichtbetrieb von 6 bis 24 vor Ort sein, ­wobei die bewilligte Arbeitszeit für lärmintensive Tätigkeiten beschränkt ist. Sobald der Rohbau steht, werden die Aussenarbeiten um zwei Stunden reduziert stattfinden, der Innenausbau erfolgt dann im 24-Stunden-Betrieb.
 

Kein Platz für Material

Läuft etwas schief, muss der Projektleiter sofort handeln, weil sonst der ganze Bauablauf ins ­Stocken gerät. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Hauptbauphase, weil zu diesem ­Zeitpunkt neben dem Rohbau auch der Innenausbau startet. «Während dieser Zeit werden auf der Baustelle bis zu 1200 Bauleute gleichzeitig vor Ort sein», betont Schäfer. «Sie alle müssen neben­einander arbeiten, ohne sich gegenseitig zu behindern.» Wegen der engen Platzverhältnisse auf der städtischen Baustelle ist das gar nicht so einfach. Für ihre persönlichen Sachen dürfen die Angestellten nur eingeschränkt ­Baucontainer aufstellen. Weil es sich bei den ­aus­führenden Firmen zu einem grossen Teil um Lokal­betriebe handelt, stellt dies jedoch ein ­weniger grosses Problem dar.
 
Viel mehr Kopfzerbrechen bereitet Schäfer die Bewerkstelligung der Baumaterial-Belieferung: «Das Material hat keinen Platz auf dem Areal.» Deshalb müssen die Lastwagenführer am Checkpoint in Kleinhüningen, wo die MCH Messe Basel ihren Umschlagplatz hat, mit dem Material ­warten. Und zwar solange, bis sie man sie über Funk auf die Baustelle bestellt. Das kann ­zwischen 15 Minuten und zwei Tage dauern. Kaum vor Ort werden die Materialien sofort verbaut. Die Zufahrt zur Baustelle auf dem Messeplatz erfolgt grösstenteils über die Rosentalstrasse, die Wegfahrt über die Isteinerstrasse und den Riehenring. Eine zweite Anlieferungszone befindet sich hinter der Halle 3, die über die Riehenstrasse erschlossen wird. Für das Projekt sind 6800 Tonnen Stahl, 53 000 Kubikmeter Beton und 5600 Tonnen ­Armierungsstahl nötig.
 

Emissionen werden dokumentiert

Weil man den Tramverkehr während der ganzen Bauphase aufrecht erhalten will, mussten die Verantwortlichen entlang der Baustelle einen Schutztunnel für Bahn und Passanten errichten, der erst nach Abschluss der Arbeiten wieder wegkommt. Unterbrochen wird der Trambetrieb nur, wenn schwere Lasten erwartet werden, die man nachts mit Sondertransporten anliefert. Während der ­gesamten Bauzeit dokumentiert die HRS Real ­Estate AG alle Arten von Emissionen wie zum Beispiel Lärm und Erschütterungen. Auf diese Weise bewerkstelligt sie, dass die von den Behörden vorgegebenen Richtlinien ­eingehaltet werden. Von Florencia Figueroa
 
 
 
Hintergrund
Die Bauarbeiten für die Messeerweiterung sind eigentlich ein Jahr zu spät gestartet. Der Grund für die Verzögerung waren die Kosten. Das 2006 geplante Bauvorhaben hätte in seiner ursprünglichen Form nämlich das vorgesehene Budget von 350 Millionen bei Weitem gesprengt, weshalb sich die Bauherrin MCH Messe Basel dazu genötigt sah, eine Redimensionierung anzuordnen. Das architektonische Konzept blieb aber bestehen, wie es ursprünglich geplant war. Das Projekt wird jetzt lediglich etwas kleiner, schmäler, kürzer und tiefer, sprich städtebaulich verträglicher.
 
Statt der 350 Millionen Franken wendet die Bauherrin nun 430 auf. Das sieht auf dem ­ersten Blick nach einer Teuerung aus, ist aber wesentlich weniger als das Projekt ohne Überarbeitung gekostet hätte. Die Zusatzkosten von 80 Millionen waren für das Unternehmen tragbar und werden deshalb von ihm selbst übernommen (siehe «Kurz notiert»).
 

Baukörper war zu gross

Im Vorfeld der Abstimmungen 2008, die in den Kantonen Basel-Stadt und Baselland durch­geführt wurden, stand der neue Baukörper in der Kritik, weil man ihn für zu wuchtig und klotzig befand. Durch die Redimensionierung wurde das Gebäude nun auf den Seiten Riehenring und Isteinerstrasse 16 m schmäler und 10 m kürzer. Die beiden durch eine Verschiebung besonders augenfälligen Obergeschosse der neuen Halle 1 sind nun je 8 m hoch (vorher 10 und 7 m). Durch die Verdünnung der Zwischenböden und -decken schrumpfte der ganze Baukörper schliesslich nochmals um 3,5 m, ­sodass er auf der rechten Seite auf 36 m Höhe und auf der linken auf 18 m Höhe kommt. Der Grundriss des Baukörpers beträgt 220 auf 90 m bei einer Höhe von 32 m.
 
Keine Veränderungen hingegen erfuhr das Konzept des Messeplatzes. Das bestehende Areal wird in drei neue Bereiche geteilt: in ­einen offenen Platz, in die überdachte City Lounge und in einen Grünpark. In ihrer alten Gestalt belassen bleiben zudem die Hallen 2 und 5 sowie das Kongressgebäude und der Messeturm. (ffi)
 

Übrige Beteiligte

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  • Bauherrschaft: MCH Messe Basel
  • Architekt: Herzog & de Meuron
  • Generalunternehmung: HRS Real Estate AG
  • Aussenverkleidung: ARGE Rytz AG / Marx.AG
 
 
Kurz Notiert
Die Kosten für das neue Messegebäude betragen 430 Millionen Franken. Für die Finanzierung kommen neben der Bauherrin MCH Messe Basel auch die Kantone Basel- Stadt, Baselland und Zürich sowie die Stadt Zürich auf. Dass sich der Kanton sowie die Stadt Zürich am Bau beteiligen, liegt daran, dass der wirtschaftliche Nutzen des Messebetriebs Basel als sehr hoch eingestuft wird.
 
Die Basler Kantone investieren 90 Millionen Franken. 220 Millionen erhält die MCH Messe Basel als Darlehen, für das ebenfalls die Basler Kantone sowie der Kanton und die Stadt ­Zürich aufkommen werden. Die restlichen 120 Millionen bezahlt die Bauherrin.
 
Für den Neubau der Messehallen haben sich die Verantwortlichen für den Minergie- und den Minergie-Eco-Standard entschieden. Bei der Beleuchtung und der ­Gebäudetechnik sollen darüber hinaus die Zielwerte der SIA-Norm 380/4 erfüllt werden. Alle Anlagen werden bedarfsabhängig betrieben, die ­Abwärme wird genutzt und auf dem Dach eine Photovoltaik-Anlage installiert.
 

Verbundene Grünflächen

Die Grünflächen – Rosentalanlage, Riehenteichanlage – bleiben bestehen und werden durch einen neuen Grüngürtel entlang der Riehen­strasse miteinander verbunden.(ffi)