«Planungsbranche auf ausländische Fachkräfte dringend angewiesen»

«Planungsbranche auf ausländische Fachkräfte dringend angewiesen»

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Die negativen Folgen der Masseneinwanderungsinitiative auf die Bauwirtschaft sind unbestritten. Der SIA verfolgt dabei eine Doppelstrategie: Neben der kontrollierten Zuwanderung ausländischer Experten sollen qualifizierte Fachkräfte aus dem Inland gestärkt und wirkungsvoll gefördert werden.

Dass das «Ja» zur Masseneinwanderungsinitiative zu einem Fachkräftemangel in der Baubranche führt, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Nun hat der SIA darauf reagiert und eine Umfrage gemacht beziehungsweise 2017 Firmenmitglieder angeschrieben, von denen 314 geantwortet haben. Die Büros beurteilen das Abstimmungsresultat grösstenteils negativ. Dies deckt sich mit Konjunkturerhebungen des SIA, welche den Fachkräftemangel in der Planungsbranche bestätigen: Unterbesetzte Büros führen, wenn überhaupt, zu mangelhafter Auftragsausführung. Dieses Defizit versuchen mehr als 80 Prozent der Unternehmen mit ausländischen Arbeitskräften zu kompensieren – ein Defizit, dass eher noch grösser wird, denn die gute Konjunktur lässt auf einen stabilen beziehungsweise steigenden Bedarf an ausländischen Experten schliessen.

Der SIA hat die aktuellen Daten des Bundesamtes für Statistik für den Architektur- und Ingenieurbereich hochgerechnet und ist zu folgendem Resultat gekommen: Für die Bedarfsdeckung im Architektur- und Ingenieurssektor ist bei einem konstanten Ausländeranteil von rund 25 Prozent eine Zuwanderung von jährlich mindestens 2200 ausländischen Fachkräften notwendig, also von rund 750 Ingenieuren und 1450 Architekten. Realiter ist es noch mehr: Die befragten Büros schätzen darüber hinaus ihren jährlichen Expertenzusatzbedarf für die nächsten fünf Jahre auf 10 Prozent.

Diese Zahlen sind massiv, deshalb spricht sich der SIA für eine «massvolle Umsetzung der Zuwanderungsinitiative» aus: «Die erschwerte Rekrutierung ausländischer Arbeitnehmer darf nicht dazu führen, dass der Fachkräftemangel in der Planungsbranche weiter verschärft und damit eine Schlüsselbranche der Bauwirtschaft ausgebremst wird», heisst es in einem Pressecommuniqué. Erfolgversprechender als pauschale Zuwanderungsrestriktionen sei eine Doppelstrategie: «Parallel zur kontrollierten Zuwanderung ausländischer Fachkräfte müssen Berufsverbände und Bauwirtschaft alles dafür tun, um die Qualifikation inländischer Fachkräfte verstärkt und wirkungsvoll zu fördern.»

Wegzeichen hat der SIA bereits gesetzt – etwa in Form der mit Doris Leuthard verabschiedeten Bildungsinitiative für die Energiebranche oder der Plattform Bauleiterausbildung. Damit will man inländische Arbeitnehmer für die Bau- und Planungsbranche verstärkt mobilisieren, Fachleute weiterbilden und nicht zuletzt auch Schulabgänger für Bau- und Planungsberufe begeistern. Der SIA hält aber gleichzeitig fest, dass «inländische Berufseinsteiger den Bedarf bis 2020 allein nicht decken können». Um die Leistungsfähigkeit und das qualitative Niveau des schweizerischen Bau- und Ingenieurwesens aufrecht zu erhalten, sei die Planungsbranche auf ausländische Fachkräfte aber weiterhin dringend angewiesen. (cet)