Pitcairn: Der lange Abschied vom Inselleben?

Pitcairn: Der lange Abschied vom Inselleben?

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Nur noch 49 Bewohner zählt Pitcairn, eine winzige  Insel mitten im Pazifik. Die Zukunftsaussichten für das legendäre Eiland – seine Bewohner sind die Nachfahren britischer Seeleute, die sich dort vor über 200 Jahren nach einer Meuterei niedergelassen haben – sind düster.  

Pitcairn liegt 5000 Kilometer von Neuseeland und 5700 Kilometer von Südamerika entfernt, mitten im Pazifik. Die 4,6 Quadratkilometer Fels sind britisches Territorium.  Denn ihre Bewohner sind  Nachfahren der Seeleute der HMS Bounty. Nach einer  Meuterei hatten sich die Männer um 1790 zusammen mit gekidnappten tahitianischen Frauen auf dem Eiland nieder gelassen.

Wegen ihrer Geschichte und der zahlreichen Filme, die über die Meuterei gedreht wurden, ist das Eiland legendär. Doch bald könnte die Insel endgültig nur noch eine Legende sein. Zumindest was ihre Bewohner anbelangt: Sie droht, sich zu entvölkern. Heute leben hier noch 49 mehrheitlich ältere Menschen. Laut offiziellen Berichten könnten sie schon bald ins rund 5000 Kilometer entfernte Neuseeland übersiedeln müssen. Dies schreibt der neuseeländische Newsblog stuff.co.nz. Bloss noch zehn Pitcairner seien fit genug, um die für das Inselleben überlebenswichtigen  Langschiffe oder vielmehr Ruderbooten steuern zu können. Laut offiziellen Erhebungen gibt es noch maximal drei Frauen im gebärfähigen Alter.

„Zu isoliert“

Die Chancen, dass die Insel zu neuem Leben erweckt wird – in ihrer Blütezeit wohnten in der Hauptstadt Adamstown 250 Menschen – sind gering. „Pitcairn ist zu isoliert und wird niemals ganz seinen eigenen Weg gehen können“, erklärt Rob Solomon, der für die britischen Behörden eine Studie zur Zukunft Pitcairns erstellt hat, gegenüber stuff.co.nz. Für seine Studie hatte er auch mit den mehrheitlich nach Neuseeland ausgewanderten 33 Pitcairnern gesprochen. Nur drei hätten Interesse gezeigt, in ihre Heimat zurück zu kehren. Diejenigen, die nicht mehr zurück wollen, gaben als Gründe fehlende berufliche Möglichkeiten an, aber auch den Sexskandal von 2004: Damals waren sechs Männer  wegen 35 Fällen von sexuellem Missbrauch Minderjähriger und von Vergewaltigung verurteilt worden.  -  Heute dient das eigens für sie der Insel errichtete Gefängnis als Guesthouse .

Verlorener Posten im Ozean?

Nicht nur der Schatten der jüngeren Vergangenheit lässt die Zukunft der Insel düster erscheinen. Auch was die Infrastruktur anbelangt, sieht es nicht gut aus. Flugzeuge können auf der Insel nicht landen, weil es keine Landepiste gibt. Zwar gab es vor etwa zehn Jahren Pläne für eine solche, doch sie wurden nie umgesetzt. Pitcairner, die etwa in Neuseeland Verwandte besuchen wollen, müssen für die Reise per Schiff und Flugzeug rund 5000 Neuseeländische Dollar hinblättern , umgerechnet sind dies knapp 3900 Franken . - Zudem braucht ein Brief braucht heute noch mehr Zeit um von Pitcairn an seinem Bestimmungsort anzukommen, als zu Zeiten der Segelschiffe.  

Ginge es nach den Wünschen der US-Nonprofitorganisation „Pew Chertiable Trust“, die sich auch für Naturschutzanliegen engagiert, könnte es dennoch neues Leben und auch wirtschaftlichen Schub für die Insel geben: Die Organisation möchte Pitcairn und die Nachbarinselchen Henderson, Ducie und Oenozum weltweit grössten Meeresschutzgebiet erklären. Grund sind Pflanzen und Tiere, die nur dort leben und gedeihen können. Allerdings müsste sich hierfür Grossbritannien mit um die Finanzierung kümmern. (mai)