Pflanzeninvasionen wegen globalem Onlinehandel

Pflanzeninvasionen wegen globalem Onlinehandel

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Weltweit werden täglich hunderte von Pflanzenarten über Online-Auktionsplattformen gehandelt und exportiert. Viele davon gehören zu den invasiven Arten und können einheimische Gewächse bedrohen. Laut Forschern der ETH Zürich verschärft der Verkauf im Internet das Problem von unkontrollierbaren biologischen Invasionen.

Während zum Beispiel die Kornblume in Mitteleuropa und damit auch in der Schweiz eher selten geworden ist, zählt sie stellenweise in Nordamerika zu den invasiven Gewächsen. Umgekehrt wurde die Goldrute einst als Gartenpflanze in die Schweiz eingeführt, mittlerweile ist sie verwildert und bedroht einheimische Pflanzen.

Um das Ausmass des globalen Onlinehandels mit invasiven Pflanzenarten einschätzen zu können, überwachte eine Forschungsgruppe der ETH Zürich unter Leitung von Christoph Küffer im Rahmen einer in der Fachzeitschrift „Conservation Biology“  veröffentlichten Studie eBay und neun weitere relevante Internetplattformen. Mit Hilfe einer eigens dafür pogrammierten Software überwachten sie während 50 Tagen, welche invasiven Arten in verschiedenen Ländern wie häufig angeboten wurden.

Die dabei gewonnen Erkenntnisse erstaunten die Forscher. Das Ausmass war grösser als sie angenommen hatten:  So  wurden 2‘625 Pflanzenarten angeboten, darunter 510 invasive. Von diesen wiederum zählten 35 zu den von der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) als 100 Top-Invasoren eingestuften Arten. Die am häufigsten angebotene invasive Pflanze war die Passionsblume, sie tauchte rund 90 Mal pro Tag in den Internetangeboten auf. Auf Platz zwei rangierte die Kornblume mit im Schnitt 80 Angeboten pro Tag.  Die am häufigsten nicht-invasive angebotene Pflanze war die in der afrikanischen und arabischen Steppe beheimatete Wüstenrose. Im Schnitt hätten 3100 Mal pro Tag Händler aus zwölf Ländern nach Abnehmern gesucht.

Die im Rahmen der Studie entdeckten Händler sind in 65 Ländern zu Hause, Angebote für invasive Arten kamen aus 55 Staaten – darunter auch Australien.  Dabei zeigte sich, dass insbesondere australische Händler invasive Pflanzen verkaufen, welche  in anderen Regionen der Welt grossen Schaden anrichten können. „Man kann sich darüber wundern, denn die Australier lassen keine fremde Pflanze ins Land. Handkehrum gibt es offenbar keine Kontrolle darüber, ob potenziell schädliche Pflanzen den fünften Kontinent verlassen“, sagt Küffer. Invasionen könnten nur eingedämmt werden, wenn man den Handel mit potenziellen Invasoren eingrenzen könne.  – Immerhin zeigt die Studie, dass ein Monitoring von Handelsplattformen eigentlich möglich ist, und dass sich damit neu gehandelte Sorten aufspüren lassen. Und dies Wiederum kann Hinweise auf künftige Invasionen geben. (mai/mgt)