Pfahlbausiedlungen sollen Unesco-Weltkulturerbe werden

Pfahlbausiedlungen sollen Unesco-Weltkulturerbe werden

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Inssgesamt 156 archäologisch bedeutende Pfahlbausiedlungen sollen Teil des Unesco-Weltkulturerbes werden. Unter Federführung der Schweiz reichen Deutschland, Italien, Frankreich, Österreich und Slowenien morgen Dienstag in Paris die Kandidatur ein.
 
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So stellte man sich im 19. Jahrhundert das Leben der Pfahlbauer vor.
 
Mit über 80 Fundstellen in insgesamt 15 Kantonen befindet sich der grösste Teil der nominierten Pfahlbaufundstellen in der Schweiz. Die Siedlungsüberreste stammen aus aus der Stein- und Bronzezeit, aus der Zeit von 4300 bis 800 v.Chr. Wie Jean-Frédéric Jauslin, Direktor des Bundesamts für Kultur, erklärte, wollen die Alpen-Länder mit der Kandidatur das Interesse an der Geschichte der Pfahlbauer und ihren Siedlungsspuren fördern. Von einem Welterbe-Label der Pfahlbauten verspricht sich Jauslin einen besseren Schutz für die wertvollen Zeugen frühzeitlichen Lebens. Ausserdem soll ein Unesco-Welktultur-Label dabei helfen, die Forschung zu unterstützen und das Wissen über die Pfahlbauer einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Oft stelle man die Alpen als Barriere zwischen Nord- und Südeuropa dar, führt dazu Jauslin aus. Die über tausend Siedlungen, die man in den Alpenländern bei Seen oder in Moorgebieten entdeckte, bewiesen das Gegenteil. Sehr früh sei es zu einem Austausch zwischen Völkern rund um die Alpen gekommen.
 
Die sechs Länder haben bei ihrer Welterbe-Kandidatur intensiv zusammengearbeitet: so beteiligten sich insgesamt 130 Forscher an der Erbeitung des Dossiers für die Aufnahme. Kernstück dieses Dossiers ist das erste länderübergreifende Inventar aller bekannten Pfahlbau-Fundstätten; unter anderem gibt es Auskunft über den historischen Wert, den Zustand und über mögliche Bedrohungen der einzelnen Fundstätten. Von diesem Dossier erhoffen sich Forscher weitere Erkenntnisse über die früheren Agrargesellschaften um die Alpen: "Vieles lässt sich nur im Zusammenhang mit allen andern Siedlungen verstehen", sagte Helmut Schliechtherle vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg. Das Forschungs-Potenzial sei noch gross, denn insgesamt seien von der wissenschaftlichen Substanz der Pfahlbau-Siedlungen erst zwei bis fünf Prozent erforscht. Nachdem das 1300 Seiten umfassende Kandidaten-Dossier eingereicht worden ist, werden die Unesco-Experten eine Empfehlung an den Unesco-Rat abgeben, Dieser wird voraussichtlich im Juni 2011 entscheiden.
 
Bei den Pfahlbauten handelt es handelt sich übrigens um die letzte Kandidatur, die der Bundesrat 2004 auf eine Liste möglicher Unesco-Welterbe-Kandidaturen gesetzt hatte. Jauslin tönte an, dass der Bund nun eine Pause einlegen will. Die Schweiz sei mit mittlerweile zehn Welterbe-Stätten im internationalen Vergleich gut vertreten, sagte er. (mai/sda)