Pavillon aus 210 Skis

Pavillon aus 210 Skis

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Bilder zvg

Welche unkonventionellen Materialien für die Wiederverwendung in der Baubranche geeignet sind, das wollten Forscher der EPFL herausfinden und kamen auf ausrangierte Skis. 210 von ihnen verbauten sie im Smart Living Lab der EPFL in Freiburg zu einem leichten, aber stabilen Pavillon.

„In der Baubranche drehen sich Gespräche über nachhaltiges Bauen meist um Isolierung, Energieeffizienz, Materialien, Recycling und biologische Abbaubarkeit“, sagt Corentin Fivet von der ETH Lausanne. Aber Recycling sei teuer und Biodegradation nicht immer möglich. Eine Alternative zum Sparen von Material und Energie sei die Zweitverwertung. Diese Option könne zum Beispiel mit anderen Baumethoden kombiniert werden; etwa mit Vorfertigung oder nomadischer Architektur um leicht auf- und wieder abbaubare Tragekonstruktionen zu schaffen. „In unserem Labor konzentrieren wir uns auf Stützstrukturen für Gebäude. Denn sie machen den grössten Teil eventueller Abfälle aus.“

Die Forscher probierten laut einer Mitteilung der Hochschule einiges an Materialien aus, wobei auch Fehlschläge nicht ausblieben. Schliesslich kamen sie auf ein Sportgerät, das Herr und Frau Schweizer gerne und oft nutzen – und das auf dem Müll landet, wenn es nicht mehr gebraucht wird: Skis. „Sie bringen umfangreiche technische Eigenschaften mit.“ Einerseits sind sie äusserst stabil, andererseits aber auch biegsam. „Wir haben alle Arten von Skis – Downhill, Slalom, Cross-Country und Freeride – getestet“, sagt Forscherin Sofia Colabella. Sie ist auf elastische Gitterroste spezialisiert, die so flexibel wie metallische Netze sind, aber bei der Befestigung so fest wie eine Schale werden.

Für ihre Tragestruktur – einen leicht zerlegbaren Pavillon – platzierten die EPFL-Forscher die alten Skis an strategischen Punkten, je nach dem, über welche spezifischen Eigenschaften sie verfügen. Insgesamt wurden 210 verbaut, verbunden mit 300 Schrauben. Für eine erneute Montage werden nur noch deren 100 nötig sein. Der Trick dabei sei gewesen, die einzelnen Komponenten in zwei Richtungen zu ordnen, sodass sich ein sehr flexibles Raster von Rechtecken ergab, das flach auf dem Boden ausgelegt wurde. Danach folgten die Ränder des Gitters, bevor die Konstruktion nach oben gezogen wurde. „Hat sie ihre endgültige Form erreicht, wird sie an Ort und Stelle gehalten, indem andere Skis diagonal an bestimmten Stellen befestigt werden. Das macht den Pavillon stabil und steif“, heisst es in der Mitteilung.

Ziel des Experiments ist natürlich nicht, nun ganze Gebäude aus alten Skis zu bauen. „Wir wollten lediglich zeigen, dass man auch unkonventionelle Materialien, in deren Sicherheit man Vertrauen hat, wiederverwenden kann.“ (mt/pd)