Parkplatzareal wird städtisches Wohnquartier

Parkplatzareal wird städtisches Wohnquartier

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Teaserbild-Quelle: Daniel Meyer, Robert Stadler
Während einer Bauzeit von rund zwei Jahren ist auf dem ehemaligen Bossard-Areal zwischen dem Zugersee und der Bossard Arena die Wohnüberbauung Schutzengel entstanden. Sie umfasst 90 Wohnungen und drei Gewerberäume.
 
Von Reto Blum
 
Daniel Meyer, Robert Stadler
Quelle: 
Daniel Meyer, Robert Stadler
Die Rohbauphase nahm genau ein Jahr in Anspruch.
 
Vonr Reto Blum
 
Im Dezember 2008 wurden auf dem Areal mehrere der Stadt Zug gehörende Altliegenschaften, eine Autowaschanlage und eine Tankstelle rückgebaut. Zudem verschob die Stadtökologie Zug ein in der Südostecke des Areals angelegtes Biotop mitsamt Fröschen und Schilf auf das Areal der benachbarten Jugendherberge. Auch für einen in einem alten Bus hausenden Zuger konnte ein neues Domizil gefunden werden. Schliesslich wurden alle auf das Grundstück führenden Werkleitungen stillgelegt.
 
Verschmutzung teils höher als erwartet
Das Grundstück war in der Vergangenheit unterschiedlich genutzt worden. Deshalb wurde der Baugrund vor Baubeginn auf mögliche Verschmutzungen untersucht. Die Auswertung ergab, dass bei den Aushubarbeiten mit leicht verschmutztem Material zu rechnen war. Der Verschmutzungsgrad war in Teilbereichen jedoch höher als erwartet. Der beauftragte Geologe erarbeitete ein Entsorgungskonzept, das in enger Zusammenarbeit mit dem Amt für Umweltschutz umgesetzt wurde. Nach Abschluss der Tiefbauarbeiten haben die Behörden auf Grund des geologischen Abschlussberichts den verschmutzungsfreien Zustand bestätigt. Parallel zur Altlastenentsorgung erfolgten von März bis Ende April 2009 gestaffelt die Pfählungs- und Spundwandarbeiten. Danach wurde das Grundwasser abgesenkt und der Aushub auf die definitive Baugrubensohle vorgenommen. Die Triagierung und die vorschriftsgerechte Entsorgung des verschmutzten Aushubmaterials beeinträchtigten die Aushubarbeiten. Die Tiefbauarbeiten dauerten daher einen Monat länger als vorgesehen.
 
 
 
110 Kilometer Flachverblender
Die Rohbauarbeiten konnten Anfang Juni 2009 begonnen und genau ein Jahr später abgeschlossen werden. Das Untergeschoss und die Autoeinstellhalle liegen tiefer als der Grundwasserspiegel. Darum waren vor Ausserbetriebnahme der Grundwasserabsenkung Massnahmen gegen den Auftrieb der Gebäudekörper erforderlich. Bei den Wohnhäusern war die Auflast ab Fertigstellung des Erdgeschosses gewährleistet. Bei der Autoeinstellhalle erfolgte dies in der Rohbauphase mit Notflutöffnungen. Vor dem Verschliessen der Notflutöffnungen wurde die Autoeinstellhalle mit einem Kieskoffer beschwert. Die Wohnungstrennwände wurden für die Fassadengestaltung und für einen vielseitigen Wohnungsmix alternierend geschossweise versetzt. Dies zeigt sich sehr schön an den mäanderartig verschobenen Balkonen an der Südfassade sowie an den versetzten nordseitigen Fenstern und Balkonnischen. Die Fassadenstruktur unterstreicht diese Schichtung der Balkone weiter. Die Fassade ist nicht, wie bei Wärmedämmungen üblich, mit einer verputzten Oberfläche versehen, sondern mit fünf Zentimeter hohen Flachverblendern gestaltet. Dafür wurden Flachverblender mit einer Gesamtlänge von rund 110 Kilometer verbaut. Sie sind es, die der Fassade die elegante horizontale Streifenstruktur verleihen.
 
Geringer Energieverbrauch
Die Firma Anliker erstellt seit Jahren nur noch Wohngebäude, die den Minergie®-Standard erfüllen. Auch die Überbauung Schutzengel wurde gemäss diesen Vorgaben gebaut und zertifiziert. Daraus resultiert ein tiefer Energieverbrauch pro Energiebezugsfläche. Dies wird durch die entsprechenden Wärmedämmvorgaben für die Gebäudehülle (20 Zentimeter Wärmedämmung, dreifache Isolierverglasung), die kontrollierte Wohnungslüftung sowie die Nutzung der Abwärme aus der Eisproduktion der ­Bossard Arena für die Heizung und die Warmwasseraufbereitung erreicht. Der Jahresenergiebedarf beträgt für die Energiebezugsfläche von 15 030 Quadratmetern ohne Berücksichtigung von möglichem Nutzerverhalten bezüglich Raumtemperatur und Warmwasserverbrauch 570 000 Kilowattstunden. Die Auslegung der Wärmeversorgung erfolgte mit einem grossen Sicherheitsfaktor. Mit «Synco-living» wurde ein intelligentes Heizungs- und Lüftungsregelsystem eingebaut, dass den Energieverbrauch weiter senkt.
 
Individueller Innenausbau
Der Innenausbau der 75 Wohnungen im Stockwerkeigentum erfolgte gemäss Wünschen der zukünftigen Besitzer. Die Planer und Ingenieure integrierten die vereinbarten Änderungen in die Ausführungsplanung. Die definitive Materialauswahl durch die Eigentümer erfolgte in den Ausstellungen und Showrooms der jeweiligen Unternehmer. Die Umsetzung am Bau geschah in enger Teamarbeit von Wohnbauberatung und Anliker-Bauleitung. Auf alle beteiligten Unternehmer war jederzeit Verlass, auch bei sehr anspruchsvollen Kundenwünschen.
 
Der Verfasser war beim Projekt Schutzengel Projektleiter der Anliker AG Generalunternehmung, Emmenbrücke.
 

Informationen

 
Kennzahlen Überbauung Schutzengel
  • Raumprogramm: 90 Wohnungen (75 im Stockwerkeigentum, 15 Mietwohnungen), 3 Ladenlokale, 131 Einstellhallenplätze
  • Bauzeit: März 2009 – Juni 2011
  • Baukosten: 55 Mio. Franken
  • Geschossfläche: 14 290 m2
Beteiligte
  • Bauherr: GIA Gesellschaft für Immobilien- Anlagewerte AG, Luzern
  • Verkauf: Anliker AG, Immobilien, Emmenbrücke Projekt- und Bauleitung: Anliker AG Generalunternehmung, Emmenbrücke
  • Architekt: Leutwyler Partner Architekten AG, Architekturbüro, Zug
  • Bauingenieur: Wismer + Partner AG, Ingenieure und Planer, Rotkreuz
  • Elektroingenieur: Scherler AG, Ingenieure für Elektroanlagen, Baar
  • Heizung/Lüftung/Sanitäringenieur: Möwa-Planung GmbH, Ing.-Büro für Haustechnik, Küssnacht