Ordnung im Kairoer Siedlungs-Chaos

Ordnung im Kairoer Siedlungs-Chaos

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Teaserbild-Quelle: Quelle: www.fosterandpartner.com

Das Maspero-Viertel am Nilufer in Kairo ist ein 35 Hektar grosses Sanierungsgebiet. Mehrere Versuche zur Erneuerung scheiterten bisher am Widerstand der Bewohner. Nun sollen es Foster + Partners richten.

Unweit des inzwischen berühmt gewordenen Tahrir-Platzes in Ägyptens Hauptstadt Kairo liegt am Ufer des Nils ein dreieckiges Gebiet, das Maspero-Viertel. Wie es auf baunetz.ch heisst, war das 35 Hektar grosse Areal in der Vergangenheit oft ein Gegenstand stadtpolitischer Kontroversen. Vorgängerprojekte zur Stadtteilsanierung des Slums seien in der lokalen Bevölkerung auf Widerstand gestossen. Die 14‘000 Bewohner befürchteten eine Verdrängung aus ihrer Nachbarschaft durch Steigerungen des Bodenwerts in ihrem Viertel oder gar aktive Räumungen durch die bauliche Umstrukturierung.

Nun ist man vorsichtig geworden. Laila Iskander, die Leiterin des Ministeriums für Stadtentwicklung und Informelle Siedlungen versprach laut baunetz.de, dass es durch zukünftige Projekte keine Zwangsräumungen oder -umsiedlungen im Maspero-Viertel geben soll. Mit diesem Versprechen hat sie die Rahmenbedingungen für einen von ihrem Ministerium ausgelobten Wettbewerb für die Erneuerung gesteckt: keine Gentrifizierung, Vielfalt der Bevölkerungsgruppen, Erhalt der Nutzungsmischung und der für das Viertel typischen kleinteiligen, informellen Bebauung.

Ein dichtes Agglomerat

Die beste Lösung hat das britische Architekturbüro Foster + Partner entworfen. Sie schlagen im Siegerprojekt vor, das Gebiet aus ökonomischer Perspektive zu gliedern. Will heissen: In den attraktiven Gebieten entlang des Flussufers und der Hauptstrassen, also an den Aussengrenzen des Viertels, soll es grossmassstäbliche Büro- und Geschäftshäuser mit Mieten im oberen Preissegment geben. Die Bebauung im Zentrum hingegen soll vor allem aus kleinteiligen Mischnutzungen (Wohnen und Kleingewerbe) bestehen. Damit will Foster + Partners die geforderten charakteristischen lokalen Synergien von Wohnen und Arbeiten erhalten.

Visualisierungen zeigen, dass aus dem sanierungsbedürftigen Maspero-Viertel ein dichtes Agglomerat lokaler Bautypen werden soll, das durch einen zentralen Platz, einen Markt und eine Geschäftsstrasse strukturiert ist. Umrahmt wird das Ganze von, so heisst es auf baunetz.de, „westlicher Investorenarchitektur“.

Als erstes sollen ungenutzte Brachflächen im Viertel durch Grünflächen ersetzt werden. Danach folgen die baulichen Interventionen. Auch in diesem Projekt geht es aber nicht ohne Umsiedlungen der lokalen Bevölkerung. Allerdings sollen sie im selben Gebiet verbleiben. (mt/pd)