Notwende: Gaza setzt auf Solarenergie

Notwende: Gaza setzt auf Solarenergie

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Teaserbild-Quelle: Bild: pd
Die Blockaden der Nachbarländer Israel und Ägypten zu Land und zu Wasser sorgen für eine prekäre Energieknappheit im Gazastreifen. Aus der Not machen die Palästinenser eine Tugend. Sie setzen auf Solarstrom.

Nach UNO-Angaben sank die eingeführte Brennstoffmenge von wöchentlich rund einer Million Liter im Juni auf lediglich 20'000 Liter im November. Weil Israel seit langem nur sehr begrenzte Mengen Brennstoffe nach Gaza lässt, waren die Tunnel nach Ägypten jahrelang die Hauptversorgungsroute für viele Waren und Güter, die das Überleben von rund zwei Millionen Menschen sichern.

Nach dem Sturz des gewählten Präsidenten Ägyptens Mohammed Mursi liess die neue Militärregierung in Kairo jedoch die unter der Grenze angelegten Versorgungswege zerstören. War die Situation schon vorher schwierig, müssen die Einwohner von Gaza nun zwölf Stunden am Tag ohne Elektrizität auskommen. Das hat schwerwiegende Folgen für Gesundheitsversorgung, Schulbildung, Detailhandel, aber auch für die Wasserversorgung und die Behandlung von Abwasser.

Mit finanzieller Unterstützung der britischen Hilfsorganisation Sawaed konnte auf der Kinderklinik in Gaza-Stadt eine Solaranlage für rund 75'000 Euro installiert werden, die täglich 20 Kilowatt Strom liefert. Eine funktionierende Stromversorgung ist hier sprichwörtlich eine Frage von Leben oder Tod, denn ein Ausfall der Inkubatoren könnte das Ableben von Neugeborenen zur Folge haben. Auch im Al-Schifa, dem grössten Hospital im Gazastreifen, wird die Intensivstation für Herzpatienten mit Sonnenenergie gespeist. Mit Beihilfen einer kuwaitischen Stiftung in Höhe von umgerechnet 4,5 Millionen Euro können zudem fünf neue Schulen mit Solaranlagen gebaut werden, wie das Bildungsministerium in Gaza mitteilte.

Die Strompreise schnellten seit dem Wegfall der Versorgungstunnel so sehr in die Höhe, dass auch Familien zunehmend für die teure Anschaffung einer Solaranlage optieren. Sie treffen diese schwere, finanzielle Entscheidung vor allem deshalb, weil die Sonne für alle frei verfügbar ist und als Energiequelle zuverlässiger als die lauten, russenden Dieselaggregate, deren Treibstoff aufgrund der prekären Versorgungslage mittlerweile zu täglich wechselnden Wucherpreisen verkauft wird.

Die Energiebehörde des Gazastreifens hat in der Notlage auch die Chance für eine Energiewende erkannt, und bereits auf ihrer Website das Ziel genannt, in sechs Jahren 20 Prozent des Stromverbrauchs mit Solarenergie zu decken. Das wird aber nur dann funktionieren, wenn Israel die Einfuhrbedingungen von Materialien für den Bau von Sonnenkollektoren lockert. Gegenwärtig stehen den Einwohnern nur die Ressourcen zur Verfügung, die sich bereits vor der Zerstörung der Tunnel im Palästinensergebiet befanden.(tw)