Neuer Steinbruch statt Hartgesteinengpass

Neuer Steinbruch statt Hartgesteinengpass

Gefäss: 

Werden keine neuen Abbaumöglichkeiten erschlossen, droht in der Schweiz ein Engpass an Hartgestein. Ein neuer Steinbruch am Rugen im Berner Oberland könnte diese Gefahr eindämmen.

Hartgestein ist unabdingbar als Schotter im Gleisbau und in Form von Splitten im Strassenbelagsbau. Allerdings sind seine Abbaugebiete in der Schweiz beschränkt; Sie bilden ein schmales Band, das vom st. gallischen Sevelen quer durch das Land bis nach Villeneuve am Genfersee verläuft. Nun soll ein neues Gebiet am Rugen bei Matten im Berner Oberland erschlossen werden. Wie die „Berner Zeitung“ (BZ) berichtet,  sieht dies der Richtplan „Abbau, Deponie, Transport Bern Oberland“ im Projektblatt „Roca“ vor. Er liegt zurzeit beim Kanton zur Vorprüfung.

Am Rugen soll auf einer Fläche von rund 200‘000 Quadratmetern während zirka 60 Jahren jährlich 300‘000 Hartschotter abgebaut werden. Um die landschaftlichen Veränderungen möglichst gering zu halten, soll etappenweise abgebaut werden: Ist eine Etappe beendet, wird das Land am Abbauort wieder aufgeschüttet. Der neue Steinbruch ist allerdings nicht nur für die Region von Bedeutung: Am Abbau von Hartgestein bestehe nationales Interesse, erklärte Rudolf Rist, Präsident des Verbandes Schweizer Hartsteinbrüche, gegenüber der BZ. So muss sein Verband pro Jahr Lieferungen von zwei Millionen Tonnen stemmen, wovon der Löwenanteil für das Schienennetz verwendet wird. Zurzeit könne man den Bedarf noch decken, es drohe aber ein Engpass, so Rist in der Zeitung. In einem solchen Fall müsste Gestein importiert werden.

Die Krux an der Sache ist der Umstand, dass die meisten bestehenden Abbaustandorte in Gebieten liegen, die  im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von Nationaler Bedeutung aufgeführt werden. So lang nicht andere Möglichkeiten ausgeschöpft worden sind verbietet laut BZ ein Bundesgerichtsurteil den Ausbau der Brüche in diesen Regionen. Darum hattt der Bund im 2012 eine Studie in Auftrag gegeben, mit der potenzielles Abgebaugebiet ausserhalb der geschützten Landschaften eruiert werden sollte. Das Land beim Rugen erachteten die Studienautoren als geeigneten Standort.  Für einen Abbau am Rugen sprechen laut Rist die geologischen Verhältnisse und die gute Erschliessung, letzteres wegen der Nähe zum Interlakner Güterbahnhof.

Ob dereinst tatsächlich Hartschotter vom Rugen auf Schweizer Bahnstrecken verwendet wird, ist dennoch nicht klar. Im Bericht heisst es dazu: „Ob in den betreffenden Gebieten tatsächlich Hartsteinbrüche realisiert werden können, hängt letztlich von der konkreten Planung und der notwendigen Akzeptanz bei den Betroffenen ab.“ (mai)