Neue Rekordergebnisse der Sika

Neue Rekordergebnisse der Sika

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Mitten im Übernahmekampf glänzt Sika mit neuen Rekorden in den Geschäftsergebnissen. 2014 hat das Unternehmen so viel verdient wie noch nie in seiner Geschichte. Überschattet wurden die brillanten Resultate allerdings vom Abwehrkampf der Sika-Spitze gegen den französischen Konzern Saint-Gobain.

Hier konnte Verwaltungsratspräsident Paul Hälg am Freitag auf der Bilanzmedienkonferenz verkünden, weitere Unterstützung aus Aktionärskreisen erhalten zu haben: "Wir haben mittlerweile über 50 Prozent des gesamten Aktienkapitals der Sika hinter uns." Bis jetzt hatte die Sika-Spitze von "über 40 Prozent" gesprochen. "Wir haben sehr starken Support der Publikumsaktionäre." Zudem erwartet Hälg bei den drei hängigen Verfahren vor der Justiz und vor der Übernahmekommission Entscheide im Verlauf des März. Die Gründerfamilie wehrt sich vor dem Kantonsgericht Zug gegen die Beschränkung ihrer Stimmrechte auf 5 Prozent und fordert die Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung. Sie kontrollierte bisher mit 16,4 Prozent des Kapitals eine Stimmenmehrheit von 52,6 Prozent. Ausserdem beantragt die Gründerfamilie, die Übernahmekommission solle feststellen, dass der Verkauf der Aktien an Saint-Gobain den französischen Konzern nicht verpflichte, den Publikumsaktionären ein öffentliches Kaufangebot vorzulegen. Sonst hatte Hälg zur Abwehrschlacht gegen die Franzosen nichts Neues zu sagen. Er wiederholte lediglich die sattsam bekannten Standpunkte, weshalb die Sika- Spitze die Übernahme ablehnt.

Geschäft brummt

Unbeeindruckt davon brummen die Geschäfte des Zuger Bauchemie- und Klebstoffkonzerns weiter. 2014 hat die Firma das beste Resultat der Unternehmensgeschichte erzielt. "Wir hatten ein absolutes Rekordjahr in allen Bereichen", sagte Konzernchef Jan Jenisch vor den Medien. Das Wachstum habe sich durchgezogen von Anfang bis zum Schluss des Jahres . Es habe keinerlei Schwächezeichen gegeben. Während der Umsatz um 8,3 Prozent auf 5,571 Mrd. Fr. kletterte, verbesserte sich der Betriebsgewinn (EBIT) um 21 Prozent auf 633,2 Mio. Franken. Die Personalkosten und der übrige Aufwand seien weniger stark gestiegen als im Vorjahr, erklärte Jenisch die starke Gewinnerhöhung. Unter dem Strich verdiente Sika einen Reingewinn von 441,1 Mio. Franken. Das sind sogar 28 Prozent mehr als 2013. Der überproportionale Anstieg sei tieferen Finanzierungskosten zu verdanken, sagte Jenisch. Damit hat Sika die eigenen Erwartungen und sogar die optimistischsten Prognosen der Finanzgemeinde deutlich übertroffen. Analysten hatten gemäss der Nachrichtenagentur AWP im Durchschnitt lediglich mit einem EBIT von 611 Mio. Fr. und einem Reingewinn von 415 Mio. Fr. gerechnet. Vom Rekordgewinn sollen auch die Aktionäre profitieren. Sika will die Dividende im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent erhöhen. An der Schweizer Börse legte die Aktie um 2,4 Prozent auf 3368 Fr. zu.

Überall Rekorde

In sämtlichen Regionen habe Sika ein Rekordergebnis erzielt, sagte Jenisch. Wichtiger Wachstumstreiber sei etwa das margenstarke Mörtelgeschäft. Der Umsatz sei da um 31 Prozent gewachsen. "Wir machen mittlerweile 20 Prozent des Konzerngewinns mit Mörtel", sagte Jenisch. Dieses Geschäft sei der "heisseste Technologiebereich" bei Sika. In den letzten zwei Jahren habe man in der Mörtelsparte zehn neue Fabriken eröffnet und sechs Akquisitionen durchgeführt. Insgesamt habe Sika 75 Mörtelfabriken in 49 Ländern, sagte Jenisch. Im laufenden Jahr soll Mörtel 1 Mrd. Fr. Umsatz in die Kasse spülen. Dass der Konzernchef überhaupt zum ersten Mal die Bedeutung der Sparte hervorstreicht, kommt nicht von ungefähr. Denn im Mörtelgeschäft gibt es die grössten Überschneidungen mit Saint-Gobain. Verwaltungsratspräsident Hälg forderte im Falle einer Übernahme durch Saint- Gobain die Franzosen erneut auf, ihre Mörtelsparte an Sika abzutreten. Nur dann seien die von Saint-Gobain genannten Synergien von 180 Mio. Euro ab 2019 vorstellbar. Falls die Franzosen ihr Mörtelgeschäft behalten würden, befürchtet Hälg Nachteile für das Sika-Geschäft.

Rekordjagd geht weiter

Dessen ungeachtet will der Zuger Konzern seine Rekordjagd fortsetzen. Um die Expansion in den Schwellenländern voranzutreiben, werde man im laufenden Jahr 7 bis 9 neue Fabriken eröffnen und 3 bis 5 Firmen übernehmen, sagte Jenisch. Der Umsatz solle um 6 bis 8 Prozent zu konstanten Wechselkursen zulegen. Die Margen dürften auf dem Niveau von 2014 bleiben. Damit sind neue Rekordgewinne in Sicht. Die steile Aufwertung des Schweizer Frankens nach der Abschaffung des Euro- Mindestkurses von 1,20 Fr. durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) sei eine Herausforderung für Sika. "Wir werden jedoch nicht in Aktionismus verfallen", sagte Jenisch: Restrukturierungen oder Euro-Löhne seien kein Thema. (Johannes Brinkmann, sda)

Kampf um die Übernahme von Sika - eine Chronologie

8.  Dezember 2014: Die Erben des Unternehmensgründers wollen ihre Sika-Anteile und damit die Kontrolle über die Firma an den französischen Bauriesen Saint-Gobain verkaufen. Die Sika-Konzernleitung und ein Teil des Verwaltungsrates (VR) drohen daraufhin mit Rücktritt. Der Aktienkurs bricht um 22 Prozent ein.

10. Dezember 2014: Die Gründerfamilie beantragt eine ausserordentliche Generalversammlung (GV), bei der sie den VR-Präsidenten und zwei weitere Verwaltungsräte wegen ihres Widerstands gegen die Übernahme durch Chris Tanner und Max Roesle ersetzen will. Tanner zieht seine Kandidatur zwei Wochen später zurück.

23. Dezember 2014: Die Anlagestiftung Ethos möchte zusammen mit anderen Minderheitsaktionären die sogenannte Opting-Out-Klausel aus den Statuten streichen lassen. Ohne die Klausel müsste Saint-Gobain eine Offerte für das gesamte Kapital unterbreiten. Der Mitte Januar gegründeten Unterstützergruppe treten auch 22 Pensionskassen von Schweizer Unternehmen, Städten und öffentlichen Institutionen bei.

13. Januar 2015: Die Sika-Erben reichen ein Gesuch beim Kantonsgericht Zug ein, um die ausserordentliche GV zu erzwingen. Sika-Chef Jan Jenisch fordert derweil die Saint-Gobain-Führung zum Dialog auf. Das französische Unternehmen solle "das bislang aggressive Vorgehen" unterlassen.

14. Januar 2015: Eine Investorengruppe mit 8,61 Prozent vom Aktienkapital, der unter anderen die Stiftung von Bill und Melinda Gates angehören, drückt "ernste Besorgnis" über den Verkauf aus und fordert eine Woche später eine Sonderprüfung und Sachverständigenkommission.

16. Januar 2015: Ein Treffen zwischen Sika-Management, Saint-Gobain und der Familienholding bleibt ergebnislos.

26. Januar 2015: Der Sika-VR beschränkt das Stimmrecht der Gründerfamilie auf 5 Prozent und beruft keine ausserordentliche GV ein. Die Familie würde eine Aktionärsgruppe mit Saint-Gobain bilden und verstosse damit laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung gegen die in den Statuten festgelegte Stimmrechtsbeschränkung, teilt die Sika-Führung mit. Die Familienholding bezeichnet das Vorgehen als illegal und ergreift ihrerseits juristische Gegenwehr.

4. Februar 2015: 106 leitende Sika-Angestellte fordern die Führung von Saint- Gobain in einem offenen Brief auf, den Kauf von Sika zu überdenken. Der Sika- Chef Pierre-André de Chalendar antwortet wenige Tage später, der Entscheid, den mit den Sika-Erben abgeschlossenen Kaufvertrag zu vollziehen, sei "unwiderruflich". Seine Einladung zu einem runden Tisch lehnen die Sika- Angestellten ab.

9. Februar 2015: Die Sika-Erben reichen ein Gesuch bei der Schweizer Übernahmekommission ein. Diese möge feststellen, dass der Aktienverkauf durch die Familie an Saint-Gobain den französischen Konzern nicht verpflichte, den Publikumsaktionären der Sika ein öffentliches Übernahmeangebot zu unterbreiten.

15. Februar 2015: Mehrere ehemalige Verwaltungsratsmitglieder und Mitarbeiter des Baustoffherstellers Sika bilden mit dem Ziel, Sika als unabhängige Schweizer Firma zu erhalten, eine Aktionärsgruppe. (sda)