Neu bauen doppelt so teuer wie sanieren

Neu bauen doppelt so teuer wie sanieren

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Teaserbild-Quelle: Wladyslaw / wikimedia.org
Die Basler St. Jakobshalle neu zu bauen kostete das Doppelte einer Sanierung und zöge eine Verzögerung von einigen Jahren nach sich. Die Regierung machte sich deshalb an einer Medienkonferenz – kurz vor der Behandlung des Geschäfts im Grossen Rat – erneut für die Sanierungsvariante stark.
 
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Sanierungsbedürftig: die St. Jakobshalle.
 
Die 1975 eröffnete St. Jakobshalle ist mit heute bis zu 9000 Zuschauerplätzen und einer Gesamtfläche von rund 22'000 Quadratmeter die zweitgrösste Veranstaltungshalle der Schweiz. Mittlerweile bedürfen wichtige Teile dringend einer Sanierung, und auch betrieblich ist die Halle nicht mehr konkurrenzfähig.
 
Deshalb hatte die die Regierung vergangenen Januar bekanntgegeben, dass sie die bestehende Halle für Breitensport und Grossevents sanieren will. Eine reine Sporthalle lehnt sie ebenso ab wie den Neubau einer separaten Eventhalle. Auch die Struktur aufzureissen, um mehr Raum für mehr Plätze zu schaffen, ist ihrer Ansicht nach unverhältnismässig. Bis heute hat sich nichts an dieser Haltung geändert, wie Erziehungsdirektor Christoph Eymann sowie Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels festhalten. Dass sie dennoch vor den Medien auftraten, erklärten beide mit dem knappen Entscheid der grossrätlichen Bau- und Raumplanungskommission (BRK) für ihre Sanierungsvariante. Denn im Frühling hatte die BRK noch hinter den Plänen der Regierung gestanden, aber dann änderte ein Teil der Kommission seine Meinung. In der Folge kam es zu einem Stichentscheid. Wie die „Basler Zeitung“ berichtete, waren damals je vier Mitglieder der BRK für und je vier dagegen. Drei hatten sich der Stimme enthalten. Nur dank dem Stichentscheid des Kommissionspräsidenten konnte das Geschäft an den Grossen Rat überwiesen werden.
 
Neu ist dies alles nicht, dafür aber die Aussagen zu einem Gesamt-Neubau. Die Idee zu einem solchen Projekts „schwirrt“ laut Wessels herum ohne Fakten. Er schätzt die Kosten für eine neue Eventhalle auf 90 Millionen Franken höher ein, als die Sanierungsvariante, die auf 86 Millionen veranschlagt ist - dies bei 30 Prozent Unschärfe. Demnach wäre ein Neubau rund doppelt so teuer wie die Sanierung.

Grossevents drohen abzuwandern

Zudem würde mit einem Neubau der auf rund 50 Millionen bezifferte buchhalterische Restwert der bestehenden Halle vernichtet. Käme ein Neubau an den alten Standort, gäbe es eine mehrjährige Lücke ohne Halle, weswegen Grossevents definitiv abzuwandern drohten. Bis zum Baubeginn ginge es gegen fünf Jahre länger als beim Sanieren. Andere Standorte erforderten viel Planung, möglicherweise auch einen Volksentscheid und Landerwerb. Dies dürfte acht bis zehn Jahre dauern. Derweil müsste die marode alte Halle mit jährlichem Aufwand von rund zwei Millionen gebrauchstauglich gehalten werden. Hinzu kommt noch, dass eine parallele Projektierung von Sanierung und Neubau würde 10,5 Millionen mehr kosten.
 
Unter dem Strich hält die Regierung auch einen Neubau für klar unwirtschaftlich. Die Mehrkosten seien bei normaler Verzinsung nicht hereinzuholen. Die bei der Sanierung angestrebte Kapazität von maximal 9200 bis 10'000 Plätzen genüge für die allermeisten Anlässe.
 
Nächsten Mittwoch berät der Grosse Rat erst den Projektierungskredit über 4,8 Millionen Franken. Der Baukredit soll dem Parlament in etwa zwei Jahren vorgelegt werden. Läuft alles nach Plan, könnte das Projekt bis im Jahr 2017 abgeschlossen sein. (mai/sda)
 

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