Neben der Baustelle wird operiert

Neben der Baustelle wird operiert

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Teaserbild-Quelle: Daniel von Känel
Das Universitätsspital Basel erweitert den  Operationstrakt Ost: Ein Neubau sowie eine  radikale Erneuerung des bestehenden Trakts gehören zu diesem fast 130 Millionen Franken teuren Grossprojekt. Da sich die Baustelle  inmitten eines funktionierenden Spitals  befindet, braucht es spezielle Vorkehrungen.
 
 

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Im Eingangsbereich des Unispitals sieht alles aus wie immer. Patienten, Personal und Besucher beleben das Haus. Auch im gepflegten Spitalgarten herrscht auf den ersten Blick Normalität. ­Einige Menschen halten sich dort an den Schattenplätzen auf, um sich nicht unter der Sommersonne der brütenden Hitze auszusetzen. Ein Teil des grossen Gartens wird seit einiger Zeit aber von Bauarbeitern in Beschlag genommen. Hinter Absperrungen wird ein Neubau sichtbar. «Der bestehende Operationstrakt Ost liegt zwischen den Klinikgebäuden 1 und 2. Durch seine Lage ist er ideal angebunden, andererseits schränkt der gute Standort eine räumliche Entwicklung des Operationsbereichs in ost-westlicher Richtung ein. Eine Erweiterung ist somit nur in Richtung Spitalstrasse oder in den Spitalgarten hinein möglich», hiess es damals im Ratschlag des Regierungsrats des Kantons Basel-Stadt an den Grossen Rat, in dem es um die ­Genehmigung des Baukredits ging. Die Erweiterung in den Spitalgarten hinein wurde inzwischen in Angriff genommen, kürzlich wurde das Richtfest gefeiert.

Sicherheit für den Spitalbetrieb

Die Baustelle befindet sich mitten im Spitalgelände, der Betrieb des Unispitals darf nicht tangiert werden. «Dies erfordert spezielle Massnahmen bei der Bauausführung», sagt Projektleiter Christof Nauck, Leiter des Generalplanerteams der «steigerconcept ag». So müsse nicht nur die ­Sicherheit der Bauarbeiter, sondern auch jene der Patienten und des Personals auf dem Gelände stets gewährleistet werden. Weiter müsse man darauf achten, dass die angrenzenden Bereiche des Spitals nicht von Vibrationen betroffen seien. Unter anderem wird deshalb die Deckenkonstruktion erst ganz am Schluss fertig gestellt – zurzeit besteht dort noch eine Lücke zwischen den Gebäudeteilen. Erschwerend ist, dass die Arbeitszeiten nicht einfach ausgedehnt werden können. Das Spital ist darauf angewiesen, dass die Patientinnen und Patienten ihre Ruhe haben. Die festgesetzten Zeiten können deshalb nur in Ausnahmefällen und mit Bewilligung umgangen werden. Sichtbar wird eine solche Massnahme derzeit zwischen dem Neubau und dem bestehenden Trakt, die nach Abschluss des Projekts verschmolzen sein werden: Eine Mauer trennt den Rohbau, der nun allmählich ausgerüstet wird, von den heute genutzten Operationssälen. Neben der Baustelle wird operiert.

Neue Aufteilung, höhere Effizienz

16 Operationssäle – drei mehr als bisher –, eine ­chirurgische Intensivstation mit 26 Plätzen, ein Aufwachraum mit 22 Plätzen und eine neue ­Sterilgut-Versorgungsanlage werden Ende 2015 in Betrieb genommen. Dabei wird man auf die herkömmlichen Reihenanordnungen der Säle verzichten. Der Grund: Die Clusterform bietet eine grössere Übersichtlichkeit und ermöglicht eine effizientere Betriebsführung aller beteiligten Disziplinen. Die Patientenvorbereitung ist zentral und mittig zwischen den OP-Clustern gelegen. Hier kommt die bessere Übersichtlichkeit zum Zug: Die Patienten können spontan einem frei werdenden Operationssaal zugewiesen werden. Die Vorbereitung der Instrumente, im Spital spricht man hierbei vom Auftischen, liegt ausserhalb der OP-Säle. Auch dies soll dazu dienen, dass Parallelprozesse zur Effizienzsteigerung möglich werden. Die Arbeitsräume des Personals wiederum liegen peripher an der Tageslichtfassade. Ebenfalls an einer Tageslichtfassade angeordnet werden die Plätze für die operative Intensivbehandlung. Auf der gleichen Ebene befindet sich der Aufwachbereich mit seinen 22 Plätzen. Er wurde bewusst an dieser Nahtstelle zwischen dem eingeschleusten grünen und dem weissen Spitalbereich geplant. So können die Patienten nach der Operation auf die Stationen oder nach Hause entlassen werden, ohne den öffentlichen Spitalbereich zu tangieren. In die Bereiche unrein, rein und steril gegliedert ist die Sterilgutaufbereitung. Die Reinigungsgeräte werden neu konzipiert, um die Abläufe zu optimieren. Die Rückführung und Auslieferung der Instrumente erfolgt über automatisierte Transportsysteme.

Bedürfnisse verändern sich

Tragende Wände gibt es im Erweiterungsbau nur wenige. Denn: Die Bedürfnisse der Spitäler können sich verändern. Gibt es neue Platzansprüche, können spätere Anpassungen einfacher umgesetzt werden. Deshalb wurde der Lebenszyklusbetrachtung ein hoher Stellenwert eingeräumt. Dazu zählen der Aufwand für den Bau, den Betrieb, die Instandhaltung, die Modernisierung sowie einen allfälligen Rückbau. Durch die Trennung der Systeme ergibt sich eine hohe Geebrauchstauglichkeit: Die Bauteile müssen nicht mehr aufwendig getrennt und Einrichtungen können einfacher erneuert oder ausgewechselt werden.
 
 
Dass sich die Bedürfnisse ändern, zeigt auch die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten, die das aktuelle Projekt notwendig machten. Der Operationstrakt wurde 1971 in Betrieb genommen. Die medizintechnische Ausrüstung hat sich seither so geändert, dass deutlich mehr Raum für die Lagerung der Geräte benötigt wird. Neue Operationsmethoden wie Endoskopie, navigierte Operationen oder Robotik können bei den aktuellen Platzverhältnissen nur sehr umständlich umgesetzt werden. Der Einsatz von innovativen Methoden ist ebenfalls erschwert. Kommt hinzu, dass die Betriebsabläufe wegen der nicht mehr zeitgemässen Raumstruktur aufwendig und kompliziert sind. Die Prozesse zu verbessern war kaum mehr möglich. Ausserdem wurde der Aufwachraum in einer Dunkelzone platziert. Heute würde man dies nicht mehr so planen, hilft doch das Licht dem Patienten, sich zeitlich wie räumlich zu orientieren.
 
Damit das Unispital leistungsfähig bleibt, wird nun also gebaut und saniert. «Die Investition von 128 Millionen Franken soll die tragende Rolle des Unispitals in der medizinischen Versorgung der Nordwestschweiz und im Dreiländereck mit mehr als 30 000 stationär behandelten Patientinnen und Patienten sowie fast 20 000 Eingriffen im Jahr festigen», sagte Michael Plüss, Verwaltungsratspräsident des Universitätsspitals Basel am Richtfest, das kürzlich gefeiert wurde. Die neue Infrastruktur habe optimale Behandlungsprozesse zum Ziel, die es erlaubten, das Spital qualitativ und wirtschaftlich besser zu positionieren und die bereits vorhandene Strahlkraft zu erhalten. «Nur so kann das Universitätsspital seine Rolle in der medizinischen Versorgung, aber auch seine Funktion als überregionales Zentrumsspital weiter wahrnehmen», fügte Plüss an. Werner Kübler, Direktor Universitätsspital Basel, sprach von einem symbolischen Brückenschlag, der die unselbständige Vergangenheit mit der selbstverantwortlichen Zukunft verbinde. Er sprach dabei die Tatsache an, dass das Unispital seit dem 1. Januar kein Staatsbetrieb mehr ist, sondern eine öffentlich-rechtliche Anstalt. Die Basler Stimmbürgerinnen und Stimmbürger hatten dies letztes Jahr so entschieden.
 
Die Erweiterung soll nicht nur den Mehrbedarf an Nutzfläche bereitstellen, sondern auch das bisherige Erscheinungsbild aufwerten. Zurückhaltend und respektvoll fügt sich der Zwischenbau in das Gesamtensemble ein. Die Traufhöhe des Bestandes wird dabei in der neuen Fassade weitergeführt, womit eine klare städtebauliche Haltung erzielt wird. Der Neubau fügt sich durch seine unaufgeregte Gestaltung subtil zwischen die bestehenden Bauten ein. «Er wird als Teil des Konglomerats verstanden und widerspiegelt mit der Ausgestaltung der Fassade in vornehmer ­Zurückhaltung die Wichtigkeit der dahinter liegenden Nutzung», heisst es dazu im Projektbeschrieb. «Ein neuer, repräsentativer Zwischenbau entsteht.» Der Vorgarten zur Spitalstrasse wird nicht verändert. Die von der Bauinstallation in Anspruch genommene Fläche wird nach der Bauvollendung in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Die Gartenanlage erhält zudem eine angemessene Instandstellung und die vorhandenen Qualitäten werden mit den Ersatzpflanzungen bewahrt. Der Dachgarten auf dem Anbau erhält eine intensive Bepflanzung. Ansprechende Aus- und Einsichten soll der stimmungsvolle ­Erholungsraum bieten.
 
Die Innenhöfe sollen attraktiv bepflanzt werden und den Arbeitsplätzen individuelle Aussichten und ein ansprechendes Arbeitsumfeld bieten. Bis der Erweiterungsbau von Spitalmitarbeitenden in Beschlag genommen werden kann, dauert es noch bis Ende 2013. Dann soll die erste Etappe abgeschlossen und der Erweiterungsbau betriebsbereit sein. Der bestehende Gebäudeteil kann dann als zweite Etappe saniert werden, bis schliesslich Ende 2015 der modernisierte Operationstrakt Ost ohne Einschränkungen zur Verfügung steht.  (Daniel von Känel)
 

Übrige beteiligte Firmen

  • Leitung Generalplanerteam:  steigerconcept AG, Zürich
  • Bauherrschaft: Kanton Basel-Stadt  (Auftraggeber Universitätsspital Basel)
  • Architektur: steigerconcept AG, Zürich