Neat wird teurer und nützt trotzdem

Neat wird teurer und nützt trotzdem

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Die Neat mit Lötschberg- und Gotthardtunnel kostet mehr als geplant. Teurer als angenommen wird voraussichtlich auch ihr Betrieb. Damit hat sich laut einer Studie die Wirtschaftlichkeit des Bauwerks erneut verschlechtert. Trotzdem dürfte die Alpentransversale der Volkswirtschaft nützen.
 
Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat, wie per Gesetz verpflichtet, die Wirtschaftlichkeit der Neat neu untersuchen lassen. Das Büro Ecoplan hat nun nach den Erfahrungen mit dem Lötschberg-Basistunnel die letzten Schätzungen aus dem Jahr 2002 aktualisiert. Im Vergleich zu den bisherigen Wirtschaftlichkeitsrechnungen habe sich das wirtschaftliche Ergebnis verschlechtert, heisst es dazu in der Medienmitteilung des BAV. Begründet wird dieser Umstand vor allem mit gestiegenen Baukosten sowie höheren Betriebs- und Unterhaltskosten.
 
Ecoplan geht in seinen Untersuchungen von einer stark zunehmenden Nachfrage im Personenverkehr aus, aber auch von einem deutlichen Anstieg des Güterverkehrs auf der Schiene. Studienautoren gehen davon aus, dass im die Kapazität im Schienenverkehr bis 2030 rund 80 Prozent ausgeschöpft sein wird. Dieser Umstand bedeutet für die Bahnen zwar mehr Einnahmen, aber auch die erwarteten Betriebskosten sind in der Zwischenzeit nochmals gestiegen.

Profitabler Personenverkehr

In den ersten Jahrzehnten wird aus dem Neat-Betrieb ein Überschuss erwartet. Dazu trägt vor allem der Personenverkehr bei, der alleine fast 90 Millionen Franken Zusatzertrag pro Jahr abwerfen soll. Keinen Überschuss dürfte hingegen der Güterverkehr erwirtschaften. - Dem Überschuss von insgesamt 96 Millionen Franken stehen jedoch jährliche Investitionen von knapp 87 Millionen Franken gegenüber, mit denen die Betreiber die Neat-Tunnel funktionstüchtig halten müssen. Berücksichtigt man diese Ersatzinvestitionen, bleiben laut Ecoplan unter dem Strich noch neun Millionen Franken übrig. Somit verdienen die Bahnen und die Betreibergesellschaften der Tunnel mit der Neat insgesamt nur wenig mehr, als sie zusätzlich für Betrieb und Unterhalt sowie für den Substanzerhalt ausgeben müssen.
 
 
Beim teuren Substanzerhalt droht laut der Studie in der ferneren Zukunft gar ein Finanzloch: Auch wenn während der ersten 15 Jahre noch kaum Substanzerhaltungsmassnahmen nötig sein dürften, werden die Kosten bis 2070 steigen, und zwar auf rund 300 Millionen Franken pro Jahr. Ohne weitere Massnahmen entstehe in den späteren Jahren so eine Unterdeckung von 200 Millionen Franken, schreibt das Bundesamt für Verkehr in seiner Medienmitteilung. Um die Wirtschaftlichkeit der Alpentransversale zu verbessern, empfehlen die Autoren der Studie etwa höhere Trassenpreise vor. Des Weiteren raten sie, den Personenverkehr zu fördern oder Massnahmen wie eine europäische koordinierte Verkehrspolitik oder die Einführung einer Alpentransitbörse.

Schneller unterwegs

Die erwarteten 9 Millionen Franken Überschuss sind zu wenig, um auch noch die Kapitalkosten für die Neat-Kredite zu decken. Dass die Neat ihre Baukosten - nach heutigem Wissensstand sind es 23,8 Milliarden Franken - nicht decken kann, ist zwar seit Jahren erwiesen. Aber dennoch spricht das BAV von einer ausgeglichenen Wirtschaftlichkeit. Weil die Neat vor allem auch verkehrspolitische Ziele erfüllen soll, genüge eine rein betriebswirtschaftliche Sicht nicht. Der Bund liess deshalb die angefallenen Kosten für die Neat mit ihrem Nutzen für die Schweizer Volkswirtschaft vergleichen. Auf der Nutzenseite stehen vor allem die kürzere Reisezeit für Passagiere und Güter dank der Basistunnel sowie die Entlastung der Umwelt. So schlägt allein letzterer Posten laut der Studie mit 200 Millionen Franken pro Jahr zu Buche. Insgesamt errechnet Ecoplan einen Nutzen von 530 Millionen Franken jährlich. Die Kosten für das Kapital liegen demgegenüber mit jährlich 560 Millionen Franken leicht höher. Rein rechnerisch ist also die NEAT auch volkswirtschaftlich ein Verlust. Jedoch lassen sich nicht alle positiven Effekte der NEAT in Franken und Rappen ausdrücken.

Das Ausland profitiert

Nicht berücksichtigt wurden in der Studie beispielsweise die Vorteile für den internationalen Handel, die bessere Erreichbarkeit der Regionen oder die Stärkung des Standorts Schweiz. Ausserdem würden ohne Neat deutlich weniger Güter auf die Schiene verlagert. Liessen sich diese Vorteile berechnen, so schreibt das BAV, wäre die Neat kostendeckend und hätte einen Nutzen. Dieser Nutzen fällt allerdings nicht nur in der Schweiz an, wie die Autoren der Studie aufzeigen: Vor allem das Ausland wird von den schnelleren und günstigeren Nord-Süd-Verbindungen wird profitieren. Der Nutzen für die Nachbarländer ist ungefähr dreimal so hoch wie deren Kosten. (mai/sda)
 
Link zum Download der Wirtschaftlichkeitsstudie: www.bav.admin.ch