Nazi-Bauten: sanieren oder verrotten lassen?

Nazi-Bauten: sanieren oder verrotten lassen?

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Teaserbild-Quelle: wikimedia.org, Maerzen, CC

Die Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände der Nazis in Nürnberg bröckelt und ist sogar einsturzgefährdet. Während die Stadt für die Erhaltung als Mahnmal plädiert, wollen andere das Bauwerk verkommen lassen. Zu ihnen gehört auch der Schweizer Architekt Willi Egli, Vorsitzender des Nürnbergers Baukunstbeirats.

Einst marschierten hier Hunderttausende auf, um der Nazi-Führung zuzujubeln. Heute ist auf dem Zeppelinfeld in Nürnberg nur noch wenig übrig: etwa die 360 Meter lange und 20 Meter hohe Steintribüne. Und die ist marode, sogar einsturzgefährdet. Wie es in einem Artikel der NZZ heisst, „bröckelt und kracht es hinter der Muschelkalk-Verkleidung, das Bauwerk aus Ziegeln und Holz, gedacht für eine tausendjährige Ewigkeit, erweist sich bereits 80 Jahre nach seiner Errichtung als einsturzgefährdet“. Neuste Schätzungen hätten ergeben, dass eine Sanierung bis zu 70 Millionen Euro kosten würde.

Kontrollierter Verfall vs. mahnendes Denkmal

Doch sollen Nazi-Bauwerke überhaupt saniert werden? Der Schweizer Architekt Willi Egli meint Nein. Der Vorsitzende des Nürnberger Baukunstbeirats schlägt vor, das gesamte Gelände verkommen zu lassen. Er und Architekt Norbert Frei, seines Zeichens Professor für neuere und Neueste Geschichte an der Universität Jena, plädieren gemäss NZZ für einen kontrollierten Verfall, der sich, möglicherweise abgesichert durch Glasscheiben, als ein Prozess des Niedergangs beobachten liesse. Auf das Zeppelinfeld gehöre, so Egli, alles andere als eine architektonische Kultivierung. Vielmehr solle man die gesamte Fläche als ein verseuchtes Stück Erde der Natur überlassen. Die Bauten würden dann zu Ruinen zerfallen und erlösten damit sinnfällig die Machtansprüche, die an sie gestellt worden seien.

Anderer Meinung sind Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly und Bayerns Heimatminister Markus Söder. Die Tribüne solle als eine Art mahnendes Denkmal bewahrt werden, weil es sich, so Söder, „um das letzte wirklich erhaltene Ensemble aus der NS-Zeit in Deutschland handle.

Auf die Person des Führers ausgerichtet

Das Reichsparteitagsgelände im Südosten Nürnbergs umfasste eine Fläche von 16,5 Quadratkilometern. Hierzu gehörte auch die Zeppelinwiese, auf der ab 1933 Veranstaltungen der Wehrmacht und des Reichsarbeitsdienstes sowie der Appell der politischen Leiter der NSDAP stattfanden. In den Jahren 1935 bis 1937 wurde die Wiese nach einem Entwurf von Albert Speer in ein Aufmarschgelände mit Tribünenanlagen umgestaltet. Die Zeppelinhaupttribüne ist, so kann man auf Wikipedia nachlesen, das einzige fertiggestellte Bauwerk der geplanten Anlagen auf dem Reichsparteitagsgelände. Oberhalb der Sitzplätze lief eine doppelte Pfeilerreihe über die gesamte Breite, wodurch die Tribüne eine Gesamthöhe von 20 Metern erreichte. Im Inneren befindet sich eine rund acht Meter hohe Halle. Wegen ihrer Deckenmosaike wird sie auf „Goldener Saal“ genannt. Auf den beiden Ecktürmen der Zeppelintribüne standen Feuerschalen, in der Mitte gab es einen erhöhten Teil für besondere Ehrengäste. Das zentrale Element war jedoch die Sprecherkanzel, von der aus Adolf Hitler Paraden abnahm und zu den Massen sprach. (pd/mt)

Hier finden Sie den NZZ-Artikel