Naturkatastrophen: Über sieben Billionen Dollar Schäden

Naturkatastrophen: Über sieben Billionen Dollar Schäden

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Teaserbild-Quelle: DVISHUB, Flickr, CC

Wirtschaftliche Schäden für mehr als sieben Billionen US-Dollar und acht Millionen Tote – das sind die Folgen von Naturkatastrophen von 1900 bis heute. Die Bilanz hat Geophysiker und Bauingenieur James Daniell vom Karlsruher Institut für Technologie erstellt, mit Hilfe einer eigens von ihm entwickelten Datenbank. Neben sozioökonomischen  Indikatoren – wie Bevölkerungsentwicklung  oder Verbraucherpreisindices – bezieht sie auch etwa Daten zur Bausubstanz mit ein.

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Die Folgen des Tsunamis an der Küste Wakayamas (Japan) im März 2011.

Für seine Datenbank oder vielmehr die CATDAT wertete Daniell insgesamt 35‘000 Katastrophenereignisse aus.  Dabei stellte er fest, dass rund ein Drittel des wirtschaftlichen Gesamtschadens zwischen dem Beginn des 20. Jahrhunderts und heute auf Flutkatastrophen zurückgeht.  26 Prozent aller Schäden wurden von Erdbeben ausgelöst, 19 Prozent von Stürmen und lediglich ein Prozent gehen auf  auf Vulkanausbrüche zurück. Betrachtet man allerdings nur die letzten 50 Jahre zeigt sich ein etwas anderes Bild: In dieser Zeit verursachten nicht Fluten die Mehrheit der Schäden, sondern Stürme. In den Jahren von 1960 bis heute machen sie mit rund 30 Prozent den grössten Anteil aus.

Setzt man nun die Schäden Bezug zum Wert von Infrastruktur und Gebäuden im jeweiligen Katstrophengebiet, nehmen die Schäden jedoch nicht zu, sondern ab. Dazu verweist Daniell auf die Tatsache, dass weniger entwickelte Länder verwundbarer als besser entwickelte sind.  Einer der Hauptgründe dafür sieht er darin, dass  dort entsprechende Baurichtlinien oft nicht umgesetzt werden. Daneben verweist er darauf, dass sich die wirtschaftlichen Zentren häufig in Küstenregionen befinden und entsprechend dicht besiedelt sind.

Um die Auswirkungen von Naturkatastrophen im Laufe der Zeit besser untersuchen zu können, hat er die Schäden des Jahres 2015 als Richtlinie genommen. „Hier zeigt sich der klare Trend, dass viele Länder etwa Gebäude besser gegen Naturkatastrophen schützen“, sagt Daniell. So verringerten sie ihr Risiko hoher Schäden.  Positiv wirkt sich laut dem Wissenschafter auch der verbesserte Hochwasserschutz aus. So haben sich die wirtschaftlichen Schäden seit 1950 etwa in China und Japan deutlich verringert. Allerdings suchte die wirtschaftlich grösste Naturkatastrophe genau diese Region heim: „Mit 335 Milliarden Dollar Direktschäden ist das Tohoku-Erdbeben mit Tsunami und Nuklearfall am 11. März 2011 bislang die teuerste Naturkatastrophe  überhaupt“, so Daniell.  Damals starben rund 18‘500 Menschen, 450‘000 verloren ihr Zuhause.  

Im Gegensatz zu den wirtschaftlichen Schäden ist die absolute Anzahl von Todesopfern relativ konstant geblieben.  Was Daniell aber nicht miteinberechnet hat, sind die Menschen, die den Langzeitfolgen von Naturkastrophen zum Opfer fielen, etwa Trockenheit und Hungersnöte.  (mai)