Nationalfonds auf dem Holzweg

Nationalfonds auf dem Holzweg

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Die intelligente Nutzung von Holz als nachwachsender, Kohlendioxid speichernder Rohstoff rückt immer mehr in den Fokus von Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft. Das Nationale Forschungsprogramm NFP 66 "Ressource Holz" untersucht Möglichkeiten Holz breiter einzusetzen.
 
Holz wird in der rohstoffarmen Schweiz vorwiegend als Bau- und Werkstoff sowie als Energieträger verwendet. Neue Technologien haben für seine Verwendung immer mehr neue Anwendungen erschlossen. Alleine 28 der 66 durch den Nationalfonds angestossene Forschungsprojekte im rahmen des NFP66 widmen sich diesem Thema mit dem Ziel, Wege aufzuzeigen, wie die Ressource Holz künftig noch intelligenter genutzt werden könnte. Es befasst sich vor allem mit drei Themen.

Bau und Konstruktion

Für den Einsatz von Holz in Bau und Konstruktion geht es darum, die Materialeigenschaften von Holz als Bau und Werkstoff gezielt zu verbessern. Zum Beispiel befasst sich ein Forschungsteam damit, Holzoberflächen mit Hilfe von lichtreaktiven Substanzen, so genannten Photoinitiatoren, so zu behandeln, dass sie sich besser mit anderen Materialien verbinden lassen. Ein solches Verfahren könnte den Einsatz von beschichtetem Holz im Aussenbereich erleichtern. Weitere Forschungsvorhaben befassen sich mit der Optimierung von Tragwerk-Systemen, um mehrgeschossigen Holzbauten bei Erdbeben oder starkem Wind mehr Stabilität zu verleihen.

Bio-Energie-Gewinnung

Wie kann Gebraucht- und Restholz als Rohstoff für verwertbare chemische Substanzen und als Energieträger noch besser genutzt werden? Dabei geht es zum Beispiel um die Weiterentwicklung bestehender Verfahren, zur Erzeugung von synthetischem Erdgas. Oder um die Herstellung künstlicher Eiweisse, mit denen Lignin besser aus Holz herausgelöst werden kann - als Rohstoff für die chemische Industrie für die Herstellung von Phenolen oder Lösungsmitteln.

Neuartige Materialien aus Holz

Dabei geht es darum, Technologien zu entwickeln, um neuartige Materialien auf Holzbasis herzustellen. Ein Forschungsteam   erarbeitet beispielsweise ein Verfahren, um spezielle Holzplatten mit einem Schaumkern herzustellen. Diese sind leichter als herkömmliche Platten und eignen sich  besonders gut für Möbel, die man gleich im Laden mitnehmen und zu Hause zusammen setzen kann.
 
Nicht nur die erweiterte Anwendung von Holz steht beim NFP 66 im Vordergrund. Eine intelligente Nutzung von Holz schliesst eine ganzheitliche Betrachtung der Materialflüsse mit ein. Mit Hilfe so genannter Lebenszyklusanalysen soll abgeklärt werden, wie gut sich Holz eignet, um beispielsweise Erdöl zu ersetzen und wie verschiedene Nutzungsformen sich optimal in einer Kaskade kombinieren lassen, um das im Holz gespeicherte CO2 möglichst lang zu binden.
 
Zudem wird in Zusammenarbeit mit  Vertretern der Forstwirtschaft Strategien entwickelt, um die Verfügbarkeit von Rohholz in der Schweiz zu verbessern. "Dabei möchten wir nicht die Nutzung von Holz zulasten der anderen wichtigen Funktionen des Waldes wie der Schutz- oder Erholungsfunktion vorantreiben." sagt Martin Riediker, Präsident der Leitungsgruppe des NFP 66. Laut Riediker soll Programm wichtige Entscheidungsgrundlagen zu erarbeiten, damit Politik, Holz- und Waldwirtschaft die Weichen für eine intelligente Nutzung der Ressource Holz stellen können. (mai/mgt)