Nach dem Hafenkran der „Hafechäs“?

Nach dem Hafenkran der „Hafechäs“?

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Teaserbild-Quelle: Quelle: www.juerg-altherr.ch

Der Hafenkran am Zürcher Limmatquai ist kaum Geschichte, und schon steht wieder ein Künstler parat, der die Flussterrasse besetzen will: Jürg Altherr hat eine Konstruktion entworfen, die er „Organisation der Leere“ nennt.

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Quelle: www.juerg-altherr.ch
So stellt sich Jürg Altherr die „Organisation der Leere“ vor

Der berühmt-berüchtigte Hafenkran an Zürichs Limmatquai ist weg. Die Flussterrasse ist leer. Doch das soll nicht so bleiben, zumindest, wenn es nach dem Stadtplaner und Künstler Jürg Altherr geht. Wie der Tagesanzeiger kürzlich berichtete, hat der Zürcher „seit langem ein Kunstobjekt vor Augen, das er genau für jene Flussterrasse beim Rathaus konzipiert hat“. Es handelt sich um ein 14 Meter hohes und 16 Meter langes Gebilde aus Stahl. Altherr hat die Stangen „Organisation der Leere“ getauft und beschreibt sie auf seiner Website als „ein nach oben offener, durchlässiger Raum, der seine Erscheinung mit dem Standortwechsel des Benützers vollständig wandelt“. In seiner Grösse bezöge er sich auf die umliegenden Bauten, fasse die „Zahnlücke“ zwischen Modissa und Grand Café zu einem kleinen Platz und formuliere den Zwischenraum zum Rathauscafe mit einem würdigen Durchblick zum Grand Café.

Wenn, dann Sitzbänke – aber lieber gar nichts

Soweit Altherrs poetische Umschreibung der „organisierten Leere“. Andere finden aber noch phantasievollere Namen – nämlich die Kommentarschreiber auf der Homepage des „Tagis“. „Bohnenstangen“, „Hafechäs“ oder „Kletterstangen“ nennen sie das Konstrukt. Und sie sind sich alle einig: Lasst die Terrasse frei. „Es ist anscheinend eine Kunst, den Platz leer zu lassen“, schreibt ein Leser. Ein anderer findet, dass leerer Kopf Leere gebiert und fragt sich: „Lasst jetzt endlich einmal das Limmatquai in Frieden; oder hat es Euch etwas zuleide getan?“ Ein weiterer Kommentator ist der Meinung, dass sich nicht jeder sogenannte Künstler dort verewigen müsse.

Aber die Schreiberlinge betreiben nicht nur „Kunst-Bashing“. Sie schlagen auch Lösungen vor. So wollen viele statt eines Kunstwerks mehr Sitzgelegenheiten auf der Flussterrasse. Einer findet sogar, dass die Stadtzürcher Bürger darüber entscheiden sollen, was dorthin kommt. Er schlägt einen Volkswettbewerb vor. „Jeder könnte eine Idee einfliessen lassen, und ab dato x gibt es ein öffentliches Rating.“ Fairer ginge es nicht, denn wenn die Stadtangestellten in der Jury sässen, wäre die Neutralität nicht mehr gewährt. „Das wäre mal ein tolles Projekt, und der Spassfaktor wäre gross.“

Keine Kunst im Sinn

Die Bürger sind das eine. Doch was sagt eigentlich die Stadt? „Wir sehen heute keinen Anlass, dort in ein neues Kunstwerk zu investieren“, wird Pio Sulzer, Mediensprecher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements, zitiert. Das habe die Geschäftsleiterin der Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum Jürg Altherr auch mitgeteilt. (mt)

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