Nach 107 Jahren bald keine Züge mehr

Nach 107 Jahren bald keine Züge mehr

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Der rund 5,9 Kilometer lange Albulatunnel ist sanierungsbedürftig. Die Rhätische Bahn scheint ganz auf einen Neubau zu setzen. Wie die Zeitung „Die Südostschweiz“ berichtet, wurde ein Vorentscheid zu einem neuen Tunnel nun offenbar gefällt.
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Glacier Express schraubt sich zwischen Berguen und Preda in einem Labyrinth aus Kehren und Brücken schon bald zu einem neuen Albulatunnel.
 
 
Weil der knapp sechs Kilometer lange Tunnel der Albulalinie zwischen Preda und Spinas in einem schlechten baulichen Zustand ist und den Sicherheitsanforderungen des Bundesamtes für Verkehr (BAV) nicht mehr genügt, muss das 107jährige Bauwerk in den kommenden Jahren entweder massiv saniert oder ersetzt werden. Die Rhätische Bahn (RhB) zieht einen Neubau vor. Dies gab sie bereits im April bekannt. Gründe dafür sind laut RhB unter anderem, dass ein Neubau in den kommenden 50 Jahren nicht wieder saniert werden muss und dass der Unterhalt eines neu erstellten Tunnels günstiger ist. Die Kosten für den Bau eines neuen Tunnels schlagen mit 260 Millionen Franken gerade Mal mit 20 Millionen mehr zu Buche als eine Sanierung.
 
Nun scheint sich die RhB definitiv auf einen Neubau zu fokussieren. Davon berichtet die „Südostschweiz“ in ihrer aktuellen Ausgabe. Wie die Zeitung weiss, sucht die RhB für den Neubau des Albulatunnels bereits einen Gesamtprojektleiter. In der Ausschreibung werde explizit erwähnt, dass es bei dem Projekt um ein Neubau gehet und um die Nachrüstung des bestehenden Tunnels zum Sicherheitstunnel. Bedeute dies, dass Bund und Kanton Graubünden klammheimlich ihre Zustimmung zum von der RhB geforderten Neubau des Albulatunnels gegeben hätten oder sei zumindest ein wichtiger Vorentscheid gefallen? Dies fragt die Zeitung. Der Kanton sowie das BAV seien sich auf Grund der Vorprojekte einig, dass die Stossrichtung Neubau Albulatunnel richtig sei und dass nun ein Planungsgenehmigungsprojekt ausgearbeitet werden solle, erklärte Regierungsrat Stefan Engler auf Anfrage der „Südostschweiz“. Auch der Sektionschef Schienennetz beim BAV, Markus Giger, äusserte sich gegenüber der Zeitung ähnlich. Die RhB sei aufgrund umfassender Abklärungen zum Schluss gekommen, dass der Neubau die bessere Lösung sei. Das BAV habe keinen Grund dies zu anzuzweifeln oder das Veto einzulegen.
 
Von Bedeutung ist die Frage nach den Finanzen vor allem im Zusammenhang mit der Verteilung der Kosten. Denn die Finanzierungslösung liegt laut Giger noch nicht vor. Die Diskussion darüber werde erst 2012 geführt. Laut der „Südostschweiz“ ist vor diesem Hintergrund auch die Ausschreibung der RhB zu verstehen. Dort wolle man die Zeit bis zum Finanzierungsentscheid nutzen, um das Auflageprojekt für den Neubau voranzutreiben, wie Christian Florin, Leiter Infrastruktur der RhB, gegenüber der Zeitung fest hielt. Daneben möchten die RhB und der Kanton abklären, wie sich und ob sich überhaupt ein Neubau mit dem Welterbestatus der Albulalinie vereinbaren lässt. (mai)