Museumsdach von Herzog & de Meuron muss nachgebessert werden

Museumsdach von Herzog & de Meuron muss nachgebessert werden

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: zvg
Im Herbst eröffnet das erweiterte Museum der Kulturen in Basel. Ein Teil der Eindeckung des Aufsehen erregenden Dachs muss zusätzlich gesichert werden.
 
 
Über zehn Jahre nach den ersten Entwürfen bekommen die Basler eine grosszügige Erweiterung des Museums der Kulturen. Neu wird das Gebäude über einen Eingang im Schürhof erschlossen. Das von den Architekten Jaques Herzog und Pierre de Meuron entworfene Objekt wartet einmal mehr mit zahlreichen architektonischen Überraschungen auf. Zum einen werden vom Dach herunterwachsende Pflanzen einen „Grünvorhang“ bilden und mit den bestehenden zugewachsenen Fassaden einen grünen Innenhof bilden. Zum anderen wurde dem Anbau ein eigenwilliges Dach aufgesetzt, das mit sechseckigen Tonkacheln bedeckt ist.
 
Diese Dacheindeckung gibt nun zu reden. Laut dem Gesamtprojektleiter der Bauherrschaft, Bruno Chiavi, wurden die dunkeln Kacheln nicht den Anforderungen der Ausschreibung entsprechend ausgeführt. Zudem fehle die verlangte Sicherung der Kacheln. Wie das Internetportal Online Reports schreibt, ergaben Tests, dass die einzelnen Elemente bei starkem Hagelschlag zerspringen und für darunter stehende Museumsbesucher gefährlich werden könnten. In den nächsten Wochen sollen die Nachbesserungen an rund tausend der gesamthaft zehntausend Kacheln ausgeführt werden. Fachleute schätzen den Aufwand auf mehrere zehntausend Franken. Auf den Eröffnungstermin wird diese zusätzliche Arbeit keinen Einfluss haben.
 
Im folgenden Interview nimmt das Architekturbüro Herzog & de Meuron Stellung:
 
Warum wurde keine Sicherung ausgeführt, die den Anforderungen der Ausschreibung entspricht?
Herzog&deMeuron: Die Fachbauleitung hat bereits vor Abnahme der Dachdeckerarbeiten im Sommer 2010 im Rahmen einer Qualitätssicherungsmassnahme der ARGE Generalplaner festgestellt, dass Teilflächen des Keramikdachs vom ausführenden Unternehmer abweichend von Planung und Werkvertrag ausgeführt wurden.
 
Braucht es diese Sicherung überhaupt oder dringt da der Schweizer Sicherheits-Perfektionismus durch und verursacht unnötige Arbeit und Kosten?
Die Bruchsicherung der Keramik, die Kacheln zusätzlich zur mechanischen Befestigung sichert, wird nur in den vertikalen und auskragenden Dachbereichen im Überkopfbereich ausgeführt, wo sie auch notwendig und sinnvoll ist. Dort soll sie ein Herabfallen der Kacheln verhindern, beispielsweise bei Spontanbrüchen oder mutwilliger Zerstörung. Dies war Bestandteil der Ausschreibung und ist keine nachträgliche Zusatzleistung.
 
Wer kommt für die Zusatzkosten auf?
Sie werden vollständig von der ausführenden Unternehmung getragen. Die Arbeiten werden von Ende Mai bis Ende Juli durchgeführt und beeinträchtigen weder die Aufbauarbeiten der Ausstellung im Inneren des Museums der Kulturen noch haben sie Einfluss auf den vom Museum festgelegten Eröffnungstermin.

Wie werden die Ziegel zusätzlich respektive neu gesichert?
Für die Garantiearbeiten akzeptieren die ARGE Generalplaner Museum der Kulturen und die Bauherrschaft den Unternehmervorschlag, der eine Sicherung der Keramik mittels einer Silikonverfugung vorsieht und überwiegend vor Ort ausgeführt werden kann.
 
Welche Kacheln sind vor allem betroffen?
Es müssen nur die Randkacheln demontiert werden, die mit einem Netzverbund auf der Rückseite gesichert werden. Der Unternehmer, der für die Sicherheit der kompletten Keramikdachkonstruktion verantwortlich zeichnet, bestätigt die Sicherheit dieser Form der Bruchsicherung und übernimmt die Verantwortung hierfür. (Thomas Staenz)