Mit Pneus gegen Erdbeben und Hurrikane

Mit Pneus gegen Erdbeben und Hurrikane

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Teaserbild-Quelle: zvg
Auf Haiti könnten Häuser aus gebrauchten Pneus den vielen obdachlos gewordenen Bewohnern ein günstiges sowie erdbeben- und hurrikansicheres Zuhause bieten. Ein Prototyp steht bereits. Im Oktober will der amerikanische Architekt Michael Reynolds mit dem Bau eines ganzen Dorfes starten.
 
 
Die Antwort auf die auf Haiti vom Erdbeben völlig zerstörten Bauten sind Häuser aus Pneus und Plastikflaschen. Dieser Ansicht ist US-Architekt Michael Reynolds. Sein bevorzugtes Baumaterial ist Abfall und seine Häuser nennt er „Earthships“, weil sie ihre Energie mittels Solartechnik selber generieren. Ihre Wasserversorgung funktioniert über Regen oder Schnee. Ausserdem verfügen seine „Erdschiffe“ über Gewächshäuser, damit die Bewohner sich selbst versorgen können. Mittlerweile hat Reynolds mit seiner Firma Earthship Biotecture über tausend solcher umweltfreundlicher Häuser errichtet. Auch in anderen Krisenregionen, etwa auf den Andaman-Inseln, die 2004 von einem Tsunami heimgesucht worden waren. „Ich entdeckte früh, dass sich Architektur um die Bedürfnisse der Menschen kümmern sollte“, erklärt Reynolds in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“ sein Engagement. „Die meisten Architekten haben unpraktische Ideen. Ich brauchte sechs Jahre um zu merken, dass ich nicht bauen wollte, wie man es immer getan hat.“

Anfangs Juli reiste er zusammen mit zwei Bauarbeitern nach Haiti um abzuklären, wie und wo man helfen kann: „Es gab nichts als Zelte und nichts als Abfall.“ Schliesslich kontaktierte ihn eine Hilfsorganisation, die ihm Land zur Verfügung stellte, auf dem er bauen konnte. Mithilfe von haitianischen Kindern sammelte man Pneus und leere Plastikflaschen. Und schliesslich konnte mit Unterstätzung von 40 Leuten aus der Umgebung gebaut werden: Aus 120 Erde gefüllten Pneus entstand so ein erdbebensicheres und hurrikanresistentes Haus. Doch noch ist der an einen Bienenstock erinnernde Bau nicht fertig. Im Oktober will Reynolds wieder kommen und seine Arbeit fortsetzen. Zumal die Wände noch verputzt werden müssen und es noch eine Solaranlage sowie eine Veranda und Toiletten braucht. Ausserdem will er bis im Herbst ein Stück Land gefunden haben, das gross genug für ein ganzes Dorf solcher Pneuhäuser ist. Denn das erste ist als Prototyp gedacht… (mai)
 
 
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