Mit Dampf bis ins Wallis

Mit Dampf bis ins Wallis

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Swiss-Image
29 Jahre hat es gedauert, bis die gesamte Furka-Bergstrecke wieder befahren werden kann. Seit heute verkehrt der Zug nun von Realp UR über den Furkapass bis nach Oberwald VS. Das es nun so weit ist, liegt am Einsatz zahlloser Bahnenthusiasten und Freiwilliger aus der Schweiz und Europa.
 
 
 
Nach der Eröffnung des Furka-Basis-Tunnels im Jahre 1981 konnte die Strecke von Chur nach Brig zum ersten Mal auch im Winterbetrieb durchgehend befahren werden. Damit wurde die einst mit Aufwand gebaute Furka-Bergstrecke nicht mehr benötigt. Ihr Abbruch war eine beschlossene Sache, die Furka-Oberalp-Bahn wurde verpflichtet, die alte Berg-Strecke nach Inbetriebnahme des Tunnels abzubrechen. Im Zuge dessen drohte auch dem 1847 Meter langen Scheitel-Tunnel und einem 578 Meter langen Kehrtunnel das Aus.
 
Schon bald nach der Einstellung der Bergstrecke gab es Widerstand gegen den Abbruch der einzigartigen Hochalpen-Bahn: Im Jahr 1983 formierte sich die „Dampfbahn Furka Bergstrecke, DFB AG“ mit dem Ziel, diese Strecke von Grund auf zu sanieren und wieder zu betreiben. Während der vergangenen Jahrzehnte wurde die Bahnstrecke und das historische Rollmaterial von Tausenden bahnbegeisterter Freiwilliger aus der ganzen Schweiz und aus Europa nach und nach renoviert und wieder in Stand gesetzt.

Ausschliesslich Dampfbetrieb

Die nach ihrer Eröffnung im Jahre 1926 mit Dampf betriebene Strecke wurde 1947 elektrifiziert. Wegen der Lawinen baute man jeweils die Leitungsmasten nach der winterbedingten Einstellung des Betriebes ab und installierte sie im Frühjahr jeweils wieder. Eine Besonderheit ist auch die Steffenbachbrücke auf der Urnerseite. Hierbei handelt es sich um eine heute noch bestehende Klapp-Brücke mit einem Tragvermögen von 200 Tonnen: Das heisst, wenn der Winter beginnt wird sie in drei Teilen auf die Widerlager zurückgezogen, damit sie vor den Lawinen sicher ist.
 
Um den aufwendigen saisonalen Auf- und Abbau der Oberleitung zu vermeiden, wird die neue alte Furka Bergstrecke nur mit Dampf betrieben.

Einmal "Vietnam retour"

Nach der Elektrifizierung der Bahn hatte man die Lokomotiven nach Vietnam verkauft, wo sie jahrzehntelang noch im Einsatz waren. Von dort konnten immerhin vier Exemplare 1990 zurückerworben werden. Nach einer Restauration werden nun die ersten zwei Maschinen wieder auf der Strecke eingesetzt. Später kommen noch Dampflokomotiven der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik dazu. Diese waren vor etwa 90 Jahren nach Asien exportiert worden. Gewartet in Instand gesetzt werden die fast hundertjährigen Lokomotiven mit Hilfe von Freiwilligen-Arbeit in den Werkstätten in Chur, Aarau und Realp.

Veränderte Ausblicke

Eindrücklich ist die Strecke vor allem auch wegen der Landschaft. Doch wer die Strecke heute abfährt, hat eine andere Aussicht als in den Siebzigerjahren. Denn eine der grossen Attraktionen dieser Hochgebirgs-Strecke mag der Rhonegletscher sein. Während er einst oberhalb Gletsch an einen gigantischen Eiswasserfall erinnerte, hat er sich während der letzten Jahrzehnte hinter seine Abbruchkante zurückgezogen. Er ist trotz seiner noch immer eindrücklichen Grösse ist er nicht mehr so gewaltig wahrnehmbar wie in den ersten Betriebsjahrzehnten der Furka-Bergstrecke. Dennoch hat die Dampf-Fahrt über den Furka nichts von ihrem Charme eingebüsst. Und immerhin kann sie auch heute noch mit einem Superlativ aufwarten: Der Scheiteltunnel auf 2160 m ü.M. der höchste Alpendurchstich der Schweiz. (mai)
 

Verein "Furka-Bergstrecke"

Dass eine derart komplexe Bahnstrecke, die zudem nur während fünf Monaten im Jahr betrieben werden kann, auch bei guter Auslastung ihre Betriebskosten einspielt, ist ausgeschlossen. Zu diesen Kosten hinzu kommen der Unterhalt und die Restauration der Lokomotiven und des Wagenparks. Der Verein "Furka-Bergstrecke" mit seinen 23 Sektionen in der Schweiz, Deutschland, Belgien und den Niederlanden hilft bei der Finanzierung des Betriebes. Zugleich dient er als „Reservoir“ für freiwillige Mitarbeiter für den Unterhalt der Bahn. Auch eine kürzlich ins Leben gerufene Stiftung will den Betrieb der Bahn mitfinanzieren.