Mit Bildung für ältere Arbeiter gegen den Fachkräftemangel

Mit Bildung für ältere Arbeiter gegen den Fachkräftemangel

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Teaserbild-Quelle: flickr.com, Karl-Ludwig Poggemann

Travail Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, fordert eine Bildungspolitik für ältere Arbeitnehmer. Mit dieser und weiteren Massnahmen soll das Potenzial der inländischen Arbeitskräfte angesichts des Fachkräftemangels besser genutzt werden können.

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flickr.com, Karl-Ludwig Poggemann
Älterer Arbeitnehmer, Symbolbild

Heute wird in Bezug auf ältere Arbeitnehmer vor allem über Kosten – Löhne, höhere Pensionskassenbeiträge und anderes – diskutiert. Wie Travail Suisse in einer Mitteilung schreibt, spielen diese Arbeitskräfte in der Bildungspolitik keine Rolle. Weder im Berufsbildungsgesetz noch im kürzlich verabschiedeten Weiterbildungskonzept würden sie explizit erwähnt. Für Verbandspräsident Martin Flügel ist das „verheerend“. Denn insbesondere diese Gruppe sei Risiken wie etwa der Dequalifizierung oder dem Mangel an altersgerechten Bildungsangeboten ausgesetzt. Eine besondere Brisanz erhalte die Thematik, weil die älteren Arbeitnehmer angesichts der „Babyboomer“ eine immer grössere Gruppe darstellten.

800 Millionen für Bildungsmassnahmen

Travail Suisse ist überzeugt, dass das aktuelle Verständnis der älteren Arbeitskräfte im Arbeitsmarkt dringend eine Korrektur braucht. So müsse der Bund dafür sorgen, dass Laufbahnberatungen für alle Arbeitnehmer über 40 zum Standard würden. Denn so könnten sie sich für die zweite Hälfte des Arbeitslebens neu positionieren und auch mit 50 oder 55 Jahren noch voll arbeitsmarktfähig sein. Zudem brauche es eine Weiterbildungspolitik für ältere Arbeitnehmer.

Der Dachverband fordert auch, dass die Verbundpartner der Berufsbildung unter dem Lead des Bundes ein Comitment zur Berufsbildung für Erwachsene mit Schwerpunkt ab 40 Jahren erarbeiten. Dafür sollen in den kommenden zehn Jahren 800 Millionen Franken bereitgestellt werden.

Ausserdem soll der Bund ein übergeordnetes Konzept zum Thema „Wiedereinstieg“ schaffen, das die notwendigen Bildungsmassnahmen und deren Umsetzung zusammen mit den Verbundpartnern der Berufsbildung, den Akteuren der Weiterbildung und der Sozialpolitik beschreiben soll. Denn die Schweiz kann es sich laut Travail Suisse aufgrund der demografischen Entwicklung und vor dem Hintergrund der aktuellen migrationspolitischen Debatte nicht leisten, dass die älteren Arbeitnehmer ein blinder Fleck in der nationalen Bildungspolitik bleiben.

Bei Arbeitslosenquote genauer hinschauen

Nun könnte man annehmen, dass die Situation so dramatisch gar nicht ist. Immerhin ist die Beschäftigungsquote im internationalen Vergleich hoch und die Arbeitslosenquote tief. Doch bei genauerem Hinsehen zeigten sich die Probleme, so Travail Suisse. Die Schweiz sei gemäss OECD nur bei der Beschäftigungsquote gut qualifizierter Männer zwischen 50 und 59 Jahren überdurchschnittlich gut. Die Quote der über 60-Jährigen, der über 50-jährigen Frauen und der Personen über 50 und ohne Berufsabschluss sei jedoch nur noch durchschnittlich. Am schlimmsten stehe es um die Langzeitarbeitslosigkeit. Fast 60 Prozent der über 55-jährigen Stellensuchenden seien länger als ein Jahr ohne Arbeit. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 47 Prozent. Hinzu komme, dass sich diese Quote seit 2002 von 40 auf 60 Prozent massiv verschlechtert habe. (sda/mt)