Misstöne um Musiktheaterprojekt

Misstöne um Musiktheaterprojekt

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Die private Gönnerschaft hat sich von der geplanten Salle Modulable, einem Musiktheaterhaus für zeitgenössisches und experimentelles Musiktheater, zurück gezogen. Dabei geht es um einen Betrag von 120 Millionen Franken.
 
„Ein Raum, der den Wünschen und Ideen von Komponisten und Regisseuren so wenig Grenzen wie möglich setzt und so dem Publikum einzigartige Erlebnisse ermöglicht.“ So wird die Salle Modulable auf der Website umschrieben. Es handelt sich um eine Spielstätte für traditionelles zeitgenössisches und experimentelle Musiktheater. Das Besondere dran: Das Musiktheaterhaus soll dereinst in seiner Anordnung der Bühnen- und Zuschauerbereiche unterschiedlich konfigurierbar und äusserst flexibel sein. Nicht genannt sein wollende Gönner sicherten 120 Millionen Franken für die Realisierung des Projektes zu.
 
Nun haben sich die Geldgeber von der Salle Modulable zurückgezogen. Dies teilte die Zürcher PR-Firma Contract Media im Auftrag der Gönnerschaft mit. Begründet wird der Rückzug der Geldgeber unter anderem damit, dass nach neusten Berechnungen das Geld bei weitem nicht reichen würde und dass es von der Stadt Luzern noch keine bindende Zusage gebe, ob das Projekt am Standort Lido realisiert werden könne. Des Weiteren müsste die Salle Modulable von den Stimmberechtigen der Stadt Luzern gutgeheissen werden. Eine Abstimmung könnte frühestens 2012 stattfinden. In der Öffentlichkeit sei aber in letzter Zeit eine spürbare Zurückhaltung gegenüber dem Projekt festzustellen, ist in der Mitteilung weiter zu lesen. Und der Ausgang einer solchen Abstimmung scheine ungewiss. Bisher haben die Gönner 5,75 Millionen Franken in die Evaluation und Projektierung investiert.

„Absicht widerspricht klar dem Willen des kürzlich verstorbenen Gönners“

Der Stiftungsrat nehme mit grosser Überraschung Kenntnis vom Willen der Nachkommen des privaten Gönners, die zugesagte Unterstützung zurückzuziehen, teilte darauf die Stiftung Salle Modulable in einem Communiqué mit. „Diese Absicht widerspricht klar dem Willen des kürzlich verstorbenen Gönners, der das für Luzern wichtige Projekt mitinitiierte und über sämtliche Entwicklungen ständig informiert war.“, heisst es weiter. Bei dem Gönner handelt es sich laut der „Neuen Luzerner Zeitung“ vermutlich um den im August verstorbenen Mäzen Christoph Engelhorn. Wie die Zeitung recherchiert hat, liegt das Geld in einem Trust. Damit ist die Verwendung des Geldes an einen bestimmten Zweck gebunden und könne „nicht einfach so“ an Engelhorns Nachfolger ausgeschüttet werden. Die „Neue Luzerner Zeitung“ vermutet einen Erbschaftsstreit als möglichen Hintergrund. Franz Steinegger, der Präsident der Projektierungsgesellschaft. bezweifle, dass sich die Gönnerschaft einfach so zurückziehen könne, heisst es weiter. Auf die Frage auf ob nun ein Rechtsstreit drohe, erklärt Michael Haefliger, Intendant des Lucerne Festivals und Initiant des Projektes: Man werde sicher veruschen, dies „harmonisch“ zu lösen. Alles weitere sei noch nicht absehbar.
 
Die Stiftung hält am Projekt fest. Der Stiftungsrat prüfe nun sämtliche Möglichkeiten, um dem Willen des verstorbenen Gönners zum Durchbruch zu verhelfen. Geprüft würden zudem alternative Finanzierungsmöglichkeiten, schreibt die Stiftung in ihrem Comminqué. Und ausserdem hält die Stiftung den Vorwürfen entgegen: „Das Projekt Salle Modulable ist auf sehr gutem Weg. Die das Gesamtkonzept umfassende Machbarkeitsstudie (inklusive detaillierten Raum-, Betriebs- und Finanzierungskonzept) wird planmässig Ende 2010 vorliegen und der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Finanzierung dieser Arbeiten ist sicher gestellt.“ (mai)