Mini-Bohrer soll das älteste Eis der Welt finden

Mini-Bohrer soll das älteste Eis der Welt finden

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Teaserbild-Quelle: Manu Friederich, Universität Bern

Europäische Forscher wollen in der Antarktis das älteste Eis der Welt untersuchen. Um einen geeigneten Standort für eine solche Bohrung zu finden, kommt ein Mini-Bohrer zum Einsatz, der nicht grösser als eine elektrische Zahnbürste ist, und an der Universität Bern entwickelt wurde.

Forscher der Universität Bern haben sich mit ihrer Eiskernforschung international einen Namen gemacht. So waren sie etwa mit ihrer Analyse von Eisbohrkernen massgeblich an der bislang längsten Rekonstruktion der CO2-Konzentration beteiligt, die über 800‘000 Jahre zurückreicht. In den nächsten Jahren soll es noch weiter in die Klimavergangenheit unseres Planeten gehen. Ziel ist es, in der Antarktis einen Eiskern zu entbohren, der Informationen über die letzten 1,5 Millionen Jahre enthält. In einem europäischen Verbundprojekt soll der richtige Ort für diese Bohrung gefunden werden. Das soll in einem ersten Schritt mit Hilfe von Radartechnologie aus der Luft geschehen. Danach kommt eine Bohrtechnologie zum Einsatz, die an der Universität Bern entwickelt wurde. Wie es in einer Mitteilung heisst, nennt sie sich „Rapid access drilling“ und setzt auf einen Bohrer, der nicht grösser als eine elektrische Zahnbürste ist. Innerhalb einer Woche könne mit dieser „ultraleichten Ausrüstung“ bis auf den Felsgrund unter dem antarktischen Eisschild gebohrt und so die Eignung eines Standorts für die spätere Tiefenbohrung abgeklärt werden. „Neben der Geschwindigkeit liegt die Stärke unserer Methode beim minimalen logistischen Aufwand“, sagt Physiker Jakob Schwander, von dem die Technologie stammt. Der Durchmesser des Bohrlöchleins beträgt nur gerade zwei Zentimeter, weshalb der Berner Mini-Bohrer laut Mitteilung 40-mal weniger Bohrflüssigkeit braucht als eine konventionelle Eisbohrung.

Der kleine Bohrer aus Bern wird derzeit in einem Feldversuch in Grönland getestet, bevor er dann während des antarktischen Sommers Ende 2017 zum Einsatz kommt. Das Projekt nennt sich „Beyond EPICA -  Oldest Ice“. Neben der Universität Bern sind unter anderem Forschungsinstitutionen aus Frankreich, Italien und Grossbritannien beteiligt. Koordiniert wird die Suche nach dem ältesten Eis der Welt vom deutschen Alfred Wegener Institut. Kann ein geeigneter Standort ermittelt werden – hierbei wird der Berner Bohrer aktiv –, beginnt die tiefe Kernbohrung im antarktischen Sommer 2019/2020. Wenn der 2,5 Kilometer lange Eiskern gehoben ist, folgt seine chemische und physikalische Analyse, wobei das Oeschger-Zentrum der Uni Bern eine zentrale Rolle einnehmen wird. (pd/mt)