Milliardenverlust: Energiekonzern Axpo will Investoren

Milliardenverlust: Energiekonzern Axpo will Investoren

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Der Energiekonzern Axpo hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/2016 einen Rekordverlust von 1,25 Milliarden Franken geschrieben. Hauptgrund dafür sind weitere Rückstellungen für Energiebezugsverträge. Gleichzeitig plant der Konzern, neue Investoren an Bord zu holen und den Verwaltungsrat umzugestalten.

Die Wertberichtigungen und Rückstellungen auf Kraftwerke und Energiebezugsverträge summierten sich auf 1,6 Milliarden Franken. Rund eine Milliarde Franken zusätzlich musste die Axpo gemäss dem Finanzbericht für Energiebezugsverträge zurückstellen.

Die Abschreibungen, Amortisationen und Wertminderungen auf Kraftwerke und Netze betragen 558 Millionen Franken. Ein Grossteil davon ist auf das neuen Pumpspeicherkraftwerk Linth-Limmern in Linthal GL zurückzuführen. Mitte September teilte nämlich die Axpo mit, dass sie den Wert dieses Werks um 540 Millionen Franken nach unten korrigieren muss.

Abgesehen davon lief es für den Energiekonzern aber auch sonst nicht rund. So steigerte Axpo zwar die abgesetzte Strommenge um 4,7 Prozent auf 84,9 Terrawattstunden. Die Gesamtleistung im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr reduzierte sich jedoch gegenüber dem Vorjahr um 7,6 Prozent auf 5,4 Milliarden Franken. Diesen Rückgang ist gemäss Axpo im Wesentlichen auf die auf tieferem Niveau abgesicherten Strompreise zurückzuführen.

Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen und Sondereinflüssen im Umfang von 637 Millionen Franken bezeichnet der Energiekonzern angesichts der schwierigen Marktbedingungen als ansprechend. Aber auch dieser Wert fiel geringer aus als im Vorjahr (834 Millionen Franken).

Mit dem Minus von 1,25 Milliarden Franken setzt Axpo die Reihe der roten Zahlen fort. Bereits in den zwei Vorjahren gab es Verluste. Mit 990 Millionen Franken im Geschäftsjahr 2014/2015 und 730 Millionen Franken 2013/2014 fielen diese damals jedoch tiefer aus.

Neue Firma für Erneuerbare

Aufgrund der zurückgegangenen Cashflows in der konventionellen Stromproduktion kann die Axpo nicht so in neue Geschäftsfelder wie geförderte erneuerbare Energien und das internationale Geschäft mit massgeschneiderten Kundenlösungen investieren, wie sie das gerne täte. Deshalb hat der Konzern angekündigt, neue Investoren an Bord holen zu wollen – entgegen der bisherigen Pläne, bestimmte Kraftwerke zu verkaufen. Diese Investoren sollen sich mit einem Minderheitsanteil an einer neuen Firma namens Axpo Solutions beteiligen. Sie wird die Geschäftsfelder erneuerbare Energie, internationales Kundengeschäft, Netze und Asset-Vermarktung umfassen. Auch die Aktionäre der Axpo Holding haben die Möglichkeit, sich zusätzlich direkt bei Axpo Solutions zu beteiligen.

Bei den erneuerbaren Energien und im Kundengeschäft zählten dezentrale Präsenz, Geschwindigkeit und Agilität; und da wolle man wachsen. Das brauche unterschiedliche Prozesse und einen eigenen Management-Fokus, was man mit der Eigenständigkeit der neuen Firma erreiche. «Für den Aufbau der neuen Firma rechnet Axpo mit einem Zeitbedarf von gut zwei Jahren und sieht den Gang an den Kapitalmarkt für das Jahr 2019 vor», heisst es.

Neuer Verwaltungsrat

Die Kantone und die kantonalen Elektrizitätswerke als Eigentümer der Axpo Holding wollen den aus dem Jahre 1914 stammenden Gründungsvertrag ersetzen. Zudem soll der Axpo-Verwaltungsrat entpolitisiert und verkleinert werden.

Ein grosser Teil der Bestimmungen des Gründungsvertrags entspreche nicht mehr der Realität auf dem Strommarkt und sei deshalb nicht mehr umsetzbar, teilten die Axpo-Eigentümer am Mittwoch mit. Deshalb seien die Kantone und die Kantonswerke übereingekommen, den Gründungsvertrag durch einen zeitgemässen Aktionärsbindungsvertrag zu ersetzen.

Auch der heute 13 Mitglieder umfassende Verwaltungsrat soll neu bestellt werden. Er soll verkleinert, entpolitisiert und nur noch nach fachlichen Kriterien besetzt werden. Doppelmandate soll es keine mehr geben. Derzeit sitzen viele Regierungsmitglieder der Axpo-Kantone gleichzeitig im Axpo-Verwaltungsrat sowie in den Aufsichtsgremien ihrer kantonalen Elektrizitätswerke. Dies führe immer wieder zu Rollen- und Interessenskonflikten, teilten die Axpo-Kantone weiter mit.

Die geplanten Änderungen werden von Arbeitsgruppen der Aktionäre unter der Federführung der Kantone Aargau und Zürich vorbereitet. Die Verkleinerung und Entpolitisierung des Verwaltungsrats soll bis zur Axpo-Generalversammlung 2018 umgesetzt werden.

Die Aktien der Axpo Holding AG befinden sich in folgendem Besitz: Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (18,410 Prozent), Kanton Zürich (18,342 Prozent), AEW Energie (14,026 Prozent), Kanton Aargau (13,975 Prozent), St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke (12,501 Prozent), EKT Holding (12,251 Prozent), Kanton Schaffhausen (7,875 Prozent), Kanton Glarus (1,747 Prozent) und Kanton Zug (0,873 Prozent). (sda/mt)