Mieter für teure Wohnungen gesucht

Mieter für teure Wohnungen gesucht

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Je teurer eine Wohnung, umso länger muss inseriert werden. Dabei handelt es sich um Immobilien, deren Miete mit mehr als 3500 Franken pro Monat zu Buche schlagen. Dies zeigt der neue halbjährliche Online-Wohnungsindex des Schweizerischen Verbandes für Immobilienwirtschaft (SVIT), der auf Insertionszeiten von Wohnungsinseraten im Internet basiert.

Für den Index haben der SVIT und das Swiss Real Estate Institute die Online-Insertionszeiten von Mietwohnungen in Zürich, Basel, Genf, Lausanne, Bern, St. Gallen und Lugano unter die Lupe genommen, und zwar von April bis und mit September dieses Jahres. Dabei zeigte sich, dass bei Mietwohnungswechsel je nach Stadt, rund 33 bis 75 Prozent der Wohnungen auf dem freien Markt landeten. Laut SVIT wurden sie nahezu vollständig auf Online-Portalen ausgeschrieben. Nur wenn auf diesem Weg kein Nachmieter gefunden werde, würden zusätzlich Zeitungsinserate geschaltet.

Die übrigen Wohnungen sind oft gar nicht auf dem freien Markt: Sie wechseln den Mieter unter der Hand oder sind im Rahmen des genossenschaftlichen oder staatlichen Wohnungsbaus nicht für jeden Wohnungssuchenden verfügbar. – Online-Inserate dürften ein relativ verlässlicher Indikator für die Lage des freien Mietwohnungsmarktes sein: Weil Wohnungsinserate auf Internetportalen meist pro Tag verrechnet werden, besteht kein Anreiz Inserate länger als nötig aufgeschaltet zu lassen.

24‘000 Mietwohnungen ausgeschrieben

Insgesamt sind in Zürich, Basel, Genf, Lausanne, Bern, St. Gallen und Lugano total 24‘000 Wohnungen über Online-Portale ausgeschrieben worden. Davon betraf ein Drittel der Inserate Immobilien in der Stadt Zürich. An zweiter Stelle stehen Basel und Genf mit jeweils 15 Prozent. Auf dem dritten Platz rangiert Lausanne (13 Prozent), gefolgt von Bern (12 Prozent), St. Gallen (8 Prozent) und Lugano (3 Prozent). Während es in Basel, Zürich, Genf, Lausanne und Bern durchschnittlich 13 bis 17 Tage dauert, bis eine Wohnung einen neuen Mieter findet, braucht es in St. Gallen und Lugano mit 33 bzw. 37 Tagen knapp zweieinhalb Mal so lang.  Besonders lange Insertionszeiten wurden bei Wohnungen mit einer Bruttomiete von mehr als 3500 Franken festgestellt. 

Laut SVIT und Swiss Real Estate Instituts  scheint es in dieser Preislage ein deutliches Überangebot zu geben. Allerdings gibt es auch lokale Unterschiede im höheren Preissegment: Während in Zürich und Genf Wohnungen ab 2500 Franken in grosser Zahl angeboten werden, gelten Immobilien in dieser Mietpreiskategorie in anderen fünf Städten bereits „Nischenprodukte“

Obwohl 500 Wohnungen mehr als in der Vorperiode ausgeschrieben wurden, habe sich die Insertionszeit insgesamt von 24 auf 21 Tage verkürzt, heisst es in der Mitteilung. Dies weise auf eine gestiegene Nachfrage nach Mietwohnungen in diesen Städten hin. Einzig in Lausanne ist der Trend gegenläufig, hier hat sich die Insertionsdauer leicht verlängert. (mai)

Alternative zur Leerstandziffer

Der Online-Wohnungsindex (OWI) versteht sich als Alternative zur Leerstandquote, die oftmals als Messwert für die Situation auf dem Wohnungsmarkt herangezogen wird. Am 1. Juni lag diese Quote beispielsweise bei 1,08 Prozent. Doch grosse Aussagekraft hat die Leerwohnungsziffer nicht: Bei der Leerwohnungsziffer wird nur halbjährlich gezählt, wie viele leer stehende Wohnungen den Behörden gemeldet wurden. Die Meldung ist zudem freiwillig. Eine differenzierte Aussage zu Angebot und Nachfrage lässt sich damit nicht machen, denn so ermittelten Zahlen lässt sich nicht ablesen, wie viele Wohnungen tatsächlich gesucht und gefunden wurden.

Der OWI hingegen basiert auf den Zeitspannen, in denen die Wohnungen auf dem Internet ausgeschrieben waren. Durch diese Insertionszeiten könne die Entwicklung von Angebot und Nachfrage differenzierter eingeschätzt werden, schreibt der SVIT in der Mitteilung. Er kann auf einzelne Räume oder Wohnungssegmente heruntergebrochen werden.

Die Leerhwohnungsziffer hat wegen ihrer Ungenauigkeit immer wieder Anlass zur Klage gegeben. Bereits 1996 wurde im Nationalrat eine Interpellation dazu eingereicht. Im Jahr 2003 forderte eine Motion, es solle eine alternative, bessere Messgrösse geben. Der Bundesrat lehnte dies ab - vor allem aus Kostengründen. (sda/mai)