„Mickriges“ Lohnangebot, „miserable Margen“

„Mickriges“ Lohnangebot, „miserable Margen“

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Rund 3000 Personen haben laut den Gewerkschaften Unia und Syna vergangene Woche auf über 100 Baustellen gegen das Lohnangebot der Baumeister protestiert. Vor der vierten Verhandlungsrunde sind die Parteien nach wie vor weit voneinander entfernt.
 
Für das kommende Jahr fordern die Gewerkschaften 150 Franken mehr Lohn pro Monat für alle Bauarbeiter. Dies entspricht bei einem durchschnittlichen Lohn einer Lohnerhöhung von 2,7 Prozent. Die Baumeister sind zu einer Erhöhung um 1 Prozent bereit: 0,6 Prozent generell plus 0,4 Prozent individuell. In der Lesart der Gewerkschaft ist das „mickrig“. Bei den tiefsten Löhnen (rund 4330 Franken) bedeute die generelle Erhöhung gerade mal 26 Franken mehr im Portemonnaie. Damit liessen sich nicht einmal die höheren Krankenkassenprämien begleichen. Um Rückhalt für ihre Forderung zu erhalten, luden Syna und Unia in der ganzen Woche zu „Znünis“, Mittagessen oder Feierabend-Versammlungen, wie sie am Freitag mitteilten. Die Aktionen seien friedlich verlaufen. „Wir fühlen uns nach Gesprächen mit den Bauarbeitern in unserer Forderung bestärkt“, erklärte Ernst Zülle von der Syna auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Die Reaktionen hätten gezeigt, dass die Arbeiter kein Verständnis für das Lohnangebot der Baumeister hätten. „Die Auslastung in der Branche ist bestens. Die Bauarbeiter spüren das direkt, da sie Samstagsarbeit und Überzeit leisten müssen“, sagte Zülle. Ein „anständiges“ Lohnangebot müsse möglich sein.

SBV wehrt sich für sein Angebot

Zwar bestätigt der Baumeisterverband (SBV) die gute Konjunktur, er verteidigt aber das Angebot. Die gute Auslastung ändere nichts an den „miserablen Margen“ auf dem Bau wegen des ruinösen Wettbewerbs unter zu vielen Anbietern, sagte SBV-Direktor Daniel Lehmann der SDA. Eine Erhöhung um ein Prozent, welche die massgebende Teuerung im September von 0,3 Prozent klar übertreffe, sei daher „sehr gut“. Wie Lehmann erklärt, sehen die Baumeister im Gegensatz zu den Gewerkschaften auch keinen Nachholbedarf. Das Baugewerbe habe bereits heute „die höchsten Löhne aller gewerblichen Branchen mit Gesamtarbeitsverträgen“. Zudem habe die Lohnerhöhung schon im letzten Jahr die Teuerung überschritten.
 
Die vierte Verhandlungsrunde zwischen Gewerkschaften und Baumeistern ist für den 11. November angesetzt. „Die Forderung nach 150 Franken ist breit verankert“, sagte Hansueli Schoch von der Unia dazu. Deshalb werde die Verhandlungsdelegation daran auch festhalten, es gebe nur wenig Spielraum. Bestärkt fühlen sich die Gewerkschaften auch durch die Lohnerhöhungen, die in anderen Branchen in der Lohnrunde 2011 abgeschlossen wurden. Sie lägen, etwa bei den Branchen im Baunebengewerbe, „nicht weit“ von der Forderung der Gewerkschaften für den Bau entfernt. – Syna und Unia hoffen nach wie vor auf einen Abschluss am 11. November. Zülle von der Syna ist zuversichtlich. Kommt es nicht zu einem Abschluss, sind für die Unia weitere Aktionen denkbar. Aktionen seien im Gespräch und würden allenfalls auch vorbereitet, sagte Schoch. (mai/sda)