Meyer Burger: Volle Auftragsbücher und Rekordverlust

Meyer Burger: Volle Auftragsbücher und Rekordverlust

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Vor einem Jahr war das Management von Meyer Burger zuversichtlich, dass es aufwärts geht. Doch daraus ist nichts geworden: Der Solarindustrieausrüster musste einen weiteren Rekordverlust hinnehmen. Allerdings soll die Krise 2016  definitiv überstanden sein.

„Mit dem Resultat kann ich keinesfalls zufrieden sein“, sagte Meyer Burger-Chef Peter Pauli anlässlich der Präsentation der Jahreszahlen in Zürich. Das hindere ihn jedoch nicht daran, weiterhin optimistisch zu sein. „Die Trends zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Pauli setzt darauf, dass der rasant wachsende globale Energiehunger angesichts der Bestrebungen zur Reduktion des Smogs und des CO2-Ausstosses die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen ankurbeln wird. Dies insbesondere weil laut Pauli eine Solaranlage - dank der deutlich effizienteren Produktion von Solarzellen  - schon heute günstiger Strom produziert als ein Gaskraftwerk. Auch Meyer Burger werde davon stark profitieren, so Pauli.

Doch vergangenes Jahr gab es noch rote Zahlen. Mit einem Minus von 169 Millionen Franken schrieb Meyer Burger gar einen Rekordverlust. Wie Finanzchef Michel Hirschi erklärte, sieht das Ergebnis jedoch schlechter aus, als es ist. Sonderfaktoren hätten das Resultat mitgeprägt. Operativ dagegen habe sich das Unternehmen verbessert.

So konnte Meyer Burger den Umsatz im vergangenen Jahr tatsächlich trotz Aufwertung des Frankens und Devestitionen leicht um 2,4 Prozent auf 323,6 Millionen Franken steigern. Der Auftragseingang erhöhte sich gar um 29 Prozent auf 418,9 Millionen Franken. Gleichzeitig konnte das Unternehmen Personalausgaben sowie übrigen Betriebsaufwand um 14 respektive 15 Prozent senken.

Tortz Fortschritten Verluste

Beim Betriebsergebnis (EBITDA) gab es trotz dieser Fortschritte einen Verlust von 55,9 Millionen Franken. Ursache dafür sind laut Hirschi jedoch vor allem zwei Sonderfaktoren: Einerseitzs hat Meyer Burger vergangenes Jahr die Produktionskapazität in einem Werk in Deutschland vervierfacht und diese zusätzliche Kapazität auch ausgelastet. In der Folge sind die Produktionskosten entsprechend angestiegen. Weil die Kunden schliesslich noch später zahlten als ursprünglich angenommen, haben sich die Einnahmen und damit die Buchung des Umsatz verzögert. Entsprechend tiefer ist das Betriebsergebnis ausgefallen. - Andererseits musste Meyer Burger wegen des Verkaufs der Tochtergesellschaft Roth & Rau Ortner Wertberichtigungen vornehmen. Dies hatte ebenfalls zu einem Anstieg der Betriebskosten geführt. Der Reinverlust erhöhte sich schliesslich, weil das Unternehmen im vergangenen Jahr unter dem Strich wieder Steuern zahlen musste, während das Unternehmen in den vorangegangenen Jahren von Steuergutschriften profitieren konnte.

Diese negativen Sonderfaktoren sollten sich jedoch im laufenden Jahr reduzieren. Auch darum zeigte sich der Finanzchef beim Ausblick optimistisch.

Meyer Burger soll im laufenden Jahr beim Betriebsergebnis (EBITDA) erstmals seit der Krise wieder schwarze Zahlen schreiben und der Umsatz soll bis 2021 um jährlich 20 bis 40 Prozent wachsen. In diesem Zusammenhang stellt der Finanzchef in Aussicht, dass Meyer Burger das bereits vor einem Jahr formulierte Umsatzziel von 400 Millionen Franken im 2016 erreichen werde. Hirschi begründet seine Zuversicht damit, dass Meyer Burger schon beinahe den Jahresumsatz in den Auftragsbüchern habe. Mit dem Bestellungseingang von 70 Millionen Franken in den ersten zwei Monaten habe sich zudem der positive Trend des vergangenen Jahres fortgesetzt.

Die Anleger liessen sich davon aber nicht überzeugen: Die Aktie des Unternehmens tauchte bis 13.30 Uhr um 13 Prozent. Gemäss Einschätzung des Analysten der ZKB gibt der Auftragseingang zwar Anlass zur Hoffnung. Doch die Situation für die Solarindustrie bleibe angespannt. (mai/sda)