Meyer Burger: Trotz Verlusten verhalten optimistisch

Meyer Burger: Trotz Verlusten verhalten optimistisch

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Mit einem nochmals massiven Umsatzrückgang auf 202,7 Millionen Franken hofft Meyer Burger wohl den Boden erreicht zu haben. Wenig erfreulich ist der Vorsteuerverlust von 211 Mio. Fr. Obwohl Unternehmensleiter Peter Pauli die Sonne kommen sieht - mit schwarzen Zahlen wird frühestens im 2015 gerechnet.

Zu schaffen machten Meyer Burger wie der gesamten Solarindustrie die Überkapazitäten bei chinesischen Solaranlagen-Herstellern, die den Markt ab Mitte 2011 einbrechen liessen.Vom noch 2011 registrierten Auftragsbestand von über einer Milliarde Franken musste auch 2013 nochmals um 200 Mio. Franken reduziert werden. Schuld sind aufgeschobene, stornierte Aufträge von Solarpaneele-Herstellern, von denen einige auch Konkurs angemeldet hatten.
Harte Sparmassnahmen
Reagiert auf der Kostenseite hat Meyer Burger mit einer massiven Reduzierung des Betriebsaufwandes und einem Stellenabbau. Die operativen Kosten wurden 2013 um 97,7 Mio. Fr. gesenkt, die Zahl der Vollzeitstellen um 405 auf 1781. Innerhalb von zwei Jahren wurden gut 1000 Stellen, 36%, gestrichen. Allein in Thun sank die Zahl der Festangestellten vergangenes Jahr von 621 auf 452. Infolge der verbesserten Auftragslage zum Jahresende wurde in Thun die Zahl der Temporärstellen von 4 auf 80 erhöht.
Ermutigende Signale
Laut Unternehmensleiter Peter Pauli gibt es trotzdem gute Gründe für Optimismus. Die Nachfrage nach Solarstrom steigt ununterbrochen. Und dank tieferen Produktionskosten sei die Solarbranche wettbewerbsfähiger geworden. In klimatisch günstigen Ländern, im Sonnengürtel der Welt, sind die Solar-Stromkosten für den Endkonsumenten oft nicht mehr teurer als herkömmlich produzierte Elektrizität. Auf Grund der seit Herbst 2013 steigenden Auslastung der Solarpaneele-Hersteller führt das Unternehmen wieder mehr Projektgespräche. Schon gegen Ende 2013 hat der Auftragseingang wieder angezogen, bezogen auf das Gesamtjahr um 29% auf 288 Mi. Franken. Allein im Januar und im Februar ergaben sich Auftragseingängen für 21 Mio. respektive 22 Mio. Franken.
Energiewende und Einspeisevergütungen in Europa sind laut Pauli nicht mehr die grossen Geschäftstreiber, sondern der steigende Energiebedarf in Asien, Nahost und Amerika.
Gewinnschwelle erst im 2015
Auch wenn das Unternehmen von einer andauernd besseren Verfassung des Marktes und der Nachfrage ausgeht, die sich beim Umsatz und dem Ergebnis auswirken dürften, wird beim operativen Ergebnis (EBITDA) frühestens 2015 mit einer Rückkehr zu schwarzen Zahlen gerechnet. In den Büchern befinden sich noch zu viele Aufträge mit Preiskonzessionen.
Zudem stehen in diesem Jahr "planmässige Amortisationen immaterieller Werte" von erneut rund 50 Mio. Fr. an. Goodwill-Abschreiber haben bereits die letzten Jahre belastet.
Zu teurer Einkauf mit juristischen Folgen?
Die Übernahme von Roth&Rau in Deutschland im 2011 für rund 350 Mio. Euro war eine zu teure Investition. Ob dabei der Vorwurf eines preistreibenden Insiderdeliktes eines Credit-Suisse-Mitarbeiters erhärtet werden kann, wird sich weisen. Meyer Burger will sich dazu (noch) nicht äussern. Bevor über eine Klage entschieden werde, müsse das laufende Verfahren der Staatsanwaltschaft Stuttgart abgeschlossen werden.
Solide Bilanz
Anders als Mitbewerber, verfügt Meyer Burger über eine solide Bilanz und flüssige Mittel von 173 Millionen. Die Eigenkapitalquote beträgt 52,1%. Verwaltungsratspräsident Peter Wagner begründete die kürzliche Kapitalerhöhung, die brutto 77,8 Mio. Fr. einbrachte, mit der angestrebten Flexibilität: "Sollten grosse Projekte kommen, die Vorfinanzierungen erfordern, brauchen wir das Geld." Er will der GV auch wieder genehmigtes Kapital beantragen. (mai/sda)