Meyer Burger rutscht tiefer in die Verlustzone

Meyer Burger rutscht tiefer in die Verlustzone

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Die gebeutelte Solartechnologiefirma Meyer Burger strebt wieder der Sonne entgegen. Das Thuner Unternehmen hat im ersten Halbjahr zwar den Umsatz deutlich gesteigert, ist dabei aber tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Damit wurden die Erwartungen der Finanzgemeinde verfehlt.

"Wir haben ein gesundes Wachstum sowohl beim Auftragseingang als auch bei den Umsätzen", sagte Finanzchef Michel Hirschi am Dienstag auf einer Medien- und Analystenkonferenz in Zürich. Der Umsatz sei um 43 Prozent auf 129 Mio. Fr. gestiegen. Der Auftragseingang habe gar um 90 Prozent zugenommen, allerdings auf niedrigem Niveau, sagte Verwaltungsratspräsident Peter Wagner. Der Betriebsverlust vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) konnte nur leicht von 59,9 Mio. im Vorjahr auf nun 55,2 Mio. Fr. verbessert werden. Der Verlust unter dem Strich vergrösserte sich indes von 80,6 Mio. auf 88,0 Mio. Franken.

Hohe Investitionen in die Zukunft

Als Gründe für die Verschlechterung nannte Hirschi ein schlechteres Finanzergebnis, geringere Steuererträge und hohe Investitionen in die Zukunft: "Wir haben mehr als doppelt soviel Material für Vorleistungen verbaut als im Vorjahr." Eine grössere Anzahl an Maschinen habe Ende Juni vor der Abnahme durch die Kunden gestanden und werde sich erst in den kommenden Monaten im Umsatz niederschlagen. Rund drei Viertel des von Meyer Burger per Ende Juni ausgewiesenen Auftragsbestands von 211,3 Mio Fr. dürfte im zweiten Halbjahr umsatzwirksam werden. "Wir gehen davon aus, dass wir im zweiten Halbjahr einen deutlich höheren Umsatz erzielen werden", sagte Hirschi. Auch der EBITDA dürfte sich verbessern, wenn auch noch nicht die Gewinnschwelle erreichen.

Gewinnschwelle 2015 wieder überschritten

Um schwarze Zahlen beim EBITDA zu schreiben, müsste der Hersteller von Produktionsmaschinen für Solaranlagen einen Umsatz von rund 450 Mio. Fr. erzielen. "Das sollten wir im nächsten Jahr erreichen, so wie sich die Märkte jetzt entwickeln", sagte Konzernchef Peter Pauli am Rande der Medienkonferenz der Nachrichtenagentur sda. Aus der bestehenden Pipeline an Grossprojekten in neuen Märkten erwarte Meyer Burger den Abschluss des einen oder anderen Vertrags. Allerdings sei eine verlässliche Prognose über den Zeitpunkt des Vertragsabschlusses und der Anzahlungen durch die Kunden fast unmöglich. Denn solche Grossprojekte müssten zuerst von den Kunden finanziert werden und die Zustimmung der Politik erhalten. Meyer Burger hofft etwa, bei einem Grossprojekt in Katar zum Handkuss zu kommen.

170 neue Stellen in Thun und den USA

Um die Maschinen zu bauen, habe Meyer Burger mehr Personal einstellen müssen, sagte Hirschi. Im ersten Halbjahr seien 170 neue Stellen vor allem in den USA und Thun geschaffen worden, womit der Personalbestand auf 1951 Vollzeitstellen stieg. Dagegen würden im zweiten Halbjahr im Zuge der Restrukturierung der deutschen Tochter Roth & Rau im Bundesland Sachsen 100 Stellen gestrichen. Der Personalabbau solle ab nächstem Jahr Kosteneinsparungen von 5,5 Mio. Fr. bringen, sagte Hirschi.

Mit den vorgelegten Zahlen hat Meyer Burger die Erwartungen der Analysten klar verfehlt. Die Experten prognostizierten gemäss der Nachrichtenagentur AWP einen Umsatz von 183,8 Mio. Fr. und einen Betriebsverlust vor Abschreibungen (EBITDA) von 24,3 Mio. Franken. Der Reinverlust schliesslich wurde auf 47,2 Mio geschätzt. An der etwas festeren notiereden Schweizer Börse stagnierte der Aktienkurs von Meyer Burger. (sda)