Meilenstein im hochalpinen Bauen

Meilenstein im hochalpinen Bauen

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: zvg
Ende September wird die neue Monte Rosa-Hütte dem Bauherrn, dem Schweizer Alpen-Club, funktionstüchtig übergeben. Das Projekt machte von sich reden, weil es sowohl in architektonischer wie auchin technischer Hinsicht höchst anspruchsvoll ist.
 
In ein paar Tagen, sprich Ende Monat, wird in Zermatt VS am Fusse des Matterhorns ein aufsehenerregendes Bauprojekt fertiggestellt. Die Rede ist von der neuen Monte Rosa-Hütte, die seit ihrer Lancierung 2003 für sehr viel Gesprächsstoff gesorgt hat. Mit ihr wollen sowohl der Bauherr als auch die Planer des Gebäudes ein neues Kapitel im hochalpinen Bauen einleiten. Aber zurück zu den Anfängen dieses Baus: 1895 entstand als Legat des Ingenieurs François Bétemps die erste Monte Rosa-Hütte. Sie gehörte dem Schweizer Alpen-Club (SAC), der die Hütte den Alpinisten als Bergunterkunft zur Verfügung stellte. Während der folgenden 100 Jahre wurden verschiedene Erweiterungen und Umbauten vorgenommen. Mit der Zeit zeigten sich jedoch Baumängel, die nicht mehr durch Sanierungen zu beseitigen waren. Der SAC entschloss sich deshalb, die Hütte nicht mehr zu sanieren, sondern durch einen Neubau zu ersetzen. Im Jahr 2003 gelangte die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich) an den SAC mit dem Angebot, im Rahmen ihres 150-Jahr-Jubiläums den Hüttenbau zu realisieren. Der SAC stimmte diesem Vorhaben zu.
 

Hütte deckt Energiebedarf selbst

 
Im Wintersemester 2003/2004 wurde vom Lehrstuhl für Architektur und Konstruktion der ETH Zürich das «Studio Monte Rosa» eingerichtet. Mit der Unterstützung von Professoren und Experten aus diversen Fachgebieten arbeiteten an die 30 Studenten während vier Semestern mehrere Entwürfe für die neue Monte Rosa-Hütte aus. Das Resultat dieser Arbeiten ist ein fünfgeschossiger Holzbau, dessen Stahlfundament im verankert ist. Mit seiner metallisch schimmernden Aluminiumhülle und der polygonalen Form soll das neue Berghaus an einen Kristall erinnern. Doch die Hütte soll nicht nur vom ästhetischen Konzept her überzeugen, sondern vor allem durch ihren ressourcenschonenden Betrieb. So soll sie einen Energieautarkiegrad von 90 Prozent aufweisen. Das heisst, dass 90 Prozent des Energiebedarfs durch die Hütte selbst gedeckt werden.
 
Mittels einer 122 Quadratmeter grossen, in die Südfassade des Gebäudes integrierten Photovoltaikanlage wird Sonnenenergie für die Versorgung von Stromverbrauchern wie Abwasserreinigung, Lüftung, Beleuchtung und Haushaltgeräten gewonnen. Überschüssige Energie wird in ventilregulierten Blei-Säure-Akkumulatoren (VRLA/AGM) gespeichert, was eine lückenlose Versorgung auch bei bedecktem Himmel garantieren soll. Als ergänzende Stromquelle für Spitzenverbrauchszeiten sehen die Planer ein mit Rapsöl betriebenes Blockheizkraftwerk vor. Durch Wärmerückgewinnung wird die Wärmeenergie der Abluft genutzt. Zudem liefert die Wärmeabgabe der Personen einen wesentlichen Beitrag zur Deckung des Raumheizungsbedarfs.
 

Gebäude als Gesamtsystem

 
Diese Form von Energieeffizienz, da sind sich die Verantwortlichen einig, ist zukunftsweisend. Denn bei der neuen Monte Rosa-Hütte wurden mehrere an und für sich konventionelle Techniken zu einem Ganzen zusammengeführt. Der Ansatz, der dabei verfolgt wird, ist denn auch, dass man die Hütte als Gesamtsystem betrachtet, bei dem nicht primär die einzelnen Komponenten der Gebäudetechnik oder deren Energieerzeugung eine wichtige Rolle spielen, sondern die Wechselwirkung der verschiedenen Techniken untereinander. So wurden zum Beispiel die Raumgrösse, -geometrie, -orientierung und der Fensteranteil so weit aufeinander abgestimmt, dass daraus ein minimaler Energie- und Ressourcenbedarf resultiert. Die Luftversorgung kann somit nur im Kern des Gebäudes geführt werden. Für die Luftverteilung wurden natürliche Effekte wie Thermik genutzt, um auf die Verteilkanäle zu verzichten. Um das Ganze zu optimieren, hat man einzelne Komponenten wie die Gebäudehülle und -technik sowie die Energieversorgung verbessert. Des Weiteren hat man darauf geachtet, robuste Anlagenteile zu verwenden, die dem rauen, hochalpinen Klima mit schnell wechselnden Wetterlagen trotzen.Die Kosten der neuen Monte Rosa-Hütte belaufen sich auf 6,4 Millionen Franken. Diese Summe wurde mehrheitlich durch Gönner und Sponsoren aufgebracht. Der SAC übernimmt 2,15 Millionen Franken. Ende September soll das neue Berghaus feierlich eröffnet werden. Danach folgt gleich die Winterpause. Übernachten können die Alpinisten in der Hütte ab Frühjahr 2010. (Florencia Figueroa)
 

Energie- und Gebäudetechnik

  • Energetischer Autarkiegrad 90 Prozent
  • 122 Quadratmeter Photovoltaikanlage, Peak-Leistung: 15,6 Kilowattn
  • 60,5 Quadratmeter thermische Solarkollektoren
  • Notstromaggregat (Blockheizkraftwerk), elektrische Leistung: 8,5 Kilowatt; ther- mische Leistung: 19 Kilowatt
  • Volumenstrom Lüftungsanlage 4300 Kubikmeter pro Stunde
  • Wasserspeicher Felskaverne mit 200 Kubikmetern Speichervermögen, Abwasseraufbereitung mikrobiologische Kläranlagen
  • Grauwasser für Toilettenspülungn
  • Meteostation Klimadaten für intelligentes Energiemanagement