Mehr Umsatz und weniger Ertrag bei den SBB

Mehr Umsatz und weniger Ertrag bei den SBB

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Gestiegene Trassenpreise und zusätzliche Unterhaltsaufwendungen führen die SBB als Gründe an für einen Rückgang des Konzerngewinns von 27,8 Prozent auf 100,8 Millionen Franken. Immerhin stieg der Umsatz um 2 Prozent auf 4,05 Milliarden Franken. Auch die Passagierzahlen legten um 0,6 Prozent zu - und das trotz des zum Teil ungemütlichen Ausflugs- und Reisewetters im Frühjahr.
 
Gründe für die Umsatzsteigerung sind Mehreinnahmen bei den Verkehrserträgen im Personen- und Güterverkehr, die auf erhöhte Tarife, den Ausbau des Angebotes und auch auf gestiegene Mieterträge zurückgeführt werden können. Diese an sich positiven Entwicklungen konnten den Rückgang des Betriebsergebnisses um –38,7 Millionen Franken nicht wettzumachen. Zusätzliche Kosten für Instandhaltung und Instandsetzung der Infrastruktur in der Höhe von 70 Millionen Franken werden von den SBB als Gründe genannt. Wie SBB-Konzernchef Andreas Meyer ausführt, haben die SBB mehr Geld ausgegeben, als sie im Rahmen der Leistungsvereinbarung bekommen. In gewissem Sinne ist die SBB auch beim Unterhalt das Opfer ihres eigenen Erfolgs. So macht zum Beispiel die nochmals erhöhte Nutzung der ohnehin schon stark beanspruchten Neubaustrecke zwischen Mattstetten und Rothrist einen früheren Ersatz der Schienen notwendig. Meyer betont, dass das Schienennetz in einem guten Zustand sei und dass keine ausserordentlichen Sicherheitsrisiken bestehen.

Mehr Passagiere und Personen-Kilometer

Täglich fuhren 970'000 Passagiere mit den SBB. Das sind 0,6 Prozent mehr als im ersten Semester des Vorjahres. Gleichzeitig legte die Anzahl Personenkilometer um 1,9 Prozent auf total 8,73 Milliarden Kilometer zu. Gründe sind vor allem der Angebots-Ausbau in der Romandie und die Einführung des Halbstundentaktes zwischen Zürich und Schaffhausen.

Pünktlichkeit ist ein Thema

Die Grossbaustellen im Grossraum Zürich und in Genf hatten Auswirkungen auf die Pünktlichkeit in weiten Teilen des Netzes. Sie ging auf 87,3 Prozent zurück. Immerhin waren die Anschlüsse in 97,5 Prozent der Fälle garantiert, wie die SBB festhalten. Damit liegt die Bahn nur knapp unter dem letztjährigen Rekordwert. Bei einem auch im europäischen Vergleich so hochfrequentierten und komplizierten Netz gibt es verhältnismässig wenig Toleranzen zur Abfederung baustellenbedingter Einflüsse. Wohl im Sinne einer Selbstkritik sagte Meyer, dass die SBB die Kunden zu wenig informiert hätten, über das was genau gemacht und gebaut wird. Bei der Informationspolitik sieht er noch Verbesserungspotential.

Güterverkehr etwas mehr Freude

Nach einem Minus von 22 Millionen Franken vor einem Jahr schreibt SBB Cargo einen Gewinn von 2,6 Millionen Franken. Vielleicht hat auch die etwas bessere Wirtschaftslage in Europa dazu beigetragen. Laut Meyer litt der Güterverkehr im vergangenen Jahr unter der Gotthardsperre (Erdrutsch bei Gurtnellen), deshalb seien überhöhte Erwartungen nicht angebracht. Bis zum Jahresende könnte eine schwarze Null erreichbar sein. (mai/sda)