Mehr Hochwasserschutz an der Kander

Mehr Hochwasserschutz an der Kander

Gefäss: 
Die zum Teil stark verbaute Kander soll in den kommenden Jahrzehnten wieder naturnäher und gleichzeitig besser vor Hochwasser geschützt werden. Die Leitplanken dafür setzt ein neuer Gewässerrichtplan, der ab kommenden Montag aufliegt.
 
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Flussbett der Kander auf mehreren Abschnitten stark verbaut. In der Folge mangelte es ihr an Platz: Darum grub sie sich im Laufe der Jahrzehnte an verschiedenen Stellen immer tiefer in den Boden ein, sie unterspülte und gefährdete Schutzbauten. Die teils massiven Hochwasser in den letzten Jahren haben laut der Berner Verkehrs-, Bau- und Energiedirektion deutlich gezeigt, dass die Abflusskapazität und die Belastbarkeit des Flusses an ihre Grenzen stossen. Dies soll sich ändern: Mit dem Gewässerrichtplan soll nun in groben Zügen fest gelegt werden, wie der Hochwasserschutz an der Kander in verbessert und der Fluss als Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen gestaltet wird. Er umfasst vier Schwerpunkte: Hochwasserschutz, Sohlenstabilisierung, Gewässerunterhalt und Ökologie. Die für den Wasserbau und den Gewässerunterhalt zuständigen Gemeinden und Schwellenkorporationen sind bei der Erarbeitung des Plans mit einbezogen worden und tragen laut Berner Verkehrs-, Bau- und Energiedirektion den ganzheitlichen Ansatz mit.

Launisches Gewässer

Schon lange gilt die Kander galt als ausgesprochen launisches Gewässer. Dies auch der Grund, weshalb Menschen sie seit Jahrhunderten zu zähmen versuchen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war es vor allem die Region am Unterlauf, die unter den Kanderhochwassern litt. Um diesem Zustand abzuhelfen, wurde der Flusslauf in einem kühnen Unterfangen verändert und die Kander in den Thunersee geleitet. Damals war dies ein Pionierprojekt, denn die Flusskorrektion war die schweizweit erste ihrer Art von dieser Grösse - Erfahrung mit solchen Projekten hatte man damals noch keine. Doch die Umleitung der Kander führte zu grossen Problemen: Plötzlich floss rund 60 Prozent mehr Wasser in den Thunersee und die Aare als Seeabfluss konnte das viele Wasser nicht mehr schlucken. Darum kam es in der Stadt Thun regelmässig zu grossen Überschwemmungen. In der Folge wurden weitere, umfangreiche Wasserbauprojekte nötig, allen voran an der Aare.

Mehr Platz für das Wasser

Der Bedarf an Landwirtschafts- und Siedlungsland sowie der Bahnbau erforderten weitere Verbauungen. Insbesondere seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Fluss in ein enges Korsett gezwängt und fliesst nun über weite Strecken in einem monotonen Gerinne. Die Hochwasser der vergangenen Jahre machten klar, dass der Fluss, wo möglich, wieder mehr Platz braucht. Im Unterlauf der Kander, in der Augand oder auch bei Frutigen wurde die Kander wieder ausgeweitet und naturnäher gestaltet.
 
Die Kander entspringt der Zunge des Kanderfirms. Von der Quelle bis zur Mündung hat sie eine Länge von rund 45 Kilometern. Der Fluss entwässert ein 1126 Quardratkilometer grosses Einzugsgebiet. (mai/mgt/sda)