Mehr Grün, weniger Stress

Mehr Grün, weniger Stress

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In wirtschaftlich benachteiligten Siedlungsgebieten können Grünflächen Menschen helfen, mit stressigen Situationen wie Arbeitslosigkeit, chronischer Erschöpfung oder Angst besser umzugehen. Zu diesem Schluss kamen Forscher der Universität Edinburgh in einer Studie, bei der sie unter anderem die Konzentration des Stresshormons Cortisol massen.
 
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Pärke sind Oasen in der Hektik des Alltags: Erholen auf der Parkbank.
 
An der Studie nahmen 25 Menschen aus Wohngebieten mit tiefem Einkommen teil. In regelmässigen Abständen führten die Forscher bei den Probanden Speicheltests durch, bei denen sie die Konzentration des Stresshormons Cortisol massen. Gleichzeitig gaben die Teilnehmer an, wie viel negativen Stress sie selbst verspürten. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass das allgemeine Stressniveau eindeutig mit der Nähe etwa von Pärken oder Wäldern zusammenhängt. Das heisst: Je höher der Anteil von solchen Erholungsräumen in der Umgebung war, umso weniger gestresst waren die Menschen. „Gab es viel Grün, reagierten Menschen besser auf störende Ereignisse im Leben: Entweder stieg das Stressniveau dadurch bei ihnen nicht so stark an, oder sie gingen besser damit um“, berichten die Forscher in der Zeitschrift „Landscape and urban planning“. Zwar liess sich im Zusammenhang mit Sport eine ähnlich ausgleichende Wirkung registrieren – aber Bäume und Blumen beeinflussten seelische Verfassung auch unabhängig von sportlichen Aktivitäten positiv.

Teureres Wohnen in grünen Stadtteilen

„Auswirkungen von Grünflächen auf die Psyche wurden bisher hauptsächlich in Selbstberichten oder in Experimenten in Laborversuchen gezeigt, kaum jedoch durch objektive Marker wie etwa durch Cortisol“, weiss Rudolf Günther, Leiter des Fachbereichs Umweltpsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologen. Der Schwachpunkt früherer Studien lag oft in einer sozio-ökonomischen Störvariable: Pärke und Grünflächen gibt es grundsätzlich eher in sozial besser gestellten Quartieren, deren Bewohner schon wegen ihrer finanziellen Situation und Freizeitmöglichkeiten mehr Ausgleich und weniger Stress haben. „Dass bestimmte Formen von Natur positiv für die Psyche sind, zeigt schon die Tatsache, dass wir gerne ins Grüne oder in den Park gehen“, betont Günther.
 
Wie sehr Grünflächen und Bäume den Wert einer Immobilie verändern, hat Jean-Daniel Saphores von der University of California, Irvine anhand der Analyse von über 20’000 Hauskäufen in Los Angeles überprüft. „Stadtbewohner wollen demnach Bäume in der direkten Umgebung, nicht jedoch am eigenen Grund, wo Bäume den Wert senken“, kommentiert Günther Saphores Untersuchungsresultate. „Rasenflächen - sowohl auf der eigenen Parzelle als auch im Stadtviertel - treiben den Preis in die Höhe.“ Damit sinkt für Einkommensschwache somit die Chance, in der Nähe von Grünland zu leben. (mai/mgt)