Mehr arbeiten gegen Frankenstärke

Mehr arbeiten gegen Frankenstärke

Gefäss: 

Bei den meisten Unternehmen, auch bei den Bauzulieferern, sind die Auftragsbücher mehr oder weniger voll. Das ist aber Schnee von gestern, wenn es darum geht, die Auftragsbestände zu halten – gegen den zu starken Franken. Mit temporären Arbeitszeitverlängerungen, also mit mehr Produktivität bei gleichen Löhnen versuchen erste Unternehmen preislich konkurrenzfähig zu bleiben. 

Dass sich der Kurs des Frankens gegenwärtig von einer Parität mit dem Euro entfernt und sich in diesen Tagen um CHF 1.07 bewegt, kann als Hoffnungszeichen in Richtung eines realistischen Frankenkurses gedeutet werden. Für Unternehmen, die sich gegen die günstiger gewordene ausländische Konkurrenz behaupten müssen,  bleibt der nach wie vor überbewertete Franken eine grosse Herausforderung. Irgendwann sind die Aufträge von vor der Frankenaufwertung abgearbeitet und müssen (zu ungünstigeren Konditionen und Konzessionen) ersetzt werden. 

Bundesrat Johann Schneider-Amman hatte am 27. Januar angekündigt, Kurzarbeit aufgrund von Devisenschwankungen zu ermöglichen. Kurzarbeit ist jedoch für die meisten Unternehmen gegenwärtig kein Thema angesichts noch hoher Auftragsbestände. Erste Unternehmen, auch in der Nähe der Baubranche, haben bereits mit ihren Belegschaften Vereinbarungen für Arbeitszeit-Verlängerungen bei gleichem Lohn getroffen.   

Eternit Schweiz verlängert Arbeitszeiten von 42 auf 45 Stunden. Die Produzentin von Gebäudehüllen beschäftigt an ihren Standorten in Niederurnen und Payerne insgesamt 500 Mitarbeiter, die nun ab 1. März Ihre Arbeitszeit um über sieben Prozent anheben. Diese Vereinbarung gilt vorläufig bis Ende Jahr. Eternit-Chef Urs Lehner begründet diesen Schritt mit der Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens. Der Standort Schweiz und ein Stellenabbau wird nicht in Frage gestellt. 

Huber+Suhner arbeitet anstatt 40 Stunden neu 43 Stunden. Das Unternehmen bezeichnet die Frankenaufwertung als grosse Herausforderung. Neben einem Einstellungsstopp und einer Nullrunde bei den Löhnen 2015, sind weiteren Sparmassnahmen vorgesehen. Die Konzernleitung verzichtet gleichzeitig auf 10 Prozent und das Kader auf 5 Prozent ihrer Saläre. Auch der Verwaltungsrat verzichtet auf 10 Prozent des Entgelts. Ziel ist es "möglichst viele geeignete Arbeitsplätze in der Schweiz" zu halten. Das Unternehmen hat bereits früher, im Zuge der damaligen Frankenaufwertungen Arbeitsplätze nach Polen ausgelagert. 

Arbeitszeitverlängerungen wurden auch weiteren namhaften Unternehmen angekündigt wie dem Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail, beim Haushaltgerätehersteller V-Zug, beim Schaffhauser Industriekonzern Georg Fischer, beim  Technologieunternehmen Bühler Uzwil und beim Lysser Metallverarbeiter Feintool. 

Grenzgänger-Löhne in Euro sind umstritten. Vor allem die Gewerkschaften sehen darin eine Ungleichbehandlung der Mitarbeiter.  Für Aufsehen gesorgt, hat mit diesem Vorschlag der Zahnimplantate-Hersteller Straumann. Mittelfristig dürfte der weltweit tätige Konzern Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. 

Nicht vergessen werden sollte dabei, dass auch zahlreiche kleine und mittlere Schweizer Zulieferer exportorientierter Unternehmen unter Druck kommen werden, sei es auf Grund ultimativer Preissenkungsforderungen oder wegbrechender Arbeitsvolumen, die zu günstigeren Konditionen ins Ausland verlagert werden.  

Die ersten Prognosen für die Wirtschaftsentwicklung der Schweiz nach dem SNB-Entscheid basieren auf einer Franken/Euro-Kursparität und darauf, dass die Wirtschaft vor allem im Sommer an den Rand einer leichten Rezession geraten könnte.  Sicher ist, dass die Löhne im 2015 kaum steigen werden und dass sich die Inflation sogar in Minusbereichen bewegen dürfte.Es bleibt zu hoffen, dass der nun etwas gestiegene Euro-Kurs eine mildernde Wirkung entfalten könnte.    (mai / mit Material der sda)