Mehr als „nur“ ein Deckeneinsturz

Mehr als „nur“ ein Deckeneinsturz

Gefäss: 
Bei seiner Eröffnung sorgte Daniel Libeskinds Einkaufszentrum „Westside“ bei Bern für Aufsehen. Heute, rund zwei Jahre später, treten immer mehr Mängel am extravaganten Bau zutage. Denn die Decke, die vor Kurzem im Badebereich einstürzte, ist nicht das einzige Problem. Dies berichtet die aktuelle Ausgabe der Zeitung „Der Bund“.
 
Während die Untersuchungsbehörden mit der Abklärung der Ursache für den Deckeneinsturz im Badebereich des Prestigeobjekts bzw. im „Bernaqua“ beschäftigt sind, äussern laut der Zeitung Badegäste die Vermutung, dass Korrosion dieses Unglück ausgelöst haben könnten. So hat offenbar ein Badegast berichtet, dass der gesehen hat, wie ein Element aus zehn Metern Höhe auf den Boden krachte. „Demnach soll sich die Konstruktion zuerst an einer Stelle von der Verankerung gelöst haben worauf das über 100 Quadratmeter grosse Verschalungsstück komplett in die Tiefe gestürzt ist“, heisst es im Artikel. Der Mediensprecher der Berner Kantonspolizei wollte diese Schilderung gegenüber der Zeitung allerdings nicht kommentieren.

Rostflecke in der Tiefgarage

Doch das Erlebnisbad, das bis auf unbestimmte Zeit gesperrt bleibt, ist nicht der einzige Bereich, in dem offenbar unsorgfältig gearbeitet worden ist. Die Tiefgarage soll ebenfalls unter Korrosionsschäden leiden. Im ersten Untergeschoss haben sich Rostflecke an der Decke gebildet. Die Betondecke des zweiten Parkdecks weise mehrere Meter lange Risse auf, ist im „Bund“ zu lesen. „Das ist so“ bestätigt denn auch Anton Gäumann, Geschäftsführer der Neue Brünnen AG, gegenüber der Zeitung. In den Wintermonaten kämpfe man infolge der zu geringen Bodenneigung mit liegen gebliebenem Schmelzwasser. Zuweilen seien die Wasseransammlungen so gross, dass das Wasser mit Reinigungsmaschinen aufgenommen werden muss. Die Neigung liege aber in den Toleranzgrenzen der SIA-Normen. Die Aussage, eines Mitarbeiters,. wonach aufgrund des Wasserproblems gar wichtige bauträger ausgetauscht werden müssten, dementierte Gäumann aber. Es wäre falsch. jede Risschen aufe einen Mangel zurückzuführen, so Gäumann.

Kein neues Thema

Neu ist das Thema der Mängel aber nicht: kurz nach der Eröffnung war im McDonalds eine Deckenplatte heruntergefallen. Auch im Bad tauchten erste Probleme auf. Handlaufe, Treppen und Schrauben begannen zu rosten und mussten ersetzt werden. Die die Verantwortlichen sprachen damals in diesem Zusammenhang von „suboptimalem Material“.
 
Gut möglich, dass letztlich der Zeitdruck Hauptauslöser für derlei war: Denn drei Monate, bevor der Einkaufs- und Badetempel hätte eröffnet werden sollen, waren die Bauarbeiten noch auf Hochtouren gelaufen, teilweise musste Schicht gearbeitet werden. Zudem hatten laut „20 Minuten“ Baukontrolleure 2007 einige dutzend Fälle von Lohndumping auf der „Westside“-Baustelle festgestellt. Es seien zwischen 30 und 40 Sanktionen ausgesprochen worden. (mai)