Mehr als eine technische Spielerei

Mehr als eine technische Spielerei

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Energie im Wohnbau einzusparen ist heute eine Selbstverständlichkeit. Ein einziges vernetztes System steuert sämtliche Komponenten der Haustechnik, basierend auf Technologien, wie sie im Automobil- und Flugzeugsektor schon lange gebräuchlich sind.
 
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Das Panel mit dem Schaubild macht die Bedienung einfach.
 
Als SRA/Ericsson im Jahr 1956 sein Mobile Telephone System (MTA) auf den Markt brachte, gab es noch keinen internationalen Mobilfunkstandard. Die Geräte wogen an die 40 Kilo und mussten ins Auto eingebaut werden. Die einzige Art, sie zu transportieren, kosteten mehrere 1000 Franken. Zuden ging dem Akku nach einer Stunde die Luft aus. Heutige iPhones dagegen bieten Multitasking, Videoschnitt und FaceTime-Anrufe, und die Batterielaufzeit ist kein Problem mehr.
Hausautomatik für Sicherheit
 
Schnell gewöhnen wir uns an die Annehmlichkeiten der Moderne. Dies gilt besonders in der Gebäudetechnik. Im «intelligenten Haus» regelt ein intelligentes Schaltsystem die Raumtemperatur spezifisch für jedes Zimmer, entsprechend der Aussentemperatur. Sensoren erkennen offene Fenster, senken kurzfristig die Heizleistung, Strom fressende Haushaltgeräte lassen sich in Zukunft automatisch zu günstigen Tarifzeiten einschalten. Verlassen wir unseren Arbeitsplatz, stellen wir per Handy die Raumtemperatur ein, die uns an unserem Wohnort empfangen soll. Im Hause selbst haben wir die ganze Hausautomatik im Griff über Taster an der Wand, Laptops oder berührungsempfindliche Bildschirme.
 
Gebäudetechnik spart nicht nur Energie. Sie hilft uns, unseren Alltag zu organisieren, erleichtert uns Kommunikation, verschafft uns mehr Komfort, entlastet uns von Hausarbeit, gibt uns gezielt Zugang zu Information. Doch wie eine Umfrage in Deutschland zeigt, versprechen sich die meisten Menschen von intelligentem Wohnen vor allem höhere Sicherheit. Diese bewirken beispielsweise Bewegungsmelder und Fenstersensoren, welche die Anwesenheit Fremder erfassen. Angesichts der demographischen Entwicklung in den Industriestaaten kommt der Sicherheit älterer Menschen in ihrer Wohnungsumgebung eine wachsende Bedeutung zu. Ihnen helfen Orientierungslichter, die sich beim Verlassen des Bettes automatisch einschalten, oder Überwachungssysteme, die Alarm schlagen, wird die Herdplatte nicht ausgeschaltet.

Zauberwort KNX

Herzstück solch vernetzter Systeme sind raffinierte Schaltelemente, die über eine Datenleitung - den so genannten Bus - kommunizieren. Im Markt führend sind Produkte nach dem KNX-Standard. Dank den nach der KNX-Association festgelegten Standards sind die einzelnen Komponenten unterschiedlicher Hersteller kompatibel und erlauben eine raffinierte Vernetzung moderner Haus- und Gebäudesystemtechnik. Als Kommunikationsmedium dient eine zusätzlich verlegte Busleitung oder beim nachrüsten vor allem Funk. Mit KNX lassen sich Heizung, Licht, Belüftung, Rollläden, Multimediaelektronik und Sicherheitstechnik effizient und wirtschaftlich steuern.
 
Im Detail funktioniert dies so, dass Sensoren, beispielsweise Bewegungsmelder und Thermostate über die Busleitung ihre Befehle an Aktoren übermitteln, welche ihrerseits Heizung, Klimatisierung oder Beleuchtung regeln. Selbst Hausgeräte lassen sich vernetzen, ohne neue Leitungen zu verlegen. Für eine nachträgliche Installation eignen sich durch Übertragung der Daten Funk oder die 230 V-Netzleitung (Powerline). Ein KNX-System kann jederzeit ohne wesentliche bauliche Veränderungen an neue Bedürfnisse angepasst oder um neue Funktionen erweitert werden, was grösste Flexibilität sichert.
 
Gebäudetechnik liegt im Trend, denn diese Systeme sind nicht mehr nur für das oberste Segment realisierbar, kommen doch heute Lösungen für weniger als 1000 Franken pro Raum zu stehen.
 
 

„Wer nicht so baut, hat bereits verloren“

"Intelligent Wohnen"  bedeutet, dass Systeme, Apparate und Technologien zum Einsatz kommen, welche Sicherheit gewährleisten, den Energiekonsum senken, Kosten sparen und dabei gleichzeitig mehr Komfort schaffen. Dahinter steckt eine clevere Vernetzung von Haustechnik wie Energiezähler, Alarmsysteme, automatische Heizungs- und Lichtregler. Haushaltgeräte wie Kühlschrank und Backofen zählen dazu. Nicht zuletzt die Multimedia-Welt in Form von TV-Gerät, Recorder, Tuner und ähnlichem. Um dem Interessenten neutral und unabhängig Klarheit über aktuelle Angebote zu geben, entstand Intelligentes Wohnen (www.intelligenteswohnen.com) – eine Fachgruppe der Gebäude Netzwerk Initiative (www.g-n-i.ch). Sie bietet eine branchenübergreifende Plattform für Technologien und Systemintegration im Vernetzten Wohnen, zertifiziert Partner wie Installateure oder Planer im Bereich vernetzter Wohnungen und Häuser, die auch über Referenzobjekte für Interessenten verfügen. Intelligentes Wohnen ist in aller Munde. Sogar die Cebit widmete dem Thema ‚Smart Home‘ dieses Jahr mit übergreifender Kommunikation, Heimautomatisierung und Informationstechnik im integralen Gesamtkonzept viel Raum. Doch wohin geht die Reise in diesem Bereich? René Senn, Leiter Initiative Intelligentes Wohnen (im Bild), muss es wissen. Er ist Leiter der Fachgruppe Intelligentes Wohnen.
 
Frage: Wo sehen Sie die Unterschiede zwischen Gebäudeautomatisierung und Hausautomatisierung, wo doch gewisse Techniken und Geräte wie steuerbare Thermostaten, Überwachungskameras, Lichtschranken, Bewegungsmelder etc. in beiden Typen eingesetzt werden?
René Senn: Gebäudeautomation gilt als Begriff für den Zweckbau, von Hausautomatisierung sprechen wir lieber nicht. Das «automatische Haus» wiederum birgt die Angst, dass ich als Mensch keinen Einfluss mehr ausüben kann. Im «Intelligenten Wohnen» kommen zwar zum Teil dieselben Geräte zum Einsatz, nur ist die Anwendung viel individueller und die Kunden sind anders zu beraten.
 
Intelligentes Wohnen setzt die Verknüpfung raffinierter Technik voraus wie Bussysteme und IP-Netze. Wie beurteilen Sie die Akzeptanz von Formen des «Intelligenten Wohnens» in der breiten Öffentlichkeit?
Noch vor ein paar Jahren galt es als Spielerei, «elek-tronische» Lichtschalter zu zeigen. Heute ist dem zum Glück nicht mehr so. Es gibt schon viele erfolgreich umgesetzte Projekte. Nur – wie Sie es in der Einleitung ansprechen – jeder versteht etwas anderes darunter, was die Sache nicht einfacher macht.
 
Worauf habe ich zu achten, wenn ich als Investor oder Benutzer ein Heim mit smarter Technik ausgestalten will?
Dort investieren, wo es später nicht mehr möglich ist, und nur das realisieren, was mir heute wirklich etwas nützt.
 
Wie lassen sich die Vorteile und eventuelle Einsparungen des vernetzten Wohnens überhaupt quantifizieren?
Den Komfort zu quantifizieren ist immer schwierig und sehr individuell. Erst beim Energiesparen lassen sich aussagekräftige Zahlen herleiten. Die SIA Norm 386.110 zeigt des Einsparpotenzial das mit Automation erzielt werden kann. (Interview: Elsbeth Heinzelmann)