Mauern und zimmern wie vor 700 Jahren

Mauern und zimmern wie vor 700 Jahren

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: zvg
In einem alten Steinbruch im Burgund entsteht zurzeit eine Burg. Gebaut wird mit den Methoden und Materialien, wie sie im Mittelalter üblich waren. Doch bis die Burg ganz steht, dauert es noch 13 Jahre.
 
 
Tief in den Wäldern des nordöstlichen Burgund ist das Rad der Zeit um Jahrhunderte zurück gedreht worden. Hier läuft seit rund zwölf Jahren ein Architektur-Experiment der ungewöhnlichen Art: Eine Burg - das Château Guédelon - wird dort mit genau denjenigen technischen Mitteln und Materialien gebaut, die im 13. Jahrhundert üblich waren. Vom imposanten Bauwerk stehen mittlerweile Wehrmauern, Zugbrücke, Keller und das Haupthaus. Einer der Wehrtürme ist bereits 15 Meter hoch. Die Fertigstellung ist für 2023/2024 vorgesehen.
 
Das Arbeiten auf der Baustelle von einst ist intensiv und anstrengend. „Die Arbeit an der Burg dauert deswegen so lange, weil sämtliche Baumaterialien auch in traditioneller Art und Weise hergestellt werden. Steinmetze und Tischer verwenden alte Werkzeuge zum Bearbeiten“, erklärt dazu Hein Koenen, Reiseführer von Guédelon. Die Nägel werden von Schmieden gehämmert. Aber auch Seile, Körbe und werden Dachziegel direkt auf der Baustelle produziert. Und der Mörtel wird von Hand aus gelöschtem Kalk und Sand gemischt.
 
Längst ist das Projekt für die Region zu einem gut laufenden Tourismusgeschäft avanciert. Darauf ist das Projekt angewiesen. Denn weil die öffentliche Hand das exzentrische Bauvorhaben nicht mehr unterstützt, muss der Bau durch Eintrittgelder finanziert werden. Auch wenn laut Koenen das Projekt Guédelon in der Zwischenzeit in der akademischen Welt als anerkanntes Projekt gilt. Zumal Wissenschaftler und Historiker den Bau begleiten und analysieren, und damit die Authentizität der Baustelle sicher stellen.
 
Michel Guyot, der nahe von Guédelon einen Landsitz sein Eigen nennt, hatte zusammen mit der Geschäftsfrau Mryline Martin 1996 die Idee zum Projekt entwickelt. Ein wesentlicher Teil der Überlegungen war es, der lokalen Bevölkerung Arbeit zu geben. "Der Standort der neuen alten Burg ist ein alter Steinbruch, der 90 Prozent der verwendeten Steine liefert. Zudem sind in der näheren Umgebung auch Eichenholz, Lehm und Wasser zum Bauen vorrätig", so Koenen. (mai/mgt)