Masseln und Bolzen im Laufental

Masseln und Bolzen im Laufental

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Teaserbild-Quelle: tst
Mit Flexibilität, Qualität und Erfahrung kann die Aluminium Laufen selbst gegen starke Konkurrenz bestehen. Über die Hälfte der Produktion geht in den Baubereich, vor allem Profile für Fenster, Türen und Fassadenelemente sind gefragt. Die Firma scheint auf gutem Weg, doch seit Längerem macht dem Traditionsbetrieb der unberechenbare Eurokurs zu schaffen.
 
 
Heisse Luft schlägt einem entgegen, Lärm und eigenartige Gerüche breiten sich in der Fabrikhalle aus. Arbeiter machen sich an stockwerkhohen Maschinen zu schaffen, bewegen grosse Gussformen oder klopfen bereits fertige Teile aus ihren Umhüllungen. In mehreren an riesige Suppentöpfe erinnernde Kochstellen brodelt flüssiges Aluminium bei einer Temperatur von 750 Grad. Mit Gelassenheit und ruhiger Hand führen die blaugewandeten Männer ihre Arbeiten aus, von Hektik und Nervosität keine Spur. Dabei herrscht momentan Hochbetrieb in den Produktionsräumen der Aluminium Laufen. Diesen Eindruck kriegt auch, wer übers Gelände der Fabrik schreitet, überall stehen fertigproduzierte Teile herum, bereit zur Auslieferung an die Kunden. «Nachdem das Krisenjahr 2009 auch bei uns deutliche Bremsspuren hinterlassen hat, konnten wir letztes Jahr die Produktion um über zwanzig Prozent steigern», sagt Fabrikdirektor Alex Kummer. Der Liesberger Betrieb, auf halber Strecke zwischen Laufen und Delémont liegend, ist spezialisiert auf die Verarbeitung von Aluminium, stellt den Rohstoff selbst nicht her.
 

Produktpalette macht Eindruck

Vor der Fabrikhalle glänzen in der Sonne grosse Mengen silbriger Alubarren, sogenannte Masseln. Diese werden bedarfsgerecht eingeschmolzen und zu den verschiedensten Produkten verarbeitet. Die Bandbreite der gegossenen oder gezogenen Teile ist vielfältig und die Firma ist so eingerichtet, dass praktisch jedes gewünschte Element hergestellt werden kann – von der Gartenschere über Gehäuse technischer Geräte bis zu Briefkästen oder Gehäuse für Theodoliten. Jedoch der grösste Teil der Produktion, rund die Hälfte der verarbeiteten 25 000 Tonnen Aluminium pro Jahr, besteht aus Profilen für Fenster- und Türenhersteller. «Wir können dank unserem Know-how praktisch jedes gewünschte Fensterprofil herstellen. Dazu kommt, dass auch die Isolationen der Profile hier im Werk eingebaut werden», sagt Kummer. Neben diesen Produkten stellen die Liesberger auch Fassadenplatten her, ein besonders elegantes Teil ist beim Jacob Burckhardt Haus in der Nähe des Basler Bahnhofes zu sehen.
Direktor Alex Kummer ist selbst kein «Metalliger», sondern Jurist und ausgebildeter Ökonom. Er stiess vor rund fünf Jahren zur Aluminium Laufen, als die Gründerfamilien das Unternehmen im Zuge der Nachfolgregelung an Laufentaler Investoren verkauften. Kurze Zeit stand auch die Veräusserung an eine Beteiligungs-Gesellschaft zur Debatte, doch konnten sich die einheimischen Geldgeber durchsetzen. Dies kam auch den rund 300 Angestellten zu Gute, denn die neuen Besitzer investierten in den Standort Liesberg, schafften 2006 eine neue Presse an und werden 2012 den Betrieb um eine weitere ergänzen.
«Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt und ist nicht Mittel – Punkt», bringt Alex Kummer die Personalpolitik seiner Firma auf einen pfiffigen Nenner. Für ein optimales Betriebsklima spricht auch die Tatsache, dass so gut wie keine Personalfluktuation stattfindet. «Und ist mal etwas bei uns frei, sorgen in der Regel die eigenen Leute für gleichwertigen Ersatz», bemerkt Kummer. Teilweise kommen seit Generationen Mitarbeiter aus denselben Familien und Dörfern in die Firma, man empfiehlt sich gegenseitig für freie Stellen. Aus dem nahe gelegenen Elsass fahren täglich rund 120 Personen als Grenzgänger ins Laufental.
 

Euro macht Kopfschmerzen

Volle Auftragsbücher, zufriedenes Personal und eine zeitgemässe Infrastruktur – eigentlich alles in Butter, könnte man meinen – doch der inkonstante Euro macht den Liesbergern einen dicken Strich durch die Rechnung. Weil rund 70 Prozent des Absatzes in Euro abgerechnet werden, hat der Währungssturz von 16 Prozent dramatische Folgen. «Wir reden heute nicht mehr von Wechsel- sondern von Speedkursen» meint Kummer und schiebt leicht grimmig nach «wie im Casino». Das Gezerre um die europäische Einheitswährung und die damit verbundenen heftigen Abschläge der letzten Monate lassen Existenzängste aufkeimen. «Es darf nicht sein, dass ausländische Finanziers ihr Geld bei uns an einem sicheren Ort deponieren auf Kosten des Werkplatzes» doppelt Kummer nach und meint, dass sich bei einem Kurs von 1,25 die Standortfrage stelle. Besonders schmerzlich ist der Verlust von grösseren Aufträgen, weil man nicht mehr konkurrenzfähig anbieten könne. Einen möglichen Ausweg sieht Kummer im Besetzen von Nischen, die für andere Anbieter nicht attraktiv genug sind. Dazu gehört beispielsweise die weitere Bearbeitung der Werkstücke, wie sie die Aluminium Laufen AG bereits für Fenster- und Türprofile anbietet.(tst)