Luzerner Theater: Kleiner Denkmalwert, hohe städtebauliche Bedeutung

Luzerner Theater: Kleiner Denkmalwert, hohe städtebauliche Bedeutung

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Das Luzerner Theater an der Reuss hat nur noch einen geringen Denkmalwert, dafür aber eine grosse Bedeutung für das Stadtbild. Zu diesem Schluss kommt ein bauhistorisches Gutachten im Auftrag des Kantons. Die Tatsache muss bei einem allfälligen Abriss und Neubau berücksichtigt werden.

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Das heutige Theatergebäude mit Rathaussteg

Das Ringen um die Erneuerung der Luzerner Theaterinfrastruktur mit einem geplanten Neubau der Salle Modulable am Standort Inseli geht weiter. Da ist nämlich die Frage nach dem denkmalpflegerischen Stellenwert des heutigen Luzerner Theaters an der Reuss, das möglicherweise abgerissen werden soll. Daher hat die kantonale Denkmalpflege Siegfried Möri vom Büro für Architektur, Denkmalpflege und Baugeschichte (ADS) mit einem Gutachten beauftragt, das den denkmalpflegerischen Wert des Gebäudes zu ermitteln. Nun ist das Ergebnis da, wie es in einer Mitteilung der Staatskanzlei Luzern heisst. Der Gutachter kommt zum Schluss, dass das 1838/39 nach Plänen von Architekt Louis Pfyffer von Wyher erbaute Bauwerk nur noch wenig von seiner ursprünglichen Bausubstanz aufweist. Denn das heutige Erscheinungsbild geht laut Möri im Wesentlichen zurück auf den Wiederaufbau und die Aufstockung von 1925 nach dem Grossbrand und die Westerweiterung in den 60er-Jahren. Vom Originalbau hätten sich nebst dem Mittelteil an der Reussfassade, bestehend aus den drei ursprünglichen Aussenwänden des vorspringenden Querbaus, lediglich die Ost- und Südfassade des Hauptbaukörpers erhalten. „Durch die zahlreichen, tiefgreifenden Umbauten sowie durch einen Brand anfangs des 20. Jahrhunderts wurde der Denkmalwert des Stadttheaters leider stark geschmälert“, so die Zusammenfassung.

Was Stadtbild angeht, so kommt das Gutachten zum Schluss, dass der Bau „als Teil der linksufrigen Reussfront und als direktes Gegenüber des Rathauses von städtebaulicher Bedeutung“ ist. Durch die Ausrichtung des Rathausstegs auf die Mittelachse der Theaterfront sei der räumliche Bezug noch gestärkt worden. Die Neugestaltung und die Vergrösserung des Baukörpers im Rahmend es Wiederaufbaus in den Jahren 1925/26 hätten die städtebauliche Wirkung gesteigert. Demnach sei also der Situationswert von Bedeutung. Und so heisst es denn auch zum Schluss: „Ein allfälliger Neubau müsste dementsprechend dieser hohen städtebaulichen Bedeutung Rechnung tragen.“

Verband ist gegen das Inseli

Derweil macht sich weiterer Widerstand gegen die neue Salle Modulable respektive gegen den geplanten Standort derselben bemerkbar. Der Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee (LSVV) lehnt das Inseli ab und will sich laut einer Mitteilung mit allen Mitteln für die Erhaltung des Inseliparks einsetzen. Ein grossvolumiges Gebäude auf dem Inselipark als „visuelles Wahrzeichen“ und mit dem architektonischen Anspruch „internationaler Ausstrahlung“ widerspreche der historischen Bedeutung des Orts als Oase der Ruhe und Erholung in der Seebucht, teilt der Verband mit. Ausserdem kritisiert er, dass ein Dialog mit den Schutzverbänden erst nach den definitiven Entscheiden erfolgen soll.

Als machbare Lösung erachtet der LSVV die – abgelehnten – Standortvarianten im Bereich Theaterplatz und Schotterplatz. (mt/sda/pd)