Luzerner Kapellbrücke auf wackeligen Pfählen?

Luzerner Kapellbrücke auf wackeligen Pfählen?

Gefäss: 

Weil ihre Stützpfähle zum Teil morsch sind, muss die Luzerner Kapellbrücke instandgesetzt werden. Ein Bauingenieur kritisiert das Sanierungsprojekt massiv – nun nimmt man bei der Stadt die Pläne noch einmal unter die Lupe.

Holzbauingenieur Hans Banholzer kritisiert die geplanten Arbeiten an Luzerns Wahrzeichen. Die Stadt stütze sich zu sehr auf die Bachelorarbeit eines Absolventen der Berner Fachhochschule, erklärte er am Wochenende in der „Zentralschweiz am Sonntag“. Laut Banholzer ist die Studie „unbrauchbar“. Der Grund: Wie Banholzer erklärt, geht sie zu sehr davon aus, dass alle Pfähle auf dieselbe Weise saniert werden könnten. Sich auf solches zu verlassen bezeichnet er als „fahrlässig“.

Die Krux an der Sache liegt offenbar darin, dass der Student in seiner Studie neben dem Referenzmodell vier verschiedene Versuchsmodelle entwickelt hat, die er mit einer computergesteuerten Abbundanlage einer Werkhalle hergestellt hatte. Doch saniert werden die Pfähle nicht im Trockenen, sondern direkt vor Ort, im Wasser. „In Wirklichkeit erfolgt die Bearbeitung der verbleibenden Gegenstücke, also der Pfahlteile aus Eichenholz, unter erschwerten Umständen – von Hand im fliessenden Wasser unterstützt durch spezielle Hilfsgeräte“, führte Banholzer gegenüber der Zentralschweiz am Sonntag aus. Des weiteren monierte Banholzer, dass die in der Reuss stehenden Pfähle vor dem Durchschneiden gesichert werden müssen. Für ihn sei diese Arbeit reine Theorie, die für die Praxis keine oder kaum eine Bedeutung habe. Auch der Verfasser weist laut „Zentralschweiz am Sonntag“ darauf hin, dass viele Kriterien vernachlässigt worden seien und dass die Resultate daher von der Realität abweichen könnten.

Stützen austauschen, ohne Brücke abzubauen

Banholzer weiss wovon er spricht: Das Büro des heute pensionierten Bauingenieurs hatte nach dem Brand der Kapellbrücke den Auftrag erhalten, diese wieder aufzubauen. Nachdem man sie wieder aufgebaut hatte, wurde sie periodisch überwacht. Auch dies nicht stets zur Zufriedenheit Banholzers. Überwachung und Unterhalt sind seiner Ansicht nach „nicht immer professionell“ verlaufen. Schliesslich entdeckte man vor rund neun Jahren Schäden an den Pfählen, bald stellte sich heraus, dass sie ganz ersetzt werden mussten. Banholzer, der auch dieses Mal den Auftrag erhielt, entwickelte seine Sanierungsemethode weiter. Sie ermöglicht es, einzelne Stützen auszutauschen, ohne dass die Brücke dafür abgebaut werden muss.

Die Kritik des Bauingenieurs hat Früchte getragen: Bei der Stadt geht man nun noch einmal über die Bücher.  „Wir nehmen die Bedenken ernst“, erklärte Markus Sigrist, Projektleiter Infrastrukturprojekte des Tiefbauamts, gegenüber der „Neuen Luzerner Zeitung“. Man werde die kritischen Aussagen mit dem zuständigen Holzbauingenieurbüro besprechen und diesem prüfen lassen. Zudem wies Sigrist in der aktuelle Ausgabe der „Neuen Luzerner Zeitung“ darauf hin, dass die Bachelorarbeit „lediglich orientierenden Charakter“ habe. Man betrachte sie keineswegs als abgeschlossen. Deshalb will man zur Umsetzung einer Lösung, wie sie in der Arbeit vorgeschlagen wird, noch weitere Untersuchungen machen. (mai)