Luzern: Bypass ohne Spange Nord?

Luzern: Bypass ohne Spange Nord?

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Teaserbild-Quelle: zvg

Der Stadtrat von Luzern stimmt dem optimierten Vorprojekt zur Spange Nord nicht zu. Die Lösung sei nicht stadtverträglich. Deshalb fordert er eine Planung des Gesamtprojekts Bypass, das die Stadt vom Verkehr entlasten soll, ohne die Spange Nord.

Dass die Stadt Luzern im Verkehr erstickt, ist kein Geheimnis. Blechlawinen gehören zum normalen Bild – täglich und praktisch zu jeder Tageszeit. Eine neue Verkehrsführung – das 1,7-Milliarden-Projekt Bypass – soll den Verkehr von den Stadtstrassen und -autobahnen holen und ihn verflüssigen. Das Generelle Projekt ist Ende letztes Jahr vom Bundesamt genehmigt worden. Doch bei einem Teilprojekt hapert es. Die Spange Nord ist umstritten.

Nach einer Überarbeitung des Vorprojekts durch den Kanton gab es bis Ende 2016 zahlreiche Rückmeldungen aus den umliegenden Gemeinden und Verbänden. Auch der Stadtrat hat sich mit dem Vorschlag befasst und kann ihm nicht zustimmen, wie es in einer Mitteilung heisst. Zu gross seien die negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität und das Stadtbild. Er begrüsst zwar die geplante Verlängerung des Tunnels im Bereich Friedhof. Doch insgesamt seien die erhofften Fortschritte nicht im gewünschten Ausmass erreicht worden. Zum Beispiel bei der Fluhmühlebrücke. Gegenüber dem ursprünglichen Vorprojekt soll sie nun verbreitert werden. Auch den Spurausbau in der oberen Zürichstrasse – sie ist eng und stark befahren – kann der Stadtrat nicht akzeptieren, ebenso wenig wie die geplanten zusätzlichen Fahrspuren am Schlossberg. Hier befindet sich das Schulhaus Maihof. Der Stadtrat moniert, dass der sowieso schon knappe Bewegungsraum für die Kinder eingeschränkt werde.

Das Fazit lautet: „Die grösstenteils drei- bis vierspurige Spange Nord bringt für die Quartiere von der Zürichstrasse über den Schlossberg und das Friedental bis zur Reussmatt und zur Fluhmühle eine hohe Verkehrsbelastung und damit starke Lärmimmissionen.“ Dies schränke nicht nur die Lebensqualität in einem Gebiet ein, in dem sich nebst dem Friedhof auch das Kantonsspital befinde, sondern erschwere und verteuere auch die baulichen Entwicklungen. Deshalb hat er einen Entschluss gefasst. Weil er bezweifelt, dass eine Weiterbearbeitung in der nächsten Projektphase zu einer „akzeptablen Situation“ führt, fordert er eine Planung des Bypasses ohne den Anschluss Lochhof und somit ohne Spange Nord. Er rechnet damit, dass dies die Realisierungschancen erhöht.

Kanton will Lösung finden

Für die Planer bilden die Transitautobahn Bypass und die Entlastungsstrasse Spange Nord indes ein Gesamtsystem. Es sei zentral, dass die Spange Nord realisiert werde, teilte der Kanton am Dienstag auf seiner Homepage mit. Bypass und Spange Nord würden ihren vollen Nutzen nur gemeinsam entfalten. Erst mit dem Bypass könne die heutige A2 zur Stadtautobahn umfunktioniert werden, schreibt der Kanton. Nur mit der Spange Nord könne der Agglomerationsverkehr auf die Stadtautobahn verlagert werden. Der Kanton zeigt sich im Übrigen gewillt, das Projekt Spange Nord weiter zu verbessern. Er wolle dies im direkten Austausch mit der Stadt tun, teilte er mit. Die erneut kritische Haltung der Stadt stelle das Projekt vor Herausforderungen.

Der Gemeindeverband Luzern Plus, dem neben der Stadt die Agglomerationsgemeinden angehören, unterstützt die Spange Nord. Der Verband ist sich gemäss einer Mitteilung vom Dienstag aber auch bewusst, dass im betroffenen Quartier Mehrverkehr entstehe. Er möchte deswegen, dass die betroffenen Gemeinden Luzern, Kriens, Ebikon und Emmen in einem Partizipationsprozess bei der Projektrealisierung mitwirken dürfen. (mt/sda)